Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

531 4 Die richtige Aussprache des Lateinischen auf den höheren Lehranstalten. Protokoll, 
AussSprache der Alten am nächsten. Aber auch hier empfehle Sich weise 
Beschränkung ; es Sei nicht zu verlangen, daſs die Quantität jedes Vokals 
zu beachten Sei, Sondern nur die des Vokals der Tonsilbe und der auf 
diese folgenden Silben eines Wortes, 8onst würden an ein kunstgemäſses 
Legen Schwer zu erfüllende Anforderungen gestellt werden. Bezüglich 
der der Tonsilbe vorausgehenden Vokale eines Wortes brauche deghalb 
noch nicht Willkür zu herrschen; nur von der Strikten Forderung, auch hier 
die Quantität genau zum Ausdruck zu bringen, Solle man abstehen. In 
pogitionslangen Silben 8ei die Quantität des Vokals Soweit zu beachten, 
als die Forschung Sichere Regultate aufweise. Zu These 3 bemerkt er, 
die richtige AussSprache der Konsonanten S8ei nicht von dergelben Wich- 
tigkeit, wie die Beobachtung der Quantität. Wenn auch der Lautwert 
der Konsonanten mit gröſfserer Sicherheit ermittelt worden 8ei, als dies 
von mancher Seite zugegeben werde: 80 S8ei doch die Forderung, auch 
diese Sämtlich richtig auszusprechen , zur Zeit nicht zu Stellen. Ohne 
besondere Mühe Ilieſsen Sich dagegen die in der These namhaft ge- 
machten Fälle durchführen; bezüglich des ti genüge ein Hinweis auf die 
Schulmäſsige Regel mit den vier Ausnahmen , um zu zeigen , daſs die 
Rückkehr zur klasSiSchen AusSprache für den Unterricht nur von Vorteil 
Sein könne. Begeitigt würden dann auch die Verwechselungen mit ci. 
Was die Aussprache des 6 =- k vor denselben Vokalen anlange, 80 lieſse 
Sich nicht leugnen, daſs gewichtige Gründe für das Aufgeben der ASSi- 
bilation Sprechen, doch würde eine Solche Neuerung Sehr einschneidender 
Naiur Sein, den ZuSammenhang der Schule mit dem Leben, 80 Sehr man 
dies auch zu leugnen Suche, empfindlich berühren und könne demnach 
nur dann in Angriff genommen werden, wenn Sie gleichzeitig an Sämt- 
lichen deutschen Schulen Eingang fände. Zu These 4 äuſsert er, daſs 
die richtige AusSprache nicht durch Regeln gelernt, Sondern von Sexta 
an geübt werden müsse. Jedes Wort müsse richtig vorgesprochen 
werden. Der Zugatz „nach Perthes* Vorgange" beziehe Sich auf das auch 
von Ritschl gebilligte Verfahren desSelben, nur die Quantität der langen 
Vokale zu bezeichnen ; durch das Fehlen der Quantitätsbezeichnung 
würden die kurzen Vokale als Solche hinlänglich gekennzeichnet, 80 daſs 
ein Miſsverständnis nicht entstehen könne. Kin anderes Verfahren habe 
Lattmann eingeschlagen, der mit Rücksicht darauf, daſs gerade kurze 
Vokale häufig fälschlich lang geSprochen würden, auch die Kürzen da 
bezeichne, wo erfahrungsmäſsig hiergegen nicht gefehlt werde. Dadurch 
komme aber Inkongequenz in die Bezeichnung ; auch dürfte es genügen, 
wenn Seitens der Lehrer Solchen Fällen eine besondere Aufmerksamkeit
	        

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