Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

76 Bestrebungen auf Herstellung der Einheitsschule, Korreferat, 
tigste Teil, das für die Anschauung 80 wertvolle Körperzeichnen und die 
Unterweisung in den einfachsten Grundlagen der Perspektive begonnen 
und der Massennunterricht angefangen hat, Sich in Gruppenunterricht 
umzuwandeln. 
Auch eine Betrachtung der Schwierigkeiten und Mängel, welche dem 
fakultativen Zeichenunterrichte in den wittleren und oberen Klasgen des 
Gymnasiums naturgemäſs anhaften, müſste dazu führen, die besgernde 
Hand anzulegen. In diegem fakultativen Unterrichte, an welchen Schüler 
der I1, II und I teilnehmen, wird dem Lehrer eine Aufgabe zugemutet, 
die auch dem tüchtigsten zu löSen kaum gelingen dürfte. Denn es wird 
kaum möglich Sein in wirklich fruchtbringender Weise Schüler von 80 
verschiedener Beanlagung und Neigung, 80 verschiedenartiger Vorbildung 
In rationeller Methode gleichzeitig zu unterrichten und den Anfänger wie 
den Schon fortgeschrittenen gleichzeitig zu fördern. 
Für die Einführung des obligatorischen Zeichenunterrichtes in allen 
Klassen des Gymnagiums kann ich mich jedoch Schon aus dem Grunde 
nicht aussprechen, weil für ihn in dem gesamten Unterrichtsrahmen 
der Raum fehlt. Dagegen balte ich die Fortführung des obligatorischen 
Zeichenunterrichtes bis OI einschlieſslich für dringend wünschenswert 
und auch für möglich. Auch die dritte Direktorenkonferenz der Provinz 
Schleswig-Holstein hat Sich hierfür ausgesprochen. 
Möglich erscheint die Einführung des Zeichenunterrichtes in III, 
wenn man in Erwägung zieht, daſs die Schüler des Gymnagiums auf 
dieser Stufe dreiſsig Unterrichtsstunden haben, während die Schüler des 
Realgymnasiums auf derselben Stufe mit zweiunddreiſsig Stunden bedacht 
Sind, d. h. zwei wöchentliche Zeichenstunden haben, ohne daſs diege 
Mehrstunden einen besonderen Anlaſs gegeben hätten, von Überbürdung 
zu reden. Übrigens dürfte bei der Eigenart des Zeichenunterrichts über- 
haupt eine Starke Anspannung der Schüler kaum zu befürchten gein, da 
auf keinem Gebiete des Unterrichtes -- eine geschickte und methodische 
Leitung vorausgeSetzt -- die Freude an dem Gelingen des Werkes und 
an dem augenfälligen Fortschritt 80 zu Tage tritt und zum natürlichen 
Ansporn für weiteres Streben wird, wie bier. 
Die Fortführung des obligatoriSchen Zeichenunterrichtes bis OI 
einschlieſslich wird es aber auch ermöglichen, das Ziel Soweit auszu- 
dehnen, daſs der Unterricht nicht in den Grenzen des Volksschulunter- 
richtes Stecken bleibt, Sondern eine wenn auch beschränkte 80 doch 
Solide Grundlage für eine weitere Vervollkommnung bietet, die Selbstver- 
Ständlich bei besonderer Neigung und obwaltendem Bedürfnis dem fakul-
	        

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