Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

84 Ziel und Methode des naturbeschreibenden Unterrichts. Referat. 
Schwierige Frage, wo man in IV die Zeit für jenen Unterricht hernehmen 
Solle, eine Frage, über die man Sich in der SchlesiSchen Direktorenkon- 
ferenz 1873 nicht hatte einigen können. 
Seit dem Jahre 1882 erteilen also Sämtliche höheren Lehr- 
anstalten Preuſsens einen ununterbrochenen, wöchentlich mindestens 
zweistündigen Unterricht in der Naturbeschreibung von VI bis OTIL*) 
an den Sich am Realgymnasium, der Oberrealschule und den übrigen 
Reallehranstalten ein zweistündiger Unterricht in UI angchlieſst. 
Die Befriedigung, welche dieses Zurückkehren zu der bis 1856 be- 
züglich des naturbeschreibenden Unterrichtes am Gymnagium gültige 
Einrichtung in weiteren KreiSen hervorgerufen hat, findet ein Echo auch 
in den vorliegenden Referaten, in denen mehrfach die Erwartung ausge- 
Sprochen wird, daſs nun die Klagen über mangelhafte Vorbildung der 
Gymnasgialabiturienten in den Naturwisgenschaften verstummen werden, 
da man mit den jetzigen Einrichtungen die dem Gymnasium gesteckten 
naturwisSgenschaftlichen Ziele recht wohl errreichen könne. 
Die letztere Frage einer Späteren Krörterung vorbebaltend, habe ich 
zunächst nur die Thatgache festzustellen, daſs man, in SchlesSiSchen Fach- 
kreigen wenigstens, jetzt Kein Bedenken mehr zu haben Scheint, die 
Frage nach Ziel und Methode des naturbeschreibenden Unterrichtes, die 
uns hier beschäftigen Soll, für alle Anstalten gemeinsam zu behandeln.**) 
Mehrere Referate begründen dies ausdrücklich mit der wesentlichen 
Übereinstimmung des Lehrplanes; einige ermangeln allerdings nicht, 
daneben hervorzuheben, daſs zwiSchen dem naturbeschreibenden Unter- 
richt am Gymnagium und dem an den Reallehranstalten denn doch ein 
VUnterschied, zunächst in den Zielen, bestehe. Schweidnitz Schlieſst dies 
daraus, daſs am Gymnasium der Schwerpunkt in der Behandlung des 
klasSiSchen Altertums liege, und der bildende Wert der Naturwissen- 
Schaften nicht in gleicher Weise zur Geltung kommen Könne als auf dem 
Realgymnagium und der höheren Bürgerschule. Die Verschiedenheit des 
Zieles ergebe Sich ja Schon aus der VersSchiedenen Zahl der Stunden, 
welche für den naturgeschichtlichen Unterricht in den fraglichen An- 
Stalten ausgeworfen Sind. Dabei fällt, wie Löwenberg mit Recht be- 
merkt, noch mehr ins Gewicht, daſs die gröſgere Stundenzab]l der Real- 
gymnasien (und Oberrealschulen) gerade der II zufällt, in welcher der 
gereiftere Verstand der Schüler ein tieferes Eindringen gestattet, und 
*) Die höheren Bürgerschulen haben in V, IV und IN 3 Stunden naturbegchrei- 
benden Unterricht wöchentlich. 
**) (Getrennt, d. h. für Gymnagien und Reallehranstalten besonders, geschah es 
noch in Pommern 1885, gemeinsam aber schon in Königsberg 1880. 

	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.