Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

36 Bestrebungen auf Herstellung der Einheitsschuie, Referat. 
B. Die eigentliche Einheitsschule (Deutscher Einheits- 
Schulverein.) 
1. Die Gegehichte des Einheitsschulvereins. 
Die erste Anregung dazu, der nationalen Einigung Deutschlands 
auch auf dem Gebiete der Schule einen Ausdruck zu geben, ging von 
der Regierung Selbst aus, indem der preuſsische Kultusminister Falk im 
Oktober 1873 einer zur Beratung über Fragen des höheren Schulwesens 
berufenen Konferenz u. a. die Frage vorlegte: „Ist die Stellung der 
Realschulen zwiSchen den Gymnagien und den technischen Lehranstalten 
für ein Bedürfnis anzugeben, oder ist im nationalen Interesse grölserer 
Einheit der Bildung darauf Bedacht zu nehmen, daſs die jetzt vorhandene 
Trennung des höheren Unterrichts in eine gymnagiale und eine realistische 
Richtung begeitigt, und beide Richtungen in einer und dergelben Angtalt 
vereinigt werden?" Der über diese Frage Bericht erstattende Geh. R, 
Dr. Wiege faſste Seine Meinung dahin zusammen, daſs er die Kinheit 
der wisSengchaftlichen Vorbereitungsschule für das BesSere angehe, aber 
die Herstellung derSelben in gegenwärtiger Zeit für unmöglich halte und 
demnach die obige Frage in ihrem ersten Teile bejahe. Dem gegenüber 
brachte Reisacker den Vorschlag einer Kinheitsschule von VI bis OII ein, 
die den entsprechenden Gymnagialklassen gleich Sein Sollte, Sowie einer 
Gabelung der Prima in eine humanistische und eine realistische Ab- 
teilung. Die Majorität der Konferenz aber bejahte, unter Ablehnung aller 
Einbeits- und Bifurkationspläne, mit Wiese den ersten Teil der ge- 
Stellten Frage. | 
Diegelbe Anschauung herrsgchte im Ministerium auch noch zur Zeit 
der Veröffentlichung der revidierten Lehrpläne, in denen es heiſst: „Die 
Unterscheidung der Gymnagien und Realgymnasgien ist als Sachlich be- 
gründet und durch die Erfabrung bewährt aufrecht zu halten; der von 
vereinzelten Stimmen befürwortete Gedanke, für alle diejenigen jungen 
Leute, deren Lebensberuf wissenschaftliche Fachstudien auf einer Upi- 
vergität oder einer techniSchen Hochschule erfordert, eine einheitliche, 
die Aufgabe des GymnasSiums und der Realschule verschmelzende höhere 
Schule herzustellen, ist, wenigstens unter den gegenwärtigen Kultur- 
verhältnisgen, mit denen allein gerechnet werden darf, nicht ausführbar, 
ohne daſs dadurch die geistige Entwickelung der Jugend auf das Schwerste 
geSchädigt werde". 
Trotzdem ist die der Oktoberkonferenz gestellte Frage immer wieder 
aufgeworfen worden, und das Drängen nach der durch sie angedeuteten 
Richtung hat an Energie und Nachhaltigkeit, darum aber auch an
	        

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