ſchreibt : „Der Name Vogel3gebirge wird m. W. zuerſt gebraucht
in den Veröffentlichungen von VWhilipp Engel und Auguſt Klip-
ſtein (um 1790), iſt alſo ganz neue gelehrte Bildung“ [d. h.
aljo fünſtlih am Studiertiſche erſonnene Bildung]. Mit Recht
hat de3Shalb Sturmfel3 den gänzlich ungeſc<ichtlichen und falſchen
Namen Vogels8gebirge gar nicht in ſein etymologiſches Wörterbuch
„die Ortönamen Heſſen3“ aufgenommen und in wiſſenſchaftlich
bearbeiteten heſſiſchen Heimat3- und Landeskunden (Prätorius,
Hoffmann, Greim) wird er gar nicht erwähnt oder aus8drücklich
abgelehnt. Oppermann3 geographiſc<e8 Namenbuch kennt ihn
nicht. Auc< Profeſſor Dr. O. Buchner zu Gießen wandte ſich
: in ſeinem „Führer durc< den Vogel3berg“, den er im Auftrage
des „„Vogel3berger Höhenklubs“ herau8gab, = man beachte auch
dieſe beiden Namen =. gegen den falſ<en Namen. Er
ſchreibt: „Man findet nicht ſelten in Scriften verſchie-
dener Art die Bezeichnung Vogelsgebirg für Vogel3berg ;
jedenfalls aber iſt die erſte Bezeichnung in jeder Beziehung
unrichtig, denn wie jeder andere Berg einen Gipfel hat, von
welchem aus er ſfi< nach allen Richtungen hin abdacht, ſo iſt
es auch mit dem Vogel3berge. Daher fällt e8 auch niemand,
der in dieſem Gebiete wohnt, am wenigſten aber dem Vogel3-
berger Bauern ein, von einem Vogel3gebirg zu ſprechen. Auch
geſchichtlich iſt die Bezeihnung Vogel3gebirg nicht richtig, denn
ji<hon 1236 wird da38 Gebiet „Vogil3perg“ genannt.“ Hören
wir auch, wa8 Hochſ<hulprofeſſor Dr. Greim zu Darmſtadt
in ſeiner Landeskunde von Heſſen (S. 85) fagt: „,... zeig:
der Vogel3berg keine Gliederung in einzelue Teile, ex iſt ein
großer Berg, wenn auch, wie wir ſehen werden, und wie es auch
beim Ätna iſt, nicht vollſtändig einheitlicher Anlage. Daraus
müſſen wir aber auch die Berechtigung ſchöpfen, ihn weiter
Vogel3 berg zu bezeichnen, wie es die Anwohner ſchon ſeit
undenklichen Zeiten in richtigem Sprachgefühle tun, und die
falſche Bezeichnung „Vogel3 gebirge“, die ſich von Büchern
in neuerer Zeit auch in einige beſſere Kartenwerke eingeſchlichen
bat, abzulehnen.“ Prof. Dr. W. Siever3, Vertreter der erd-
kundlichen Wiſſenſchaft an der Ludwigs8-Univerſität zu Gießen,
äußert ſich in einem Briefe an mich in folgenden Worten :
„Der Name Vogel83gebirg iſt eine Entſtellung. Nicht kundige
Geographen haben geglaubt, daß ein Gebirge, als welches
der Vogel3berg gewiß anzuſehen iſt, kein „Berg“ ſein könne,
und in ihren Schriften den Namen „verballhorniſiert“. In
Oberheſſen heißt das Gebirge nur der Vogels3berg.“
Über die Bedeutung des Namens gehen die Anſichten aus-
einander. Buchner ſchreibt, und Sturmfels ſchließt ſich ihm an:
„„Wahrſcheinlich hat die jeßt kahle, 600 m hohe Kuppe de3
Vogel3berge3, 4 km nordnordöſtlih von Ulrichſtein, die Ver-
anlaſſung zur Benennung des
Sturmſfels8 ſagt dann weiter: „„Vielleiht hat auc< die Kuppe
der 570 m hohen Fugelsburg (früher FogaleSberg ==
Völzberg, 3 km ſüdöſtlich von Hartmann3hain, dem Gebirge
den Namen gegeben.“ Dann läge der Name eines Mannes
zugrunde, der vermutlich doxrt im Gebiete größeres Beſitztum
hatte. Sturmfel3 meint dann weiter: „Vielleicht verdankt der
Vogel3berg auch ſeinen Namen dem Reichtum an 1 Bögeln, die
jeine herrlichen Wälder beleben.“
Welcher Bedeutung man auch immer fich zuneigen will,
eines ſteht jedenfalls feſt, zuläſſig iſt als Name de3 Gebirges aus8-
ſchließlich „Der Vogel sberg“, und wir in Heſſen haben nicht
die mindeſte Luſt, uns dieſen bodenſtändigen, alten und paſſen-
den Namen verfälſchen zu laſſen. I< bitte de3halb alle Amts3-
genoſſen, Sc<hulwandkarten, die den falji<en Namen bieten, zu-
rückzuweiſen und ebenſo mit Lehrbüchern und Atlanten zu
verfahren. Verfaſſer und Verleger würden hierdurch bald zur
Au3merzung des Fehler3 veranlaßt werden.
Oppenheim a. Rhein. Henhjing.
ganzen Gebirges gegeben. “nr
Berg
des Fugal, Fogal, in heutiger Form Bogel) bei dem Dorfe
478
Perſönliche Erinnerungen an Max Treu.
'Am 29. Zuli iſt nach einjährigem Leiden der frühere hoch-
verdiente Direktor des Viktoria-Gymnaſium3 in Pot3dam, Ge-
beimrat Treu, geſtorben. Die Bedeutung d Des Mannes, Der jelber
viel zu beſcheiden war, um irgend etwa38 aus ſich zu machen,
erhellt ſchon darau3, daß die Berliner Univerſität ihm in An-
erfennung ſeiner wiſſenſchaftlihen Verdienſte den Ehrendoktor
verlieh. Treu war Mitarbeiter der Byzantiniſchen Zeitſchrift
und hervorragender Kenner der Byzantiniſchen Literatur. Wenn
er auch nicht dazu gekommen iſt, ein größeres Werk heraus3zu-
geben, ſo hat er doch aus den mit unendlichem Fleiß zuſammen-
getragenen handſ<hriftlihen Sammlungen, die er in früheren
Jahren gemacht hatte, bis vor kurzem wieder und wieder
einzelne Beiträge veröffentlicht, die in Fachkreiſen das größte
Intereſſe erregten. Uns intereſſiert hier beſonders ſeine Be=-
deutung al3 Pädagoge.
Treu iſt ſchon frühzeitig, und zwar in Ohlau, Direktor
geweſen, nachdem er bereits in Waldenburg die Stellung eines
Prorektor3 bekleidet hatte. Er eignete ſich ganz vorzüglich für
leitende Stellungen, wurde an das Friedrichs-Gymnaſium in
Breölau berufen und unter ſehr ſ<wierigen Umſtänden ſch<ließ-
[ich na<g Pot3dam an Stelle von Berthold Volz. Er hat es
verſtanden, die Anſtalt, die ihm anvertraut wurde, in kurzer Zeit
dur< ſeine ſtille Energie in die Höhe zu bringen. Bei der ſ<wie-
rigen Stellung, die das Viktoria-Gymnaſium infolge der Kreiſe
jeiner Schüler hatte, erfannte er frühzeitig die Notwendig-
feit, die Anſtalt aus dem Beſitze der Stadt in den des Staates
zu Überführen. Das iſt ihm unter Mitwirkung des Provinzial-
jhulfollegium8 gelungen. Am 1. April 1901 wurde das Gym-
naſium verſtaatlicht.
Treu war bei ſeiner perſönlichen Gutmütigkeit, wenn er
ſich einmal für eine Sache einſetzte, bis zur Hartnäckigkeit feſt,
und zwar ebenſo gut nach oben wie nach unten. So entſinne ich
mich eine8 damal3 unter den Kollegen die Runde machenden
Falle3, in dem ex eine über den Sohn eines ſehr einflußreichen
Mannes verhängte gerechte Strafe auc dann nicht aufhob, al3
er dienſtliche Unannehmlichkeiten davon zu erwarten hatte. Er
geriet in eine folc<he Aufregung, daß er ſich kfranf melden
mußte, und die Sache wurde dann in der von ihm gewünſchten
Weiſe erledigt. Seinen Schülern gegenüber war er von außer-
ordentlichem und von ihnen auch anerkanntem Wohlwollen be-
jeelt. Dabei griff er doch ſtreng durch. I<h entſinne mich eines
beſonders intereſſanten Falle8, der geradezu vorbildlich erledigt
wurde. E53 hatte ſich in der Stadt das Gerücht verbreitet, daß
eine Schülerverbindung beſtände, aber nichts Sicheres war her- -
auszubekommen. Da erhielt der Direftor eines Morgens um
9 Uhr eine anonyme Anzeige mit einzelnen Hinweiſen. Er ließ
jofort eine Droj<fke vorfahren, ging in die Klaſſe eines der
fompromittierten Schüler, hieß ihn fich fertigmachen und führte
ihn ſelbſt die Treppen hinunter. Vor der Droſc<hke angefommen,
herrſchte er ihn an: „Sagen Sie dem Kutſcher die Adreſſe des
Kneiplokales Ihrer Verbindung!“ Der Primaner war dermaßen
verblüfft, daß ex dies auch ohne Umſtände tat, und nun fuhren
Direktor und Schüler nach dem bezeichneten Lokale = Treu
immer den KPrimaner, der ji nicht darüber klar wurde, was
alles der Direktor wußte, feſt anblickend, ſo daß dieſer ſc<ließ-
lih vor Angſt nicht wußte, wohin er ſollte. Vor dem Lokal
angekommen, jagte Treu: „Gehen Sie voran und führen mich
zu dem RKajten, in dem Ihr Kneipbuch und Ihre Abzeichen
' liegen!“ Das3 Ergebnis des Gange8 war, daß um */21 Uhr eine
Konferenz einberufen wurde, in der der Direktor ſämtliche
Corpora delict! dem Lehrerkollegium vorlegte, ſämtliche Ange=-
hörige der Verbindung mit Familien- und Kneipnamen bezeich-
net. (EC3 wurden dann eine Reihe von Strafen verhängt. Damit
war aber die Sache abgetan, und ſie hat feinem der Schüler
weiter geſchadet.