Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

216 Die richtige Aussprache des Lateinischen auf den höheren Lehranstalten. Protokoll. 
Friede ist ebenfalls gegen den Antrag auf Übergang zur Tages- 
ordnung; es müsse doch auch Rücksicht auf die Referenten genommen 
werden, die durch die Bearbeitung des Themas Sich einer bedeutenden 
GeisteSarbeit unterzogen hätten. 
Oberdick erklärt Sich gleichfalls für die Beratung; es Seien 
Punkte, die besprochen werden müſsten, weil abweichende Ansgichten 
vorhanden wären. 
Der Vorgitzende bringt die Regolution zur Abstimmung. DiegSelbe 
wird fast einstimmig abgelehnt. 
Darauf verliest der VorSitzende die erste These. Zu dergelben 
liegen verschiedene Abänderungsanträge vor: 
a) Volkmann und Friede: „Es ist vor allem dafür Sorge zu 
tragen, daſs der ungerechtfertigte Unterschied in der Aussprache der 
JateiniSchen ProsSa und der lateinischen Poegie begeitigt wird." 
b) Stein: Im zweiten Satze der These 1 ist zu ändern: „Die 
Neuerung hat nach einheitlichem Gesichtspunkte für Sämtliche Schulen 
der Provinz zu erfolgen." 
c) Sander und Moller: „Das Wort „annähernd" iSt zu Streichen." 
d) Brock: Der Abgsatz: „Die Neuerung ... bis erfolgen" ist zu 
Streichen. 
WosSidlo glaubt im Namen der Realgymnasgien aussSprechen zu 
können, daſs diese den vorliegenden Bestrebungen SYmpathiSch gegenüber- 
Stehen. Er habe an Seiner Anstalt die Kinführung einer richtigen Aus- 
Sprache verSuücht und damit gute Erfahrungen gemacht. Auf einen 
Gesichtspunkt wolle er noch aufmerksam machen, der vom Referenten 
nicht erwähnt S8ei. Das Latein Sei den Realgymnagien oktroyiert 
worden; dieser neue Unterrichtsgegenstand müsse von ihnen erst verdaut 
werden. Es Sei für Sie ein Mittel nötig, ihnen die Verdauung zu er- 
leichtern. Das Latein müsse zu diegem Zwecke am RealgymnasSium, das 
Sich vorzugsweise mit lebenden Sprachen befasse, ebenfalls als eine 
lebende Sprache behandelt werden. Das FranzögisSche höre der Schüler 
ja anfangs auch nicht Sprechen ; es Sei für ihn zunächst also auch eine 
tote Sprache. Bei lebenden Sprachen Sei aber die richtige AussSprache 
etwas weSentlich Notwendiges. Das Latein Sprächen wir deutsch, das 
FranzögSiSche franzöSiSch. Mit Rücksicht auf die Stellung der Real- 
gymnasglien Sel er für eine möglichst richtige Aussprache des Lateinischen. 
Sander ist für Streichung des Wortes „annähernd." Sein Antrag 
ändere den Sachlichen Inhalt nicht, Sondern begeitige nur einen Pleonas- 
mus. Die durch das „annähernd" bezeichnete Kinschränkung 8ei Schon 
grundsätzlich anerkannt, wenn es beiſse, die richtige Aussprache Sei in-
	        

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