Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

52 Bestrebungen auf Herstellung der Einheitsschule. Korreferat, 
Fächern den ihnen zukommenden Linfluſs auf die Geistesentwickelung 
zu gewähren. Von einigen Anstalten wird auch die Meinung ausge- 
Sprochen, daſs eine Erweiterung des Zeichenunterrichtes und die EKin- 
führung des Englischen als fakultativen oder obligatoriechen Unterrichts- 
gegenstandes ohne Überbürdung möglich Sei und mehrfach erhobenen 
Wünsgchen entsprechen werde. Ferner wird auch von einigen Seiten 
empfohlen, den Unterricht in den neueren Sprachen vorwiegend nach 
praktischen Gegichtspunkten zu betreiben. Als Voraussgetzung der 
Durchführbarkeit einer Solchen höheren EinheitsSchule endlich wird fast 
allgemein die Errichtung von höheren Bürgerschulen, von einzelnen auch 
Speziell die Förderung der Oberrealschulen verlangt. 
Von den Realgymnagien hat die überwiegende Mehrzahl die Ein- 
heitsschule abgelehnt; 80 Breglau (Zwinger), Breslau (a. Geist), 
Grünberg, Landeshut, Neiſse und Tarnowitz. Das ablehnende 
Votum wird dadurch begründet, daſs eine Klärung der Ansgichten über 
die Kinheitsschule noch nicht eingetreten Sei, jedenfalls aber durch eine 
Vereinigung der Ziele des GymnagSiums und Realgymnasiums eine 
Überbürdung der Schüler, eine Zersplitterung ihrer geistigen Kräfte und 
Somit eine oberflächliche Bildung herbeigeführt werde. Auch wird in den 
Bestrebungen zur Herstellung einer Solchen EinheitsSchule ein Hindernis 
der weiteren Entwicklung des Realgymnagiums erblickt. Von allen aber 
wird der Wunsch ausgesprochen, daſs den Abiturienten der Realgym- 
nagien prinzipiell der Zugang zu allen akademisSchen Studien, zum min- 
desten aber zum Studium der Medizin freigegeben werde, und damit be- 
gründet, daſs nur auf diese Weise erkannt werden könne, welche von 
den beiden Schulen, das Gymnagium oder das Realgymnasium, im 
geistigen Wettbewerbe Sieger bleiben werde. 
- Die Lehrerkonferenz des Realgymnagiums zu Reichenbach 1./Schl. 
entschlieſst Sich dagegen für eine G6jährige Einheitsschule im Angchluſs 
an den Lehrplan des Realgymnagiums, auf welche dreijährige Parallelkurse 
zur Vorbereitung auf die wisSenschaftlichen Studien der Hochschulen 
folgen Sollen. Die Konferenz des Realgymnasiums zu Sprottau ent- 
Scheidet gich ebenfalls für eine Gabelung von OIL an, während Referent 
eine Unterschule vorschlägt, welche mit zwei fremden Sprachen (Latein 
und Franzögisch) nur bis OIII einschl. reichen Soll. 
Von den Realprogymnagien und höheren Bürgerschulen ent- 
Scheiden gich die Lehrerkonferenz der ev. höh. Bürgerschule 1 BresSlau 
und der Referent der Wilhelmsschule zu Liegnitz für die Einhbeits- 
Schule; ablehnend verhalten Sich kath. höh. Bürgerschule zu Breglau, 
Freiburg und Striegau. Der Referent von Freiburg hebt zugleich
	        

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