Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Bestrebungen auf Heratellung der Einheitsschule, Referat, 45 
Methode. 
Durch die gegamten Erörterungen des KinheitsSchulvereins geht bin- 
durch und kehrt immer wieder der Gedanke, daſs alles auf eine besSere 
Methode ankomme. 80 g8agt auch Hornemann wieder in Seiner jüngsten 
Schrift 8. 108: „Doch die Gestaltung eines Lehrplanes ist nicht die gröfste 
unter den Schwierigkeiten, welche vor (Sic!) der vollkommenen Durch- 
führung unserer nationalen Schüle überwunden Sein müssen. Vielmehr 
haben wir. im obigen überall zugleich auf Herbeiführung einer verbesSerten 
Lehrweise dringen müssen." Das klingt 80, als ob Methoden 8prungweise 
wie Moden Sich der Schule bemächtigen könnten, und nicht vielmehr 
immer die letzte Summe, die letzte Frucht einer langen und arbeitsvollen 
Entwickelung sSein müſsten. So lange es überhaupt Schulen giebt, haben 
die Schulmeister, jeder für Sich, manche gemeinsam, geprüft, welchen 
Weg Vernunft und EKrfahrung empfehlen, und das, was Sie bei 
ihrer Prüfung gefunden, praktisch angewandt. Die Methode ist nichts 
im Strengen Sinne Lehrbares, obwohl Muster und Lehre die vorhandene 
Befähigung anregen können. Es verlangt der Beruf des Lehrers, wie 
nichts anderes, völlige perSönliche Hingabe an das Objekt und an das 
Subjekt und Selbstverständlich eine gründliche Kenntnis beider, verbunden 
mit der Kunst, beide mit einander auf die wirkSamste Weise in Be- 
ziehung zu Setzen. Hiervon muſs der Lehrer den gröſfsten Teil 8chon 
haben, muſs er Sich Selbst erringen, das wenigste kann ihm von auſsen 
kommen. Daher 'giebt es, auch wenn wir nur an den Lehrer denken, 
nur eine individuelle Methode, und der Ausdruck „die" beste Methode 
kann leicht miſsverstanden werden. 
Die methodischen GrundSsätze, die beredte Männer des EinheitssSchul- 
vereins -- nicht zum ersten Mal, darum aber nicht umSsonst -- aus- 
Sprechen, finden gewiſs allgemeine Zustimmung, zumal bei denen, die 
Selbst Schon ähnliche Wege gSich erschlosgen haben; aber von den zwei 
Folgerungen, die möglicherweise aus dem Starken Betonen begsgerer me- 
thodischer Grundsätze gezogen werden können, nämlich, daſs dem höheren 
Schulwesgen biSher gute Methode allzufremd geblieben Sei, und daſs, wenn 
diese gefunden, die Kinheitsschnle möglich Sei, ist keine richtig. Wir 
können die Meinung nicht zurückhalten, daſs, da die Einheitsschule auch 
aus anderen Gründen Sobald nicht erstehen wird, jene dankenswerten 
Bestrebungen und Belehrungen, die ein immer besseres Verständnis für 
methodische Behandlung der Lehrgegenstände herbeiführen wollen, nie 
aufhören Sollten, 80 lange es überhaupt Schulen giebt: denn auch der 
letzte Schüler auf Erden wird die beste Methode noch nicht haben. 
Und wenn von dem neuen Verein nichts bleibt, als die energische
	        

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