Full text: Deutsche Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung - 5.1939 (5)

86 | Amtlicher Teil 
84; Berufsſchulpflicht und Lehrabſc<luß- 
prüfung, 
Lehrlinge, die die Facharbeiter-, die Geſellen- 
oder Gehilfenprüſung mit Erfolg abgelegt haben, 
ſind für den Reſt des Schulhalbjahres vom Beſuch 
der Berufsſchule beſreit. 
Berlin, den 1. Februar. 1939, 
Der Reichsminiſter 
für Wiſſenſchaft, Erziehung und Volksbildung. 
Im Auftrage: Heering. 
An die Unterrichtsverwaltungen der Länder (einſchl. 
Öſterreich), den Herrn Reichsſtatthalter in 
Hamburg (Staats8verwaltung), die Herren Reichs8- 
kommiſſare für das Saarland und die ſudeten- 
deutſchen Gebiete, den Herrn Stadtpräſidenten 
der Reich8hauptſtadt Berlin, die Herren Re- 
gierungspräſidenten in VWreußen und Auſſig, 
KarlsSbad und Troppau und die Oberberg- 
ämter. -- E IV ec 503/39. 
(RMinAmtsblDtſch Wiſſ. 1939 S. 86.) 
85. Einrichkung von Haushaitungsſchulen 
(Berufsfachſchulen). 
Die überwiegende Mehrzahl der deutſchen 
Mädchen findet die Erfüllung ihrer Lebensaufgabe 
darin, als Hausfrau und Mutter in ihrer Familie 
zu wirken. Die Vielfältigkeit der Aufgaben, die 
der Haushalt für die Hausſrau bringt, fordert von 
ihr eine gründliche Ausbildung in allen Zweigen 
der Hauswirtſchaft. 
Eine gute Möglichkeit der gründlichen Schulung 
auf allen Gebieten hauswirtſchaftlichen Schaffens 
bietet die Haushaltungsſchule. 
Sie iſt als Vorbereitungsſtätte auf die Lebens- 
arbeit der Frau und Mutter von größter Bedeutung. 
Der erfolgreiche Beſuch der Haushaltungsſchule 
befreit von ver hauswirtſchaftlihen Berufsſchul- 
pflicht. 
Zur Regelung der Ausbildung durch die Haus- 
haltungsſchulen (Berufsfachſchulen) erlaſſe ich die 
nachſtehenden und in den Anlagen beigefügten 
Beſtimmungen über dieſe Schulen. Der Erlaß des 
früheren Preußiſchen Miniſters für Handel und 
Gewerbe vom 17. April 1924 -- 1V 3860 -- 
(HMBl. S. 139), betreffend Einrichtung und Lehr- 
pläne der öffentlichen Haushaltungsſc<hulen, wird 
dadurch hinfällig und aufgehoben. 
Für die Neuregelung der Ausbildung in den 
Haushaltungsſchulen gilt folgendes: 
I 
Die Neueinrichtung ſolher Schulen foll grund- 
ſjäßlih von öffentlichen Schulträgern (Gebiets- 
körperſcchaften) vorgenommen werden; ſie bedarf 
in jedem Falle der ſtaatlichen Genehmigung. 
Die Genehmigung und die Anerkennung werden 
Ihnen Überlaſſen. | 
Die Anerkennung wird auszuſprechen ſein, wenn 
die Anforderungen dieſes Erlaſſes und ſeiner An-- 
lagen erfüllt ſind und die Schule nach der erſten 
Abſchlußprüfung gezeigt hat, daß ſie ihren Aufgaben 
nachzukommen in der Lage iſt. Auf beſonderen 
Antrag können vorübergehend Prüfungen auch an 
Schulen abgehalten werden, die genehmigt, aber 
noc< nicht anerkannt ſind (Anlage 2 Ziffer 1). 
IT. 
Bei der Einrichtung der Schulen iſt darauf zu 
achten, daß an Lehreinrichtungen neben den exr- 
forderlichen Lehrmitteln vorhanden ſind: 
Schulfüche mit Speiſe- und Vorratsräumen, 
Unterrichtsräume für Waſchen, Vlätten und 
HausSarbeit, 
Lehrräume für den theoretiſchen Unterricht und 
den Unterricht in Krankfen- und Säuglings- 
pflege, 
ume für den Unterricht in Handarbeit, 
owie 
möglichſt ein Gartengrundſtück. 
Dieſe Lehreinrichtungen müſſen in ihrer Größe 
der Zahl der Schülerinnen entſprechen (bei Hand- 
arbeitsxräumen 3. B. joll mindeſtens eine Näh- 
maſchine für zwei Schülerinnen vorhanden ſein). 
In der Regel iſt zu ſordern, daß mindeſtens 
zwei Drittel der Unterrichtsſtunden durch haupt- 
amtliche, planmäßig angeſtellte Lehrkräfte erteilt 
werden. Die Alter3verſorgung der Lehrkräfte iſt 
ſicherzuſtellen. | 
Bei der Aus3wahl der Unterrichtsſtofſe iſt darauf 
zu achten, daß den Mädchen ſo viel Können und 
Wiſſen für die Hauswirtſchaft übermittelt wird, 
daß ſie eine Hausfrau in Küche und Haus unter- 
ſtüßen und entlaſten können. Bei der Aufſtellung 
von Lehrplänen iſt de8Shalb das vom Deutſchen 
Ausſchuß für Techniſches Schulweſen (Datſch) auf- 
geſtellte Berufsbild einer Hausgehilſin zu be- 
rücſichtigen. Über die im Berufsbild verlangten 
Fertigkeiten und Kenntniſſe hinausgehend, müſſen 
die hausfraulich-mütterlichen Erziehungsaufgaben 
ſtärkſte Beachtung ſinden. 
UI. 
Die Ausbildung in der Haushaltungsſchule endet 
mit einer Schlußprüfung. Sie ſoll die Gewißheit 
geben, daß das Ziel der Jahresarbeit erreicht iſt. 
IV. 
Bei den beſtehenden Schulen iſt zu prüfen, ob 
ſie die Anerkennung nach den bisherigen Beſtim- 
mungen bereits beſizen und ob ſie nach den neuen 
Beſtimmungen genehmigt und anerkannt werden 
können. Bei ſämtlichen Schulen iſt feſtzuſtellen, 
ob ein Bedürfnis für ſie vorhanden iſt. Eine Über- 
prüfung der Lehrkräſte und Einrichtungen iſt vor- 
zunehmen. Dabei iſt außer der Feſtſtellung der 
Unterrichtöergebniſſe zu ermitteln, ob die Betriebs- 
mittel und Unterrichtsräume uſw. (ſiehe Ziffer 11) 
ausreichen. Lehr- und Stofſverteilungspläne, 
Klaſſenliſten, Lehrberihte uſw. müſſen ſtändig 
geführt ſein. Das Ergebnis der Beſichtigung iſt 
ſchriftlich niederzulegen. Schulen, die den geſtellten 
Anforderungen nicht gerecht werden, beſonders 
ſolche, die in der inneren Unterrichts8geſtaltung, im 
Lehrplan uſw. eine eindeutige nationalſozialiſtiſche 
Richtung nicht erkennen laſſen, haben ſpäteſtens 
bis zum 1. Oktober 1939 eine Bezeichnung an- 
zunehmen, die ſie von den anerkannten Haus- 

	        

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