Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Boestrebungen auf Herstellung der EBinheitsschule, Referat. 15 
viele Sich vorstellen, noch eines Selbständigen Wertes entbehrt. Wenn 
ein bei der lateinischen Lektüre Sich darbietender Stoff tüchtig, auch 
in lateinischer Sprache, von verschiedenen Seiten und unter neuen Ge- 
Sichtspunkten durchgearbeitet iSt und gich in Suycum et Sanguinem der 
Schüler verwandelt hat, wenn Sodann aus diegem Stoffe heraus eine Frage 
zur Bearbeitung im lateinischen Aufsatz gestellt wird, 80 kann niemand 
diese Übung eine unnütze Zeitverschwendung nennen. Die, welche den 
lateinischen Aufsatz aufheben wollen, würden bald mit Verwunderung 
wahrnehmen, wie wenig gie durch die Aufhebung an Arbeitskraft frei 
gemacht haben. Die übertriebenen Darstellungen rühren alle aus früherer, 
überwundener Zeit her, in der man glaubte die Schüler dazu befähigen 
zu können, daſs Sie über jedes beliebige Thema Schrieben. Es beruht 
demnach der Vorwurf und die Reformlust auch in diegem Punkte auf 
Unkenntnis der thatsSächlichen Verhältnisse. 
0. Die Frage der AnsSchaulichkeit wird fast von allen berührt, die 
destruierend oder reformierend an dem Gymnasgium herumarbeiten. Auch 
die letzten Verhandlungen des deutschen EinheitsSchulvereins in Halle 
gipfeln in dieser Frage. Der dritte Vortrag (von Hornemann) zeigt das 
Schon durch Sein Thema: „Die Pflege des Auges und der Anschauung in 
der BEinheitsschule", der zweite (über Mathematik und Naturwissen- 
Schaften in der KinheitsSchule von Meyer) berührt die Frage eingehend 
ÖS. 47--53, und auch der grundlegende Vortrag Fricks (die Möglichkeit 
der höheren EinheitsSchule) Scheint mit auf dasselbe Ziel, wenn auch in 
ganz anderer, vertiefender Art, zu gehen. Kühn S8. 35 erhofft von dem 
anschaulichen Unterrichte, der dem GymnasSium gänzlich fehle (S. 30), 
daſs nicht mehr Solche arbeitsunlustige Herren erzogen werden, wie Jetzt. 
Es handelt gich bei diesgen Vorwürfen und Vorschlägen um zwei 
Dinge, erstens um die auf Anschanulichkeit abzielende Methode in allen 
Fächern, zweitens Speziell um die Pflege derjenigen Fächer, die ganz 
besonders geeignet erscheinen das Auge und überhaupt die Sinnliche 
Fähigkeit für die Wahrnehmung des Änſgeren zu üben. 
Das erstere ist die Hauptgache: denn der Lehrer, der es nicht Vver- 
Steht, Seinen Unterricht anschaulich zu machen, würde Selbst bei dem 
Zeichenunterricht nicht das erreichen, was hier erzielt werden Soll. 
Das Sehen allein macht es nicht, -- das können wir täglich an uns und 
ungern Schülern wahrnehmen -- Sondern das aufmerksame Seben, das 
Sehen, wobei der Geist energisch thätig ist. So bat es ganz gewiſs 
wenig Wert, Abbildungen an die Wände der Schulzimmer zu hängen; -- 
denn es werden nach Jahr und Tag noch viele Schüler Sein, die nichts
	        

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