Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

70 | Bestrebungen auf Herstellung der Einheitsschule, Korreferat, 
der Hand von Rechnung, Verguch und Beobachtung durch die Induktion 
zum Gegetze führen, erstere aber über das, was durch die Erfahrung 
gewonnen wird, hinaus durch die Deduktion zur idealen Erkenntnis Sich 
emporheben; im tiefsten Grunde gSind es bei beiden Wissensgebieten die- 
Selben Erkenntnisformen, welche angewendet werden. 
Und wie der eingeitige Betrieb der GeisteswisSenschaften den Blick 
von dem Nächstliegenden abzieht und dem Realen entfremdet, auf der 
anderen Seite die NaturwisSenschaft „den Blick auf das Nächstliegende, 
aus unmittelbarer Sinneswahrnehmung mit Scheinbar unbedingter Ge- 
wiſSheit Sich Ergebende beschränkt und den Geist entwöhnt im Reich 
des quantitativ Unbestimmbaren Sich zu bewegen"; wie bei der einSgei- 
tigen Beschäftigung mit den GeisteswisSenschaften der nüchterne und 
Sichere Blick für das PraktiSche verloren geht, aber bei der ausschlieſs- 
lichen Herrschaft der ErfahrungswissSenschaft der Geist leicht an Ideen 
verarmt, die Phantasie an Bildern, die Seele an Empfindung verliert, 80 
wird diejenige Bildung am meisten den geistigen Vermögen des Menschen 
entsprechen und 8ie zur Harmonie vereinen, in welcher jede der beiden Rich- 
tungen zu ihrem Recht kommt und ihre Methoden Sich gegengeitig ergänzen. 
Hiermit Sind wir anch meines Erachtens an den Kernpunkt der 
ganzen Frage angelangt. 
Entweder ist die VorausSetzung richtig, daſs das Bildungsmaterial, 
dessen ungere Zeit bedarf, zu ausgedehnt Sei, als daſs alle dasgelbe in 
dem für die VorbereitungssSchnle zurecht gelegten Umfange, d. i. in den 
Elementen, bewältigen könnten, daſs vielmehr für die eine Klasse der 
zu höheren Studien berufenen eine breitere Einführung in die Geistes- 
wisSenschaften und ihre Methode, für die andern eine intengivere und 
umfangreichere Begschäftigung mit den Erfahrungswissgenschaften und 
Ihrer Methode als Grundlage für die höheren Fachstudien unbedingt 
erforderlich und es demnach auch unmöglich gei, daſs alle diejenigen, 
deren Lebensberuf weitere wisSenschaftliche Studien verlangt, auf die- 
Selbe Art allgemeiner VorbereitungsSchulen gewiesen werden; dann muſs 
anf eine gleichmäſsige, harmonische alle wegentlichen Bildungselemente 
umfasgende Ausbildung der Jugend verzichtet, Jann darf im wegentlichen 
an der jetzigen Differenzierung der Schulorganismen nicht gerüttelt werden. 
Dann wird aber auch die praktische Kongequenz hiervon Sein, daſs 
die Berechtigungen der einen Schule beschränkt, die der anderen er- 
weitert werden mügsen.*) 
*) Aus ähnlichen Erwägungen haben zich auch einzelne Referenten und Lehbrer- 
kollegien der Gymnasien dafür ausgesprochen, daſs den Realgymnagialabiturienten
	        

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