Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Bestrebungen auf Herstellung der Einheitsscbule, Referat, 9 1 
Es giebt drei Auswege aus diesem Zustande: Entweder bemüht man 
Sich Seitens der Univergitäten einen Weg zu finden, daſs auch verschleden 
vorbereitete Studierende das betreffende Fach ohne gegenSeitige Störung 
und Hemmung bearbeiten können; oder man läſst zu jedem Studium nur 
Abiturienten dergelben Schulgattung zu; oder man bildet alle auf einer 
Einheitsschule gleichmäſsig vor. Von der Unmöglichkeit der Einheits- 
Schule wird noch ausführlicher im weiteren Verlaufe des Berichts ge- 
handelt werden; hier Soll nur hervorgehoben werden, daſs die (deutsche) 
Kinheitsschule die RealgymnaSien nach mehr als halbhundertjährigem 
Bestehen aufsaugen würde, daſs aber, Sobald das geschehen, weil die 
Einheitsschule weder die realen noch die gymnagialen Forderungen voll 
befriedigen kann, das Bedürfnis einer vorwiegend realen Bildung 8ofort 
wieder mit aller Kraft bervortreten und Sich zur Geltung bringen würde. 
Denn es ist ein Irrtum, der auch aus manchem Gutachten herausklingt, 
daſs die Realschulen entstanden Sind, um die Realien, die realisStiSche 
Bildung zu gleichem Rechte kommen zu lasgen, wie die gymnagialen 
Fächer; die Realschulen Sollten vielmehr Schulen mit überwiegend 
realer Bildung Sein und waren in der unzweifelhaften Absicht begründet 
worden, den Bedürfnisgen des praktischen, realen Lebens, der Industrie, 
des Handels entgegenzukommen. Diege Genesis*) wird nicht bloſs von 
vielen derjenigen vergessen und verkannt, die auf einer einzigen Schule 
die realen und gymnagialen InteresSen verSchmelzen Wollen, Sondern die 
Realschule Selbst hat eine Entwickelung genommen, die von jenem 
Ursprunge Sich abgewandt hat, indem Sie Sich anheischig macht, nicht 
*) Ich lasge zur Beleuchtung der Genesis der Realschulen eine dergselben gelbst 
reden. Es fällt mir eben in die Hände das Programm der höheren Bürgerschule zu 
Breglau vom Jabre 1838, in dem Direktor Kletke schreibt S. 16/17: „Soll nicht auch 
die Schulbildung der Nichtstudierenden eine in gich abgeschlosgene, gerundete Sein? 
Sollen gie nur als Beiläufer [nämlich auf dem Gymnagium] behandelt werden, während 
gie doch die gröſgere Zahl ausmach82n? . . . . Daher ist die Errichtung und Förderung 
höherer Bürgerschulen gewiſs das Sicherste Mittel den übergroſsen Andrang zu Staats- 
ämtern zu mindern und den Blick des Volkes auf technische Unternehmungen, auf Be- 
lebung der Industrie und den Wert der frei Sschaffenden produzierenden Kraft zurichten." 
„Wenn denn nun die höhere Bürgerschule durch die Zeitverhältnisse Selbst ber- 
vorgerufen ist, wenn ihre Anzahl in allen deutschen Staaien mit jedem Jahre wächst, 
wenn viele dergelben bereits den Beweis geführt baben, daſs gie nicht den bloſs 
materiellen Interessen und Wüngcehen dienen, daſs Sie die Erhebung des Bürgerstandes 
durch Bildung des Geistes und Herzens, durch Belebung eines geläuterten Kunstsinnaes 
erzielen, und gich 80mit als eigentliche Nationalschulen erweisen wollen, welche den 
gröſgeren Teil des Volkes zu einem durch Kunst und Wisgenschaft veredelten bürger- 
lichen und gegelligen Leben zu erziehen bestimmt gind; wenn es vielen, die golehes 
Ziel verfolgten, gelungen ist, das Vertrauen und den Beifall der höchsten Staatsbehörden 
zu erwerben: 80 kann an der Wichtigkeit und Kotwendigkeit golcher [nstitute nicht 
mehr gezweifelt werden." . . .
	        

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