Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

24 Bestrebungen .auf Herstellung der Einheitsschule, Referat. 
könnte, die ihn zu dem allein für ihn pas8enden Beruf zu führen im 
Stande wäre. ISst aber thatsgächlich einmal eine Solche Starke und exclu- 
Sive Kigenart vorhanden, dann giebt gie Sich Sicher anch früh genug zu 
erkennen; von Solchen Naturen Kann daher nicht gelten, was gegen eine 
verfrühte Entscheidung über den künftigen Beruf vorgebracht wird. 
Die meisten Menschen werden aber zu ihrem künftigen Beruſe nicht 
ausschlieſslich, ja nicht einmal hauptsächlich durch ihre Anlage getrieben, 
Sondern auch durch mancherlei äuſfsere Umstände und Erwägungen, vor 
allem gerade durch die Schulbildung Selbst, die Sie genieſsen, S0WwIe 
durch den EKinfiuſs der Lehrer, gelbst der Mitschüler. Wie könnte z. B. 
Jemand vor der Wahl der Schule Sich zu dem Studium der Philologie ent- 
Schlieſgen können ? das kann er erst, wenn er auf dem Gymnasium Selbst 
80 weit vorgeschritten ist, daſs ihm eine gewisge Eingicht in diegses 
Studium eröffnet ist. Eine überlegte Wahl des Berufs erfolgt überhaupt 
bei den meiSten erst gegen Ende der Schulzeit und hängt zu Sehr von 
dem ganzen Wegen und Charakter des Menschen ab, die zwar Schon 
in frühen Lebensjahren angedeutet zu gein pflegen, deren Bewährung 
und feste Durchbildung aber eigentlich erst mit der Berührung des völlig 
freien nicht mehr im Zwange der Schule Stehenden Menschen mit der 
Welt beginnen. Deghalb Sehen viele erst auf -der Univergität ein, daſs 
das von ihnen erwählte Studium für Sie nicht paſst, und manche von 
ihnen haben den Mut und die Mittel, es mit einem andern zu vertauschen. 
Es folgt hieraus, daſs, wenn nur eine Schule alle gleichmäſsig vor- 
bildete, dennoch Keine Gewähr dafür vorhanden wäre, daſs alle den 
rechten Beruf erwählten. | 
Für die maſsvollen Ansprüche aber ist heut Schon genug gethan, 
ingofern WenigStens Gymnagium und Realgymnasium einen gemeingamen, 
leider nicht völlig gleichen Unterbau von VI bis IV haben, 80 daſs ein 
Knabe noch im 13. bis 15. Lebengjahre Sich über die Wahl des für ihn 
geeigneteren SchulsyStems entscheiden kann, wenn er oder Seine ANn- 
gehörigen überhaupt im stande Sind, die in betracht kommenden 
Schwierigen Fragen zu lögen. 
Demnach kann denjenigen Bedenken gegen die Vielheit der Schul- 
SySteme, die von der erschwerten oder verfrühten Entscheidung über die 
Wahl des künftigen Berufs des Schülers ausgehen, ein Einfluſs auf die 
Gestaltung des Schulwegens nicht zugestanden werden. 
CU. Dualismus. 
Ein viel erheblicherer Einwand gegen die Spaltung des Schulwegens 
würde es Sein, wenn der Vorwurf begründet wäre, daſs Sie die Sonderung
	        

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