Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Bestrebungen auf Herstellung der Einheitsschule, Korreferat, 63 
umfasSen müsgsSen, durch welche ungere eigene Bildung bestimmt worden 
iSt". (Schiller Hdbuch d. Päd. 8. 348). Während dies auf staatlichem und 
rechtlichem Gebiete die Römer gethan haben, verdanken wir den Griechen 
die wisSenschaftliche Grundlegung der Ideen des Guten, Wahren und 
Schönen. „Sokrates und Seine Schüler haben das Gute zuerst nicht als 
Gegetz und Gebot, Sondern als Sittliche Freiheit erkannt, Sie haben zuerst 
eine Ethik und Politik als WisSenschaften begründet. Griechen haben 
das Schöne in Seiner Gegengätzlichkeit zum Sinnenreiz und zum Schreck- 
lichen oder Groſfsen erkannt und die ersten Kunstlehren geschrieben; 
Griechen haben die erste Erkenntnistheorie aufgestellt und für alle Zeiten 
die wisSenschaftliche Methode bestimmt" (Ref. Breslau Johann.). Wer 
als0o zu eigenem und begründeten Urteile über das Jetzt gelangen will, muſs 
das Einst Kennen. Eine volle bistoriSche Bildung gewährt bloſs die 
Kenntnis des Lateinischen und Griechischen; jede von diesen Sprachen, 
für Sich allein betrieben, giebt nur eine eingeitige Grundlage für diegelbe. 
„Es zeugt aber auch andererSeits von einem wunderbaren Verkennen 
der thatSächlichen Verhältnisse und geringer pädagogischer Kingicht, wenn 
man wiederum das Lateinische im Vergleich zum Griechischen herabsetzt. 
Es 1st ja richtig, daſs die griechisSche Literatur an geistigem Gehalte 
höher steht als die römische, aber darum steht die letztere noch Keines- 
wegs niedrig da, Sondern Sie behält auch der griechischen gegenüber 
ihren eigentümlichen, Selbständigen Wert. KeineSwegs bloſs durch die 
Griechen, Sondern durch Römer und Griechen zusSammen, gewinnt man 
ein anschauliches Bild von der Kultur der antiken Menschheit, und 
daſs die Griechen dem modernen BewuſstSein näher Stehen als die Römer, 
iSt 80 allgemein ausgedrückt, nicht wahr. Das Lateinische, nicht das 
Griechische ist die katholiSche KirchensSprache, und Somit in gewisser 
Hinsicht noch immer eine lebende Sprache . . . Wie geographisch Rom 
uns näher liegt, als Athen, 80 auch geistig. Vom Deutschen zum Grie- 
chiSchen iSt ein gewaltiger Sprung, der naturgemäſs durch die modernere 
ZwiSchenstufe des RömisSchen überbrückt wird. Es 1ist ein nicht zu 
übergehender Umstand, daſs der hb. Augustin, der Vater der modernen 
Bildung, der erste wirklich moderne Schriftsteller, durch die Lektüre von 
Ciceros Hortengius zum Studium des Plato und weiterhin der Bibel ge- 
kommen ist". (Ref. Jauer.) 
Die Beschäftigung mit den KklassSiSchen Sprachen und Litteraturen 
des Altertums ist also mit vollem Rechte stets als ein Vvortreffliches und 
unentbehrliches Mittel der Bildung angesehen worden und wird ihren 
Wert in den Augen aller, welche Sich noch einen Sinn für die historiSche 
Kontinuität der menschlichen Kultur bewahrt haben, auch behalten.
	        

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