Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Die richtige Aussprache des Lateinischen auf den höheren Lehranstalten. Protokoll. 91 3 
lateiniSchen Unterrichts vom Standpunkte der historiSchen Grammatik 
von Sexta an beabsichtige er nicht und könne Sie auch nicht empfehlen. 
Die von den beiden Referenten aufgestellten Thesen haben folgen- 
den Wortjlaut : 
1. Es ist notwendig, eine annähernd richtige AussSprache des Latel- 
niSchen an den höheren Schulen in 80weit herbeizuführen, als 
der Umgestaltung nicht Schwere didaktische Bedenken entgegen- 
Stehen. Die Neuerung hat nach einheitlichem Gesichtspunkte an 
den Schulen der Proyinz zu erfolgen. 
2. Die Länge, bezw. Kürze der Vokale der Tonsilbe, 80wie der auf 
dieselbe folgenden Silben ist genau zu beachten, während be- 
züglich der der betonten Silbe in demselben Worte vorausgehen- 
den Vokale die gleiche Forderung nicht mit aller Strenge er- 
hoben werden kann. Auch in den durch Pogition langen Silben 
iSt die Quantität der Vokale zu beachten, Soweit die WwiSsSen- 
Schaftliche Forschung zu Sicheren ErgebnisSen geführt hat. 
. V iSt W, S8 im An- und Inlaut 8charf, ech, Sp, sSt und Sch Sind ge- 
trennt zu Sprechen; bei ti iSt die ASssSibllation aufzugeben. 
4. Kine richtige AusSprache muſs von Anfang des Sprachunterrichtes 
an durch kongequente Verbindung des Schreibens und Lesgens 
eingeübt werden. Auf diese Verbindung ist bei Herstellung von 
Übungsbüchern und besonders auch der Wörterbücher nach 
Perthes Vorgange Fürgorge zu verwenden. Es empfiehlt Sich die 
Ausgarbeitung eines kurzen Leitfadens der lateiniSchen Recht- 
Sprechung als Anhang zu der Schulgrammatik. 
Der Vorgitzende Stellt nun die einzelnen Thesgen zur Diskussion. 
Referent erklärt, nur über These 1 biSher gesSprochen zu haben 
und erhält daher das Wort zur Äuſserung über These 2-4. 
Zu These 2 erklärt er, daſs, wenn auch die lateiniSche Poesie nicht 
in dem Sinne eine quantitierende 8ei, daſs der Wortaccent gar Keine 
Berücksichtigung finde, vielmehr nach Ritsch] zwischen Wort- und Vers- 
accent eine harmoniSche DiSharmonie Statthabe, 80 Sei doch die ganze 
klasSiSche PoegSie auf der Quantität aufgebaut, deren Strenge Beobach- 
tung Schon aus diesem Grunde unerläſslich 8ei. Auch in der Prosa müssSe 
dieSelbe beobachtet werden, da viele lateiniSche Wörter und Formen nur 
durch die Quantität Sich von einander unterscheiden. Wenn daher Ritsch] 
die AusSprache der Vokale als die Hauptgache bezeichne, 80 habe er eben 
die Quantität dabei im Auge gehabt. Gewils S8ei auch hier manches 
dunkel und werde dunkel bleiben , wie die Endlängen, die sSylabae anci- 
pites, aber unzweifelhaſt komme die Streng quantitierende AusSprache der 
(wb
	        

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