Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

9 10 Die richtige Aussprache des Lateinischen auf den höheren Lehranstalten. Protokoll, 
Ebens80 werde vernachlässigt die Quantität der Vokale in der der 
Tonsilbe vorangehenden Silbe eines Wortes, 8o0wie die der einsilbigen 
Wörter ; in den Fällen endlich, in denen auf den Vokal einer Silbe zwei 
oder mehrere KonsSonanten innerhalb des Wortes folgten, pflege man den- 
Selben durchweg kurz zu Sprechen, ohne auf die natürliche Quantität 
RückSicht zu nehmen. 
Die lateiniSche Accentuation habe Sich dagegen im wesgentlichen 
richtig erhalten; die über die Natur und die Arten des Accentes noch aus- 
einander gehenden Ansgichten der Gelehrten kommen für die Schule nicht in 
Betracht. Bezüglich der Betonung vor que, ve, ce, ne 8ei die von Schöll 
aufgestellte Regel, deren Richtigkeit von Wagener anch durch metriSche 
Beobachtungen erwiegen 8ei, nunmehr auch in die in Schleien eingeführte 
Ellendt-SeyffertsSche Grammatik aufgenommen. 
Auch würden mannigfache Nachteile in orthograpbiScher und gram- 
matischer Beziehung durch die richtige AussSprache begeitigt. Falsche 
AusSprache der Vokale und Diphthongen rufe falsche Schreibungen hervor, 
auch führe die ASSibilation des ci und ti zu Zweideutigkeit und Miſs8- 
verständnisgen. Die Vernachlässigung der Quantität zweisllbiger Stamm- 
wörter mit offener Stammsilbe ziehe Fehler in der Accentuation nach Sich, 
wenn diese Wörter in der ZuSammensSetzung vorkämen , zZ. B. löcus Statt 
löcus führe zu collöco Statt eölloco. Auch das Sei nicht zu befürchten, 
dass, wenn die Schüler löcus, bönus u. a. Sprechen müſsten, Sie durch das 
Deutsche verleitet würden, das 6, bezw. n zu verdoppeln ; einmal verhüte 
dies die richtige AusSprache der lateiniSchen DoppelkonSonanten, ander- 
Seits nähmen die Schüler die Worte nicht nur durch das Ohr auf, Sondern 
Sähen auch, wie Sie geSchrieben würden. Die Nichtbeachtung der Quan- 
tität erSchwere ferner das Verständnis der Flexion, die EinsSicht in die 
Sprachliche Verwandtschaft des Latein mit den Schwegter- und Tochter- 
Sprachen, Sei hinderlich der Etymologie und der Erklärung der Formen. 
Am wichtigsten 861 die Beachtung der Quantität für die PoeSie. Jetzt 
lernten die Schüler die Regeln der Progodie in der Tertia bei Beginn 
der Ovidlektüre als etwas ganz Neues und Sprächen die Wörter gegen 
die Regeln aus; auf diese Weise gäben die Regeln keine Sicherheit und 
könnten durch frühzeitige Gewöhnung an die richtige AusSprache erspart 
werden. 
Freilich auch nach Begeitigung der genannten Fehler würden wir 
das Latein noch lange nicht 80 Sprechen, wie die Römer in der klasSsSiSchen 
Zeit. Auch würde die Schule niemals daran denken können, das Latein 
nach dem Musgter der phonetiSschen Textprobe, wie Sie Seelman gegeben 
hat, leSen zu lasSen ; das würde einen Zeitaufwand erfordern, unter dem
	        

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