Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

838 Ziei und Methode des vaturbeschreibenden Unterrichts. Referat. 
als die Beschäſftigung mit der Natur, die uns die mannigfaltigsten und 
reichhaltigsten AnsSchanungsobjekte bietet (Glatz), das beste Gegengewicht 
zugleich gegen den vorwiegend abstrakten Denkstoff, den die Sprachlichen 
und historischen Unterrichtsfächer verarbeiten (Ratibor G.) und der auch 
in der Mathematik allein zur Geltung komme (Waldenburg).*) 
Die Anschauungen, die der naturgeschichtliche Unterricht vermittelt, 
werden im Denkproceſs mittelst der Sprache in begriffliche Form über- 
tragen. Während aber der grammatische Unterricht von der ersten Stunde 
an mit den höchsten logischen und Sprachlichen Kategorien operiert, ist 
der naturkundliche in der Lage, das Kind von Stufe zu Stufe, ausgehend 
von Seiner gewohnten, ihm eigentümlichen Denkweise allmählich zu den 
höchsten Begriffen hinaufzuführen (Ohlau). 
Vom Beobachten unzertrennlich ist die Vergleichung, Trennung und 
Zusammenfassung der gewonnenen Vorstellungen, die Bildung konkreter 
Begriffe d. h. Solcher, die in der KErfahrungswelt ibre Urbilder haben. 
Diese aber gewähren durch ihre Unmittelbarkeit und Wirklichkeit dem kind- 
lichen Geiste in weit höheren Grade die Überzeugung von ihrer Wahrheit 
und Gewilsheit, als dies bei den anderen Begriffen der Fall ist. Wie wegent- 
lich diese Überzeugung für alle Erkenntnis ist, bedarf hier nicht der AusSein- 
andergetzung. Auch ist Sie die notwendige Vorausgetzung für die erfolg- 
reiche Anstellung der induktiven Denkprozesse, welche ausnahmslos als 
die Hauptaufgabe des naturwisSenschaftlichen Unterrichts bezeichnet wird. 
Von verschiedenen Seiten (Schrader, Erzieh. 0. Unterricht; Spreer, 
Pommergche Direktoren-Konferenz 1885) ist mit Recht bemerkt worden, 
daſs anch der Sprachliche Unterricht von der Induktion vielfach und mit 
gutem Erfolge Gebrauch mache. Aber es liegt in der Natur der Gegen- 
Stände, daſs die naturwisSengschaftliche Induktion der auf sprachlichem 
Gebiet in ihrer unmittelbaren Wirkung auf den Geist des Schülers 
überlegen ist. Das auf induktivem Wege gefundene Sprachliche Gesetz 
trägt niemals den Charakter der unbedingten Gewilsheit, der Notwendig- 
keit an der Stirn, Sondern nur den einer Regel, die Ausnahmen erleidet. **) 
*) Daſs das Beobachten dem Mengchen nicht angeboren ist, 80ndern erlernt 
werden muſs, zeigt die bekannte Thatsache, daſs Leute, die es nicht erlernt, 80 groſse 
Mühe haben, z. B. die verschiedenen Getreidearten oder ähnliche Laubhölzer, wie Rot- 
und Weiſsbuche, oder Nadelhölzer, wie Fichte und Tanne, augeinander zu halten. Dals 
Sich ein hervorragendes Talent zu beobachten vereinzelt auch bei Leuten findet, die 
dazu weder von der Schule, noch von anderer Seite angeleitet worden gind, beweist 
nicht das Gegenteil, Doch ist man geneigt, auch golche Leistungen der Schule als Ver- 
dienst anzurechnen, 
3%) Der Einwand, dals es „auch in der Natur Ausnahmen genug giebt, und golche 
auch dem Schüler bald genug entgegentreten, verliert Seine Bedeutung dadurch, daſs 
die genauere Betrachtung und Vergleichung diese Ausnahmen teils als zufällige heraus-
	        

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