Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

218 Die richtige Aussprache des Lateinischen auf den höheren Lehranstalten. Protokoll, 
Petersdorf meint, daſs die Differenz zwiSchen der AusSsprache ge- 
wisSer Wörter im LateiniSchen und Deutschen kein Grund gegen die 
Einführung einer richtigen AusSprache Sein könne, Man habe Solche 
Unterschiede ja auch bei Wörtern, welche aus dem GriechisSchen 
Stammten; ebenso in der Geographie. 
EiSmann führt neue Bedenken gegen die neue AusSprache an. 
Die Schüler Seien 9 Jahre, wenn Sie LateiniSch zu lernen anfingen, 
könnten kaum im Deutschen orthographisch richtig Schreiben. Nun 
würden ihnen durch die neue AusSprache des LateiniSschen neue ortho- 
graphische Schwierigkeiten bereitet. Der Lehrer würde also neben dem 
Kampfe gegen die grammatischen Fehler noch einen Kampf gegen die 
falsche Schreibung zu führen haben. 
Eckardt ist der Angicht, daſs es bei einer toten Sprache nicht 80 
Sehr auf die AusSprache ankomme. Lachmann habe in Seinen Kollegien- 
heften jede Silbe eines jeden lateiniSchen Wortes mit der Quantität be- 
zeichnet, um bei Seinem Vortrage die richtige AusSprache gegenwärtig 
zu haben. Wenn es also 8chon für Lachmann Schwer gewesen Sel, 
jedesmal die richtige AusSprache zu treffen, 80 Würde dies für uns Lehrer 
doch noch viel Schwieriger Sein. Man würde mit Seinem Pensgum nicht 
fertig Werden, weil man die Aussprache zu oft korrigieren müſste. Auch 
im Deutschen hätten wir Ja Keine allgemein richtige AusSsSprache. 
Scheiding glaubt, daſs die Schwierigkeiten zu Sehr übertrieben 
würden. Der Lehrer müsse die einzelnen Worte nur ordentlich Vvor- 
Sprechen. | 
Hasper Stimmt den Bedenken Hoppes zu, kann aber den Bedenken 
EiSmanns nicht beistimmen. Im FranzögiSchen verlange man die richtige 
AusSprache , warum Solle man diegelbe Forderung nicht im LateiniSchen 
Stellen ? 
Der Vorgitzende erklärt, da Sich kein Redner mehr zum Worte 
gemeldet habe, wolle er zur Abstimmung Schreiten. 
Zunächst wird das Amendement c abgelehnt. Dann wird der erste 
Teil der These 1 fast einstimmig angenommen. Ebenso wird das Amendement 
a abgelehnt. Zum Antrage d erhält der Antragsteller Brock das Wort. 
Er ist der Angicht, daſs das allgemein als gut Anerkannte auch all- 
gemein anzunehmen 8el. Er Sehe nicht ein, warum man es anf eine 
Provinz beschränken wolle: Das Sähe aus, als wolle man einen Druck 
auf das Königl. Provinzial-Schulkollegium ausüben. Der Antrag d wird 
darauf mit Majorität angenommen. 
Der Vorsitzende erklärt, daſs damit der Antrag b ebenfalls er- 
ledigt Sei.
	        

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