Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Bestrebungen auf Herstellung der Kinbeitsschule, Korreferat. 65 
Bildungselemente nicht vernachlässSigen darf, iSt 80 Selbstverständlich, 
daſs es eigentlich keiner weiteren Begründung bedarf. Aus der Ge- 
Schichte der Pädagogik ergiebt Sich ja der Satz, daſs die Aufgabe der 
Erziehung durch die Kultur der Zeit gelbst bedingt wird und Sonach 
gemäſs den Wandlungen und Fortschritten, welche die Kultur eines 
Volkes macht, Sich Selbst wandeln und fortschreiten muſs. 
„Ohne den ausgezeichneten Männern, welche an der Gestaltung 
ungeres Gymnasgialwesens Sich beteiligten oder noch daran arbeiten, zu 
nahe treten zu wollen", 80 Sprach du Bois-Raymond 1877 in Seinem Vor- 
trage „Kulturgeschichte und Naturwisgenschaft", „kann ich meine Über- 
zeugung nicht verbergen, daſs der Geist des Gymnagiums nicht gehörig 
Schritt hält mit der Entwickelung des modernen Geistes der MenSchheit. 
Ich habe ein offenes Auge für die Gefahren, mit denen zu weit getrie- 
bener Realismus ungere geistige Kultur bedroht. Aber die neue Gestalt 
welche die NaturwisSenschaft dem mensgchlichen Dasgein erteilte, ist docb 
auch nicht wegzuleugnen. Es hieſse, dem Vogel Strauſs ähnlich, den 
Kopf in den Sand stecken, wollte man den gewaltigen Umschwung ver- 
kennen und es wäre vergeblich und gefährlich, dem rollenden Rade Solcher 
weltgeschichtlichen Entwickelung in die Speichen zu ſallen. Bis Jetzt 
hat aber das Gymnasgium diegser Entwickelung nicht gebübrend Rechnung 
getragen. Trotz einigen mehr Scheinbaren als wirklichen ZugeständnisSen 
iSt es im Innersten noch immer die aus der Zeit der Reformation, wo 
es noch keine NaturwissSengchaft gab, Stammende gelehrte Schule, welche 
wegentlich auf Vorbereitung für GeisteswisSenschaften bedacht ist". 
„in diegem Zurückbleiben des Gymnagiums hinter den Forderungen 
der Zeit liegt die Stärke der Realschule. Auf die verwickelte Frage 
nach den Befugnisgen beider Arten von Angtalten einzugehen, kann hier 
nicht meine Abgicht Sein. Übrigens bekenne ich mich zu der Ansicht 
derer, welche nur eine Art höherer Schule wollen, die ihre Zöglinge gleich 
vorbereitet und gleich berechtigt zur Univergität, zur Gewerbe- und 
zur Bauakademie, zum Heere u. 8. w. entlasse. Selbstverständlich 
müſste dies das zweckmäſsig umgestaltete humanistiseche Gymnasgium 
Sein. Um ohne jede Verwaltungsmaſsregel der Nebenbuhblerschaft der Real- 
Schule ein Ende zu machen, Scheint nur nötig, daſs das Gymnagium den 
Zeitbedürfnisgen etwas von Seinen ehrwürdigen, aber überlebten An- 
Sprüchen opfere und etwas mehr den Strebungen der modernen Welt Sich 
anpasse. Sobald das Gymnasgium bona fide mit neuem Geiste sich tränkt, 
und geeignete Vorbildung auch Solchen gewährt, welche anderen als 
GeisteswisSensSchaften Sich widmen, wird jene Nebenbuhlerschaft von 
Selber aufhören. Die viel erörterte Frage nach ZulasSung der Realschul- 
Provivz Schlesien, B
	        

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