Full text: Deutsche Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung - 5.1939 (5)

 
Amtlicher Teil - 249 
231, Neuordnung des <hemiſchen Studiums, 
Um den Studierenden der Chemie eine einheit- 
lihe AusSbildung zuteil werden zu laſſen, haben 
ſi ſeinerzeit die Vorſtände der <emiſchen 
Unterricht8laboratorien zu dem „Verband der 
Laboratoriumsvorſtände an deutſchen Hochſchulen“ 
zuſammengeſchloſſen. Die beſtehenden Mängel in 
dex Ausbildung der Chemiter ſollten durch einheit- 
lihe Prüfungen = die <emiſchen Verbands8- 
prüfungen -- beſeitigt werden. Dieſes Ziel iſt 
im weſentlichen erreiht worden. Um künftig, 
auſbauend auf den Erſahrungen und unter Be- 
rückſichtigung der Erforderniſſe der heutigen Zeit, 
eine einheitlihe Ausbildung der Chemiker an 
Univerſitäten und Hochſchulen zu ermöglichen, habe 
ich mich entſchloſſen, das hemiſ<e Studium mit 
Wirkung vom 1. April 1939 ab durch die bei- 
liegende Studienordnung für Studierende der 
Chemie reichseinheitlich zu regeln. Danach wird 
das Studium der Chemie künftig mit der Diplom- 
Chemifer-Hauptprüfung abgeſchloſſen. Die Diplom- 
prüſungsordnung, die ebenfalls am 1. April 1939 
in Kraft tritt, liegt bei. 
Studien- und Diplomprüfungs3ordnung ver- 
zichten bewußt darauf, innerhalb des durch die 
Feſtſehung von ſieben Studienhalbjahren zeitlich 
abgegrenzten Rahmens eine beſtimmte Anzahl von 
Studienhalbjahren oder gar „Semeſterpenſen“ für 
den Übergang von einem Studienabſchnitt in den 
anderen oder als Vorausſezung für die Ablegung 
der einzelnen Prüfungen vorzuſchreiben. Ents- 
ſcheidend iſt vielmehr der Ausbildungsſtand, der 
je nach Begabung und Fleiß des einzelnen früher 
oder ſpäter erreicht wird. Auch darf der Umfang 
der Laboratoriumsaufgaben keinesfalls ziſſernmäßig 
für alle Studierenden gleichmäßig ſeſtgelegt werden. 
Der bejonders Begabte iſt durch Einjchränkung der 
Lehraufgaben -- vor allem elementarer Art -- 
ſo zu fördern, daß er möglichſt mit geringem Zeit- 
aufwand den abſchnittweiſe zu fordernden Aus- 
bildungsſtand erreicht. i 
Demgemäß iſt auch beim Übergang von Ab- 
ſolventen anerkannter höherer techniſcher Lehr- 
anſtalten auf die Hochſchulen die Anrechnung von 
Semeſtern auf die Studienzeit von ſieben Halbjahren 
und damit der Zeitpunkt der Prüfungen nicht 
formal feſtzuſeben. Sie erfolgt in jedem Einzelfall 
auf Grund des Ausbildungsſtandes, der durch die 
Vorſtände der Laboratorien feſtgeſtellt wird, in 
denen ver Studierende ſeine Ausbildung durch- 
zuführen beabſichtigt. 
Die Studienordnung läßt aljo der Geſtaltung 
der Chemikerausbildung im einzelnen weiteſte 
Freiheit. Von den Lehrſtuhlinhabern erwarte ich 
DeShalb, daß ſie ſich der gerade darin liegenden 
Verantwortung, ins8beſondere bei Schaffung der 
Vorausöſezungen für das Fortſchreiten der 
Studierenden in den einzelnen Ausbildungs- 
abſchnitten und für die Zulaſſung zu den Prüfungen, 
ſtet8 voll bewußt bleiben. 
Die Heraushebung eines vom Studierenden 
ſelbſt gewählten „Schwerpunktes“ innerhalb der 
Chemie im zweiten Studienabſchnitt und ent- 
ſprechend in der Diplom-Chemifkfer-Hauptprüſung 
trägt dem Umſtande Rechnung, daß die Forderung 
gleichmäßiger umfaſſender Kenntniſſe in allen 
Zweigen der Chemie bei dem Stand dieſer Wiſſen- 
ſchaft nicht mehr durchſeßbar iſt. 
Durh dieſe Neuordnung des <emiſchen 
Studiums ſind die <emiſc<hen Verbandsprüfungen 
als überholt, die Aufgabe des „Verbandes der 
Laboratoriums8vorſtände an deutſchen Hochſchulen“ 
als erfüllt anzuſehen; die Auflöſung des leßteren 
 
- wird daher beſonders ausgeſprochen werden. 
Ergänzend bemerke ich, daß Juden ohne Rü>- 
ſicht auf die Staatsangehörigkeit von der im 8 15 
Ziffer 2 der Diplomprüſungsordnung vorgeſehenen 
Regelung ausgeſchloſſen ſind. 
Zuſatz für Öſterreich : 
Soweit die Einhaltung beſonderer Form- 
vorſchriften nach Landesrecht erforderlich ſein ſollte, 
erſuche im unter Bezugnahme auf 8 4 der Erſten 
Verordnung über den Neuauſbau des Reiches vom 
2. Februar 1934 (RGBl. I S. 81) das zur Durc- 
führung dieſes Runderlaſſes Erforderliche zu ver- 
anlaſſen. 
- Berlin, den 6. April 1939. 
Der Reichsminiſter 
für Wiſſenſchaft, Erziehung und Volksbildung. 
R uſt. 
An die Herren Vorſteher der nachgeordneten Dienſt- 
ſtellen der Preußiſchen Wiſſenſchaft8verwaltung 
und - die Unterrichtöverwaltungen der Länder 
mit Hochſchulen (einſchl. Öſterreich), =“ WII 
1510/39 (a). 
(RMinAmtsblDtſchWiſſ. 1939 S. 249.) 
* 
Anlage 1. 
Studienordnung für Studierende der Chemie. 
1. 
1. Das Studium der Chemie erfordert im 
allgemeinen eine Studienzeit von ſieben Halbjahren: 
e3 ſoll dem Studierenden wiſſenſchaftliches Denken 
vermitteln und ihn befähigen, die Anforderungen. 
ſeines ſpäteren Berufes nach Übergeordneten 
Geſichtspunkten zu meiſtern. 
2. Das Studium beginnt in der Regel im 
Winterſemeſter. 
3. Die Beſtimmungen Über die Durchführung 
Der Prüfungen enthält die Diplomprüfung3ordnung. 
für Studierende der Chemie. 
IT. 
1. Das Studium der Chemie kann an den. 
Univerſitäten und Techniſchen Hochſchulen im Ge- 
biete des Deutſchen Reiches abgeleiſtet werden. 
2. Den Studierenden der Chemie wird emp- 
fohlen, mindeſtens während der beiden lekten 
Halbjahre an der Hochſchule zu ſtudieren, an der 
ſie die Diplom-Hauptprüfung ablegen wollen. 
HI. 
Das Studium der Chemie gliedert ſich in 
zwei Ausbildungsabſchnitte, in eine einheitliche 
Grundausbildung (Abſchnitt 1) und in eine ver-
	        

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