Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Bestrebungen auf Herstellung der KEinheitsschule, Korreferat. 49 
des ErgebnisSes durch den Umstand erschwert, daſs nicht alle Anstalten 
Protokolle eingesendet hatten, in denen das Ergebnis der Beratungen 
kurz und bestimmt in Thegen zusSammengefaſst war. Auch möge hier 
ausdrücklich hervorgehoben werden, daſs die in den Konferenzen gefaſsten 
BegchlüsSse zuweilen den in den BKinzelgutachten gegebenen Angichten 
geradezu widersprechen oder nur von einer mehr oder weniger Starken 
Majorität herrühren, ohne daſs es bei der Zersplitterung der Meinungen 
thunlich war, dies überall beSonders hervorzuheben. 
Von den 38 gymnasSialen Anstalten (einschlieſslich des Progym- 
naSiums Frankenstein) haben Sich 19 gegen die EKinheitsSchule ausge- 
Sprochen; es Sind: Breslau (Mar. Magd.), Breglau (Johannes), 
Breglau (König Wilhelm G.), Brieg, Glatz, Groſs-Glogau (evang.), 
Grofs-Glogau (Kkathol.), Hirschberg, Jauer, Kattowitz, Lieg- 
nitz (evang.), Neiſse, Oels, Oppeln, Patschkau, Pleſs, Ratibor, 
Sagan, Schweidnitz. 
Die hauptsächlichsten Gründe, welche zu diesen ablehnenden Voten 
geführt haben, lasSen Sich kurz folgendermaſsen zusammenfasgen. ZU- 
nächst werden die VorausSetzungen, auf welchen die Verfechter der Kin- 
heitssSchule fuſsen, als berechtigt nicht anerkannt, vor allem aber wird 
die Annahme, als ob durch die Mannigfaltigkeit der höheren Schulen die 
Kinheit des Volksgeistes gefährdet werde, bestritten. Die Mittel und 
Wege, welche für die Erreichung des Zieles vorgeschlagen Sind, werden 
als unklar und unausführbar bezeichnet, und im begsonderen ausgeführt, 
daſs die Vereinigung der Ziele der Gymnagial- und Realschulbildung auf 
eine einzige Schule zur Zersplitterung der jugendlichen Kräfte und zur 
Überbürdung führe, und eine Überladung des Lehrplanes zuwege bringe, 
welche eine gründliche und gleichmälſsige Bildung unmöglich mache und 
Verflachung und HerabsSetzung des Bildungsniveaus zum Ergebnis haben 
müsse. Endlich wird auch die Ausgicht, durch eine verbesSerte Methode 
diese Schwierigkeiten mit Erfolg zu begeitigen, als eine trügerisSche ange- 
Sehen. Den Bestrebungen des Einheitsschulvereins gegenüber wird die 
Notwendigkeit hervorgehoben, den Lehrstoff der höheren Schulen zu 
vermindern, Statt ihn zu vermehren, und betont, daſs der historisch 
gewordene Unterschied zwiSchen Gymnasium und Realschule unseren ge- 
genwärtigen KulturverbhältnisSen entspreche und beide Schulen in ihrer 
Eigenart dem Bedürfnis ungeres Volkes nach allgemeiner Bildung ange- 
paſst Seien. 
Eine besondere Stellung zur Sache nehmen folgende Ansgtalten ein. 
Der Referent des GymnasSiums Königshütte hält die Frage noch nicht 
für Spruchreif, ohne Jedoch prinzipiell gegen eine KinheitssSchule über- 
Provinz Schlegien. 4
	        

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