Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Bestrebungen auf Herstellung der Einheitsschule. Korreferat. 75 
Sowie in II und TI in zwei wöchentlichen Stunden fakultativer Unter- 
richt im Hebräischen gegeben wird, ohne daſs daraus bislang eine Über- 
bürdung entstanden ist, 80 dürfte auch ein fakultativer zweistündiger 
Unterricht im Englischen auf den beiden oberen Klassen für diejenigen 
Schüler, welche dem Gegenstande Lust und Liebe entgegenbringen, 
keine Schwierigkeiten bieten. Selbstverständlich dürfen die Anforderungen 
an diegen Unterricht über die Erlernung der AussSprache und der wesent- 
licheren Teile der Grammatik, 8o0wie über die Einführung in die Lektüre 
einfacher progaischer Schriftsteller nicht hinausgehen. Die Fortführung 
dieges Unterrichtes ist dem Privatfleiſge und dem Fachstudium auf der 
Hochschule zu überlassen. 
Ebenso leicht erscheint mir die Erfüllung eines zweiten Wungches, 
die Verstärkung des Unterrichtes im Zeichnen. 
Ich will die Schwierigkeiten dieges Unterrichtes, welcbe der Herr 
Referent betont hat, keineswegs verkennen. Gewiſs hängt die Fruchtbar- 
keit dieses Unterrichts nicht bloſs von dem Grade ab, in welchem das Auge 
Sehen lernt, Sondern ebenso von der Fähigkeit der Hand, dem Auge zu 
folgen. IndessSen bedarf der Satz einer Kinschränkung. Soweit der Zeichen- 
unterricht Sache der Schule ist, ist eine beSondere Begabung ebenso 
wenig Vorauszugetzen, wie für jeden anderen Schulunterricht. „Die 
Kunst des Zeichnens," Sagt W. Stier, „wird vornehmlich gewonnen durch 
Erlernung der Kunst, Formen mit Schärfe und Genauigkeit zu beobachten 
oder überhaupt zu Sehen. Wer diese Kunst erlernt hat, dem folgt die 
Hand gehr bald. Das Zeichnen iSt demnach Seiner wegsentlichen Tendenz 
nach weniger eine mechanische Übung oder eine Handoperation -- als 
welche dasSelbe, zumal in den gröſfſseren deutschen Kreisen, gedacht und 
in diesem Sinne gewöhnlich traktiert wird -- Sondern es ist vorwiegend 
eine Gymnastik des Geistes, bei welcher die Beobachtung, der Verstand, 
die Phantagie und das allgemeine Formgefühl in gleicher Weise in An- 
Spruch genommen und geschult werden." 
Der Zweck des Zeichenunterrichtes wird Selbstverständlich um 80 
Sicherer und vollständiger erreicht werden, je weiter das Ziel gesteckt 
wird. In dem Lehrplane für die Gymnasien Sind diesem Unterrichte nur 
die drei untersten Jahreskurse eingeräumt. Es ist einleuchtend, daſs das 
Ziel nur ein beschränktes Sein und der Zweck des Unterrichtes kaum 
annähernd erreicht werden kann. 
Denn der Massgenunterricht auf den beiden untersten Stufen wird 
über die Elemente des Zeichnens nicht hinauskommen, während auf der 
letzten Stufe der Unterricht gerade da abgebrochen wird, wo der wich-
	        

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