Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Die richtige Aussprache des Lateinischen auf den höheren Lehranstalten. Protokoll, 909 
phySiologie genommen habe. Auch die Schule Selbst habe Sich diesen 
Bestrebungen gegenüber nicht ablehnend Verhalten ; das gleiche Thema 
Sei in kleineren und gröfseren Philologenversammlungen, dann auch auf 
der Siebenten pommergchen und vierten badischen Direktoren-Konferenz 
behandelt worden ; auch in der vorliegenden Litteratur zeige Sich, daſs 
ein grofser Teil der Lehrer für eine Reform Sei; nur bezüglich der Aus- 
dehnung gingen die Ansichten auseinander. 
Referent giebt nun die Gründe für eine Umgestaltung der AusSprache 
an. UnSere jetzige Aussprache habe zahlreiche Schwere Fehler auf- 
zuweiSen, die um 80 mehr zu begeitigen Selen, als dem Betriebe des 
JateiniSchen Unterrichtes aus denSelben Schwer ins Gewicht fallende 
Nachteile erwüchsen.“ Die übliche Aussprache der Vokale könne im all- 
gemeinen beibehalten werden, nur eu, ei Selen nicht monophthongisch zu 
Sprechen , Sondern getrennt, allerdings in einer Silbe. Aber bei den 
Konsonanten würden viele Fehler gegen die richtige AusSprache gemadcht. 
Die ASsibilation des durch € bezeichneten K-Lautes vor den hellen Vo- 
kalen e, 1, y, ae, 0e, eu werde heftig bekämpft, ebenso die ASsibilation 
bei ti. Ferner Seien in ch, ph, th die KonsSonanten getrennt aus- 
zuSprechen ; qu Sei ein k mit Schwachem vokalischen u-Nachklang, cch 
Sei € + ch, Sch Sei 8 + ch. Im An- und Inlaute Sei 8 Scharf wie das 
deutsche „S8 auszusSprechen, ebenso Sei Sp = (Sp und 8t = ſst; im 
Auslaute dagegen Sei 8 ebenso wie m Schwach. Doppelkonsonanten 
müſsten auch wirklich als Solche gesprochen werden. 
Weit wichtiger aber 8ei die Quantität; die gegen diese gemachten 
Fehler Seien ungleich Schwerer wiegend, als die Verstöſse gegen die 
richtige AusSprache der Laute, da In den antiken Sprachen gerade in 
der Quantität, wie Hartel Sage, die Gegetze Sprachlicher Entwickelung 
zumeist zum Kklarsten Ausdruck gelangten. Beeinfluſst aber von der 
deutschen Sprache, in der Accent und Länge der Silben zusammenfielen, 
Spreche man auch im Lateinischen die betonten Silben mit langem, die 
unbetonten mit kurzem Vokale aus. Streng beobachtet werde nur die 
Quantität der vorletzten Silbe in drei- und mehrsilbigen Wörtern. An 
manchen Anstalten habe man angefangen, die auf Vokal oder einfache 
KonSonanz ausgehenden Endsilben richtig nach der Quantität aus- 
zuSprechen. Dagegen werde der kurze Vokal der vorletzten Silbe bei 
zweisSilbigen Wörtern in der Regel lang gesprochen; man Spreche bönnus 
Statt bönus. Ebenso dehne man den Vokal der drittletzten Silbe drei- 
Silbiger Wörter, deren vorletzte kurz Sei und Spreche z. B. homines Statt 
hömines. 
Provinz Schlesien 14
	        

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