Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

90 Ziel und Methode des naturbeschreibenden Unterrichts. Referat. 
dafür zu Sorgen, daſs ihre Schüler auch lernen ihre Sinne brauchen und 
Sie zu der Fähigkeit auszubilden, die natürliche Welt zu beobachten und 
auf induktivem Wege den Zusammenhang der Dinge 80 weit zu erkennen, 
als dies ihnen nach ihrer geistigen Befähigung möglich ist und ohne 
Schädigung der anderen Bildungsmittel geschehen kann. 
Die häufigen Trugschlüsse, die man im menschlichen Leben von Sonst 
gebildeten und Sgelbst hochgebildeten Leuten infolge falscher Induktion 
machen Sleht, wo es Sich um den urgSächlichen Zusammenhang der ein- 
fachsten Naturerscheinungen, der Zustände des mensgchlichen Leibes oder 
anderer Konkreten Dinge handelt, können nicht wohl anders denn als die 
Folgen einer Lücke in ihrer geistigen Bildung angegehen werden, bei der 
es gich freilich nicht nur um mangelnde Schulung in gewissen Denk- 
prozesSen, Sondern auch um den Mangel an gewisSen KenntnissSen handelt. 
Ob nun das Gymnagium die, früher wenigstens, nicht bestrittene Forde- 
rung, auch künftige Mediziner und Naturforscher zu bilden, ablehnt oder 
nicht, die Forderung wird und kann es Sicher nicht ablehnen, nach Mög- 
Jichkeit Seine Zöglinge auch mit den Kenntnisgen auszurügsten, die gie 
vor hinfälligen TrugschlüSSen bei den elementarsten Naturerscheinungen 
Schützen. 
Besteht denn aber der Wert Solcher Kenntnisse nur darin, daſs Sie 
zur Bildung richtiger Schlüsse in naturwisgSenschaftlichen und technischen 
Fragen unentbehrlich Sind? Keineswegs. Wie Schon unger Referent im 
Jahre 1873 die Notwendigkeit, Naturwissenschaften auf dem Gymnagium 
zu lehren, aus den drei Grundverhältnisgen ableitet, in welche der Zögling 
als Mensch gegetzt ist, und -über die er unterrichtet werden müsse, das 
Verhältnis zu Gott, zum Menschengeiste und zur Natur, 80 begründen 
auch mehrere Referate damit den naturwisSenschaftlichen Unterricht teils 
unmittelbar teils mittelbar. So Sagt z. B. Görlitz: „In Seinem Verhalten 
tritt der Mensch in gewisse Beziehung zu Gott, worüber ihn der Reli- 
glionsunterricht aufklären Soll, ferner in Beziehung zum Mensgchen, 
worüber ihn der Sprach- und Geschichtsunterricht aufklären Soll, und end- 
lich in Beziehung zur Natur. Ihn über dieses Grundverhältnis 
aufzuklären, ihm Solche Kenntnisse zu geben, die Sein theo- 
retisches und praktisSches Verbalten gegenüber der Natur be- 
Stimmen, das muls unser Unterrichtsgegenstand bezwecken, wenn die 
betreffende Lehrangstalt nicht eingeitige, Sondern allgemeine Bildung an- 
erziehen 8011". „Denn der Mensch", fügen wir nach Kögtlers Programm- 
abhandlung hinzu, „ist nun einmal ein Bürger zweier Welten, einer Sinn- 
lichen, natürlichen und einer idealen, geistigen ; diese beiden Welten 
durchdringen Sich in Seinem Wegen 80 innig, daſs man nicht etwa 8agen
	        

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