Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Die richtige Aussprache des Lateinischen auf den höheren Lehranstalten, Protokoll, 217 
Soweit herbeizuführen, als der Umgestaltung nicht Schwere didaktisSche 
Bedenken entgegenstünden. 
Referent hält das Wort „annähernd" für notwendig, weil wir zu 
einer ganz richtigen Aussprache überhaupt nicht kommen könnten. 
Weck will Sich gegen die Äuſgerungen WogSgidlos in bezug auf die 
Bedeutung des Lateinischen für das Realgymnasium aussprechen, aber 
vom Vorsitzenden darauf aufmerkSam gemacht, daſs These 1 zur Ver- 
handlung Stehe, giebt er nur die Erklärung ab, daſs Sein Standpunkt in 
dieser Beziehung dem WosSSgidloSchen direkt entgegengeSetzt Seil. Im 
übrigen berühre es ihn höchst SympathisSch, daſs die Referenten Sich 80 
maſsvoll in ihren Anforderungen gehalten hätten. Was er Seinergeits 
vermiſst habe, Sei nur eine ausreichende Würdigung der ästhetischen 
Seite der Frage. Gerade das „annähernd" Sei für ihn von Wert; er er- 
kläre Sich daher mit Thesge 1 des Referenten in ihrer ursprünglichen 
FasSung einverstanden. 
Hoppe will Schwere Bedenken gegen den zweiten Teil der ersten 
These geltend machen. Selbst diejenigen, welche die richtige AusSprache 
wisSenschaftlich erarbeitet hätten, wendeten Sie nicht an. Bei Gelegen- 
heit des Abiturientenexamens habe er die Erfahrung gemacht, daſs von 
14 Anstalten nur an einer einzigen, und zwar an einer realistischen, die 
(Juantitäten richtig beobachtet wurden. Der phonetische Teil der Aus- 
Sprache Sei ungicher. Man Sei darüber uneinig, ob man die AusSprache 
der Zeit Ciceros oder Quintilians annehmen Solle. Sicher werde die 
AusSprache für den ganzen Umfang der lateinischen Sprache niemals, nur 
für einen Teil könne das Richtige festgestellt werden. Ferner habe die 
falsche AussSprache viele Jahrhunderte hindurch bestanden und werde in 
den Fremdwörtern festgehalten. Als Hauptmoment für die richtige Aus- 
Sprache werde aber gerade angeführt, daſs Sie das Verständnis der 
Fremdwörter erleichtere. Das Gegenteil Sei der Fall, wenn eine 
Differenz in der AusSprache dergelben Wörter im Deutschen und La- 
teiniSschen eintrete. Soweit aber die richtige Aussprache des LateiniSchen 
dem deutschen Idiom widerspreche, bedinge jene eine Erschwerung 
des Lernens. Die lateinischen Stunden reichten gerade aus zur Er- 
Jernung der Sprache, die Schon jetzt dem Schüler Schwierigkeiten genug 
biete. Nun füge man noch etwas Neues hinzu, nämlich, daſs der Schüler 
auf die richtige, dem Deutschen widerstrebende AusSsSprache achten müsse. 
Dem Wortlaut der These, die ja die richtige AusSprache nur in Soweit 
verlange, als ihr keine Schwerwiegenden Bedenken entgegenstünden, 8el 
er im übrigen nicht entgegen , müsse aber die angeführten Bedenken als 
Schwerwiegende bezeichnen.
	        

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