Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Bestrebungen auf Herstellung der Einheitsschule. Korreferat. 73 
werden; noch weniger trage ich mich mit dem Gedanken zu den vor- 
handenen Lögungsverguchen einen neuen hinzuzufügen; denn ich halte 
jeden Verguch für verfrüht. 
Eine LögSung dieser Schwierigen Aufgabe wird erst dann möglich 
Sein, wenn der Gedanke, dem Gymnasgium allein die Vorbereitung für 
höhere Studien wieder zuzuweisen, eine allgemeinere Zustimmung ge- 
funden bat. Denn dann erst, wenn das Gymnasium von dem verderb- 
lichen Utilitätsprinzip völlig befreit iSt, und die direkte Vorbildung für 
das Leben und den Beruf anderen Schulen überlasSen hat, wenn es die 
reine Vorbereitungsanstalt für höhere Studien geworden Iist, welche auf 
diejenigen ibrer Schüler, welche Sie nicht völlig absolvieren wollen oder 
können, keine Rücksicht zu nehmen braucht, wird es möglich Sein, an 
die nicht leichte Aufgabe heranzutreten und festzustellen, wie weit das 
GymnasSium Seine Schüler zu führen babe, wie viel es der Weiterbildung 
auf der Hochschule und im Leben überlassen Könne und mügse. 
Dann erst wird in dem Lehrplane der Gedanke zu einem noch 
Schärferen Ausdruck gelangen können, daſs das Gymnasgium „auch in 
formaler HinSicht nicht vollendete Männer, Sondern nur gut vorbereitete 
und lernbegierige Studenten zu bilden habe" und dals „das gröſfsere 
Maſs des FachwissSens, welches die Jetztzeit von jedem Berufe verlangt, 
nicht auf der Vorbereitungsanstalt erworben werden kann und Soll, 
Sondern erst auf dem Wege des Berufsstudiums gewonnen werden muſs. 
Die LöSung dieser Schwierigen Aufgabe wird endlich auch erleichtert 
werden, wenn die Wirkung der revidierten Lehrpläne von 1882 in die 
volle Erscheinung getreten Sein wird, weil erst dann eine Sichere und 
gesgunde Kritik an den Leistungen der Gymnagialabiturienten wird geübt 
und das entscheidende Urteil wird gefällt werden können, ob der Weg 
„das Gymnasium den Strebungen der modernen Welt anzupassen" ein 
glücklicher gewesen Ist. 
Wenn ich es trotzdem wage Schon jetzt auf einzelne Punkte des 
Gymnaglallehrplans hinzuweisen, welche einer Reform bedürfen, und be- 
Stimmte Vorschläge zu formulieren, 80 geschieht es auf Grund der 
Wüngche, welche in mehreren Gutachten ausgesprochen und auch von 
einer Anzahl Lehrerkollegien gebilligt worden Sind. 
Es erregt gewiſs lebhafte Bedenken und BesSorgnisse, wenn der 
Vorschlag gemacht wird, den Schülern des Gymnagiums, welche Schon 
mit der Erlernung von drei fremden Sprachen genug zu thun haben, noch 
die Aneignung einer vierten fremden Sprache zuzumuten. Gleichwohl 
wird die Einführung des EnglisSchen als eines fakultativen oder obliga-
	        

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