Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Ziel und Methode des naturbeschreibenden Unterrichts. Referat, 87 
Anfang alles WisSens (Breslau Job. G.). Diese wegentliche Seite der 
Erkenntnisthätigkeit aber, 83agt Beuthen, bildet die Naturbeschreibung 
SyStematisch aus. Sie übt und Schärft das AnsSchauungsvermögen und 
lehrt den freien und geweckten Gebrauch der Sinne, infolge dessgen 
Sich ein bewuſstes Aufmerken auf die äuſseren Gegenstände und ein freies 
Unterscheiden der Merkmale entwickelt. Dieser Unterricht zwingt zu 
einer planmäſsigen Beobachtung, 80 daſs der Schüler nicht nur Sieht, 
was Sich ihm aufdrängt, Sondern das, worauf es ankommt. Da aber ungere 
Sinne die Pforten der ersten Erkenntnis und wegentliche Stützen ihrer 
weiteren Entwickelung Sind, 80 erfüllt der naturbeschreibende Unterricht 
eine bedeutungsvolle Aufgabe, wenn er die Schüler zu einem aufmerksamen 
Sehen und Hören kongequent anleitet. 
Unter den Sinnen ist es besonders das Auge, welches zum richtigen 
Sehen erzogen werden Soll. Von den unzähligen Bildern, welche Sich 
auf der Netzhaut perzipieren, kommt nur ein geringer Teil zur bewuſsten 
Wahrnehmung, zur Apperzeption. Selbst wenn die AufmerkSamkeit auf 
ein bestimmtes Objekt gelenkt wird, gelingt es dem Ungeübten nicht 
immer, das Gewünschte zu gehen; iSt es ihm aber gelungen, 80 ist er 
meist verwundert, es nicht eher gegehen zu haben etc. (Breslau Friedr; 
Gymn.). 
Die UnterlasSung der Bildung des Auges kennzeichnet in ihren 
Schlimmen Folgen Striegau mit den Worten Raumers (Gegch. d. Päd.): 
Man klagt über erschlaffte MuskelIn, über Schwache Arme, Schultern und 
Beine; weit mehr Sollte man über Schlechte Sinne klagen, besonders über 
die fast zur völligen Unreizbarkeit abgestumpften Augen. Was Wunder! 
In der Stadt unter Büchern aufgewachsen, war das Auge fast nur zum 
Legen und Schreiben abgerichtet, ein trauriger, toter Sklayvendienst, bei 
welchem der arme Sinn Selbst ohne alle Freude, Erquickung und Er- 
frischung bleibt und gich gar nicht durch Übung entwickelt. 
Hieraus folgt einergeits die Notwendigkeit, das Auge in der Jugend 
zu bilden, ehe es Stumpf und unbrauchbar geworden*), anderergeits ihm 
Gegenstände der Betrachtung zu bieten, die für Seine Ausgbildung beson- 
ders geeignet Sind und zugleich das Interesse an der Bildung des An- 
Schaunngsvermögens im Schüler wecken. Welches Bildungsmittel aber 
wäre wohl geeigneter zur Weckung und Belebung der Sinnenthätigkeit 
*) Mit Recht bemerkt dazu Frankengtein, der Einwurf, wer Naturwisgengschaft 
Studieren wolle, könne das ja nach dem Abgange von der Schule thun, werde hinfällig 
auch durch die Thatgache, daſs anerkanntermaſsgen gerade das frühere Jugendalter zur 
Ausbildung der Sinne geeignet Sei; diese Bildungsfäbigkeit wird mit zunehmendem 
Alter geringer ete, Das hebt auch Jauer hervor. .
	        

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