Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 8=30.1888 (8)

Ziel und Methode des naturbeschreibenden Unterrichts, Referat. 91 
kann, Sein Geist lebe nur in der einen und Sein Körper in der anderen, 
Durch tausend Fäden ist der menschliche Geist thatgächlich, wenn auch 
Doch 80 unerforschlich, mit der Sinnlichen Welt verflochten und zieht fort 
und fort aus dieser Quelle nicht weniger Seine Nahrung als aus jenem 
ideellen Reiche und aus dem Umgange mit anderen Geistern". 
„Die Schule", Sagt Bunzlau, „legt die Grundlage für eine freie und 
unbefangene AuffasSung des Lebens und der Welt. Darum muſs gie in ihren 
Bereich auch die Naturwisgenschaften ziehen; denn Sie beeinflusgen in 
Immer wachgendem Maſse die praktische Lebensgestaltung und die theo- 
retische WeltauffasSung. Ein richtiges Verhalten in beiden Beziehungen 
erheischt die Kenntnis der Stellung, welche der Mensch in der Natur 
einnimmt. Zu dieser Kenntnis führt ihn pur die Fähigkeit, die ihn um- 
gebende Welt objektiv zu beurteilen. So gehört die Kenntnis der Prin- 
Zzipilen der NaturwisSenschaft in die Schule von der Zeit an, Wo die 
Wissenschaft einen derartigen unlöglichen ZuSammenhang zwiSchen Natur 
und Mensch nachgewiegen hat, Seitdem die NaturwisSenschaft ein inte- 
grierender Bestandteil unserer Kultur geworden ist'. 
In der That Sind die NaturwissSenschaften durch ihren immensen Ein- 
fluſs auf die materiellen InteresSen zu einer 80 gewaltigen Macht ge- 
worden, daſs die Träger dieser InteresSen Sich einer gründlichen Be- 
Schäftigung mit ersteren gar nicht entziehen können, und ihnen würde 
der Studierte, dem die naturwisSenschaftliche Bildung abginge, und in dem 
der Sinn dafür auch gar nicht geweckt worden wäre, gar ärmlich gegen- 
überstehen. Dem, was den ganzen Charakter der GCiviliSation eines 
Volkes oder Zeitalters bestimmt, kann gich der Einzelne nicht entziehen, 
und deghalb ist, damit nicht Später den auf dem Gymnasium Vorgebildeten 
ein Mangel in ihrer allgemeinen Bildung fühlbar werde, auch für den 
naturbeschreibenden Unterricht auf dem Gymnasgium Erzielung einer in 
Sich abgeschlosSenen Klementarbildung geboten. (Liegnitz Städtisches 
Gymyagium). 
„vor allen Dingen aber", Sagt Waldenburg, „hat dieSer Unterrichts- 
zweig die Erkenntnis des Menschen von Seiner wahren Stellung in der Natur 
und allen übrigen Naturkörpern gegenüber zum Zweck; denn erst durch 
jenen Unterricht wird er in den Stand gegetzt, das allgemeine Walten 
in der Einzelheit, das Eingreifen der allgemeinen Gegetze in die beson- 
deren Fälle zu erkennen und dadurch, wenn auch nicht ein volles Ver- 
Ständnis, 80 doch eine Ahnung von dem grofsen einheitlichen Plane zu 
gewinnen, den der Schöpfer der Welt allen Seinen Gebilden zu Grunde 
gelegt hat. Diese AuffasSung vom Weltganzen, wie Sie Zzuerst von 
A. V. Humboldt klar entwickelt und in die NaturwisSenschaft eingeführt
	        

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