Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

2912 Die richtige Aussprache des Lateinischen auf den höheren Lehranstalten. Protokoll. 
Sprache im Sinne der neueren Forschungen lediglich auf dem Wege 
mechanischer Übung durchgeführt würde, 80 wäre SIe, wie alles Me- 
chanische, nur vom Übel, jedenfalls ohne Nutzen. Was die formelle Seite 
angehe, 80 müsse die Schulung des Ohres in engste Verbindung mit der 
des Auges gebracht werden; dann werde der richtigen Aussprache nicht 
eine verkehrte Schreibweise folgen. Was man ferner Progodie nenne, 
das werde insSofern ein wertvolles didaktisches Bildungsmittel, wenn die 
Schüler planmäſsig zur Reihenbildung, zum Vergleichen und Kombinieren 
(AsSo0ziation) angeleitet würden. Der inhaltliche Gewinn einer richtigen 
AussSprache aber Sei dann unbestreitbar, wenn das Verständnis für die 
Gründe der Aussprache eröffnet werde, d. h. für die organischen Pro- 
zesS8e, die uns die lateinische Sprache nicht nur im Ansgchluſs an das 
überlieferte grammatische System als ein Starres Gefüge feststehender 
Formen vorführe , Sondern uns den Blick öffne in das Werden. Es Sei, 
um an Konkrete Beispiele zu gehen , gewiſs nicht zuviel verlangt, daſs 
der Schüler der oberen Klassen wisse, warum die Ablative via, marb 
die 1. 8. W. lang, dagegen ordin& kurz Sei. Auf dem Gebiete der Kon- 
Jjugation erklärten die einfachsten Gegetze vom Bindevokal mit Leichtig- 
keit Erscheinungen wie del&erem neben teg&rem, punimus neben legimus, 
Soweit könne ein Schüler die Wandlungen der lateiniSchen Konjugation 
doch kennen, um fügit von fögit, venit von vänit nicht bloſs mechanisch 
zu unterscheiden. Auch liege es nicht zu fern, die wichtigsten Er- 
Scheinuingen der Vokalveränderung, des Umlautes, der Ergatzdehnung, 
zum Verständnis der Anssprache etwa von flümen, ndmen, mömentum u. 
dgl. zu berühren. Sicher nicht zum Schaden für das geistige Leben der 
Schüler werden die einfachsten und unbestrittensten Elemente der histo- 
riSchen Grammatik in den Unterricht aufgenommen. Wenn daher die 
vierte These einen kurzen Leitfaden der lateinischen Rechtsprechung 
fordere, 80 Solle derselbe als Ergänzung der Schulgrammatik in den 
Händen der Lehrer diejenigen Momente der lateinischen Aussprache mit 
Hilfe der historiSchen Grammatik kurz begründet darstellen und geordnet 
zuSammenstellen, welche mit Rücksicht auf ihren didaktiSchen Wert als 
necesgSaria zu bezeichen Selen, 
Auf die Frage des VorsSitzenden, für welche Klassen Korreferent 
die Benützung jenes Leitfadens vorschlage , erklärt dergelbe , für die 
Klassen von UnterSekunda au aufwärts, im Ansgchluſs an die Wieder- 
holung der Grammatik, die auf dieger Stufe eintrete, und die Sich auf 
diese Weige fruchtbar gestalten lasse. Einiges könne auch gelegentlich 
Schon früher mitgeteilt werden. Eine grundsätzliche Umgestaltung des
	        

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