Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

50 Bestrebungen auf Herstellung der Einheitsschule. Korreferat, 
haupt zu Sein. Die Lehrerkonferenz von Groſfs-Strehlitz Spricht Sich 
gegen eine reine Einheitsschule aus, hält aber eine Gabelung in den 
oberen Klasgen für möglich. Die Lehrerkonferenz von Görlitz, deren 
Referent Sich für die EinheitsSchule ausspricht, will die Gabelung nach 
einem Gjährigen Kursgus, die des Progymnagiums Frankenstein von 
Untergekunda ab eintreten lasSen. Das Lehrerkollegium von Strehlen 
lehnt die volle Einheitsschule ebenfalls ab; dagegen ergab die Abstim- 
mung über den Antrag „der einheitliche Unterbau bis Ober-Tertia ein- 
Schlieſslich ist durchführbar" Stimmengleichheit. 
Für eine Einheitsschule, jedoch unter verschiedenen Vorbehalten, 
haben Sich 14 Gymnasgien ausgesprochen; es Sind: Beuthen), Breslau 
(Eligabeth)?), Breslau (Friedrich)*?), Breslau (Matthias)*), Bunz- 
lau *), Gleiwitz), Kreuzburg"), Lauban *), Liegnitz (Ritter- 
Akad.)*), Leobschütz 1), Neustadt"), Ohlau *), Waldenburg"), 
Wohlau 't).*) 
*) Die bezügl. Thegen der genannten Anstalten lauten folgendermaſsen: 
1. Die Bestrebungen, welche auf Herstellung der ELinheitsschule gerichtet Sind, 
können nur unter der Vorausgetzung auf Billigung rechnen, daſs die ELin- 
heitsschule von dem gegenwärtigen Lehrplane und Lehrziele des Gymnagiums 
möglichst wenig abweicht, daſs also ein Lektionsplan gefunden werden Kann, 
in welchem eine maſsvolle Verstärkung des Franzögischen in der Tertia, die 
Einführung des Englischen in Sekunda und Prima, eine gleichmäſsige Ent- 
wicklung des mathematischen Unterrichtes und die obligatorische Fortführung 
des Zeichenunterrichtes bis Tertia einschlieſsl. ohne Beeinträchtigung des 
Unterrichts in den klassischen Sprachen und ohne Überbürdung der Schüler 
ermöglicht wird. 
2. Nur bei Verschmelzung des gymnagialen und realgymnagialen Lehrplans 
kann die höhere Schule die ungerem heutigen Kulturzustande entsprechende 
allgeweine Bildung gewähren. 
3. Das Streben nach einer Einheitsschule ist berechtigt. -- Das Gymnagium in 
Seiner jetzigen Gestalt kommt der Erfüllung der Aufgabe eine höhere allge- 
meine Bildung zu gewähren am nächsten. -- Die dem naturwisgenschaſftlichen 
Unterricbte am Gymnagium eingeräumte Zeit reicht aus, um diesem Fach 
den ihm zukommenden Einfluſs auf die Geistegentwicklung zu geben. 
4. Die Bestrebungen, welche auf die Herstellung der Einheitsschule gerichtet 
Sind, gind zu billigen. -- Für die höhere ELinheitsschule bildet das Gymnasium 
die Grundlage. 
5. Es gind in gröſgerem Umfange „höhere Bürgerschulen" zu schaffen mit der 
Berechtigung zum Einjährig - Freiwilligen Dienst. Die dadurch erleichterte 
Verschmelzung des Gymnagiums und Realgymnagiums zu einer „höheren 
Einbeitsschule" ist wünschenswert. 
6. Für die höheren Studien wäre eine Linheitsschule als Vorbereitung unter 
der Bedingung wünchenswert, daſs die Beschäftigung mit der lateinischen 
und griechischen Sprache und Litteratur durchaus keine Einbuſse erlitte, 
7. Die engere Forderung der Einheitsschulmänner für die oberste Bildungs- 
Schicht des Volkes eine einzige Unterrichtsanstalt einzuführen, ist im Prinzip
	        

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