Full text: Deutsche Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung - 5.1939 (5)

352 Amtlicher Teil 
 
mit dem Herrn Reichsarbeit8miniſter und dem 
Herrn Reichsminiſter für Ernährung und Land- 
wirtſchaft die beiliegenden Richtlinien für die 
landwirtſchaftliche Hilfsarbeit der Schuljugend be- 
annt. . 
I<h mache ausdrüclich darauf aufmerkſam, daß 
die Schuljugend außerhalb der Ferien nur nach 
den von mir gegebenen Richtlinien eingeſeßt 
werden Ddarſ. 
Berlin, den 8. Juni 1939. 
Der Reichsminiſter 
für Wiſſenſchaft, Erziehung und Volksbildung. 
In Vertretung: Zſ<inßzſ<. 
An die Herren Oberpräſidenten (Abteilung für 
höheres Schulweſen), den Herrn Stadtpräſidenten 
der ReichöShauptſtadt Berlin (Abteilung für Volks-, 
Mittel- und Höhere Schulen), die Herren Re- 
gierungspräſidenten, den Herrn Reichskommijſjar 
für das Saarland in Saarbrücken, die Unterricht38- 
verwaltungen der Länder (einſc<l. Öſterreich) 
und den Herrn Reichsſtatthalter für die ſudeten- 
deutſchen Gebiete in Reichenberg. -- EB Ila 
1140 E Il a (b). 
(RMinAmtsblDtſc<hWiſſ. 1939 S. 351.) 
* 
Anlage. 
Richklinien für den Einſaß der Schukiugend 
für die landwirtſc<aftli<e Hilfsarbeit. 
1. Der Einſaß der Sculjugend erfolgt in 
erſter Linie in den Ferien, 6 - 
23) In den ländlichen Volksſchulen Preußens 
ſind bei der Feſtſezung der Lage der Sommexr- 
und Herbſtferien von jeher die wirtſchaftlichen 
Erforderniſſe der Bevölkerung der einzelnen Ort- 
ſchaften berückſichtigt worden. I< erwarte, daß 
hierbei in dieſem Jahre mit beſonderer Sorgfalt 
und in engſtem Einvernehmen mit den zuſtändigen 
Dienſtſtellen des Reichsnährſtandes verfahren wird. 
Wenn ſich in einzelnen Fällen troßdem mit Rückſicht 
auf die landwirtſchaftlihen Verhältniſſe eine Ver- 
längerung der Ferien als notwendig erweiſen ſollte, 
ſo ermächtige im die Regierungspräſidenten, die 
Geſamtdauer der Sommer- und Herbſtſerien der 
betreffenden Orte für die Schüler der vier oberen 
Jahrgänge um eine Woche zu verlängern. 
Die Unterricht3verwaltungen der anderen Länder 
ermächtige ich, für die ländlichen Volks8ſchulen ihrer 
Länder entſprechende Anordnungen zu trefſen. 
b) Für die Schuljugend der Städte, für die 
die Ferienordnung vom 28. Januar 1939 --- EE 111 a 
1/39 E Ila -- (RMinAmtsblDtſchWiſſ. S. 67) 
bzw. 27. Februar 1939 -- E Ila 2 KE 1a -- 
(RMinAmtsblDtſchWiſſ. S. 169) gilt, beſtimme ich 
folgendes: 
Um den Unterrichtsausfall von vornherein ſo 
miedrig wie möglich zu geſtalten, darf die bereits 
feſtgelegte Ferienordnung, wo erforderlich, in ge- 
ringem Ausmaße, 3. B. durch Verkürzung der 
Sommerſerien und Verlängerung der Herbſtferien, 
verändert werden. Die Entſcheidung über dieſe 
Umänderung, die den Schülern baldigſt bekannt- 
zugeben wäre, lege ich in die Hand der Unterrichts- 
verwaltungen der Länder, für Preußen nach Be- 
nehmen mit dem Regierungspräſidenten in die 
Hand der Oberpräſidenten. Über die erfolgten 
Umänderungen erwarte ich Bericht. 
Der Einſatz erſolgt auf Anforderung oder im 
Einvernehmen mit dem zuſtändigen Arbeits8amt 
und wird durc< die HJ. geregelt und betreut. 
2 Für den Einſaß außerhalb der Ferien, dex 
nur in den dringenden Notfällen geſchieht, in 
denen andere Hilfsmittel erſchöpft ſind, iſt folgendes 
zu beachten. 
23) Die Hilfeleiſtung der Schüler und Schüle- 
rinnen der Schulen in den Städten wird bei der 
Schulleitung durc< die Arbeitsämter angefordert. 
Die Anforderung muß ſo rechtzeitig wie möglich, 
ſpäteſtens einen Tag vor dem Einjat erfolgen. 
Damit die Arbeitsämter die Einberufung mög- 
lichſt gleichmäßig und raſch auf die einzelnen Schulen 
verteilen können, ſind die Schulleiter verpflichtet, 
Verzeichniſſe über die für den Einſaß in Frage 
kommenden Schüler und Schülerinnen zu führen 
und den Arbeitsämtern Auskunft über die Zahl 
der zur Verfügung ſtehenden Schüler und Schüle- 
rinnen, ihr LebenZsalter und die Art der Einſaß- 
möglichkeit zu geben. | 
b) Schüler und Schülerinnen, die für die 
landwirtſc<haftliche Arbeit körperlich nicht geeignet 
erſcheinen oder für die durc; den Unterricht8- 
ausfall ſchwerwiegende ſchuliſche Schäden zu er- 
warten ſind, dürfen vom Unterricht nicht beurlaubt 
werden. 
c) Bei der Hilfeleiſtung der Schuljugend iſt zu 
unterſcheiden zwiſchen Einzeleinſaß und Klaſſen- 
einſaß, Dd. i. der geſchloſſene Dienſt einer Schulklaſſe 
unter Beauſſichtigung eines Lehrers. 
Der Einzeleinſaß ſoll ſic auf die Fälle be- 
ſ<hränfen, in denen Schüler oder Schülerinnen 
im landwirtſchaftlihen Betrieb der Eltern oder 
von Verwandten helfen wollen. Dieſe Möglichkeit 
iſt weitgehend offenzulaſſen. 
; Hebie blaß unterſteht der Beauſſichtigung 
ur< die HJ. 
Der Klaſſeneinſaß beſchränkt ſich auf den unter e 
dargelegten Fall. . 
d) Durch planvollen Einſaß der Schuljugend 
muß vermieden werden, daß einzelne Schulen 
und Schüler überlaſtet, andere zuwenig heran- 
gezogen werden. Die Hilfeleiſtung der Schüler 
und Schülerinnen ſoll jo geregelt werden, daß 
der Unterricht möglichſt reibung8los aufrecht- 
erhalten werden kann. 
Die Beurlaubung vom Unterricht darf für jeden 
Schüler grundſäklich höchſtens 1% Unterricht8wochen 
umfaſſen. Über dringende, darüber hinausgehende 
Ausnahmefälle entſcheidet auf Antrag des Arbeits- 
amtes die Unterrichtsverwaltung des Landes, für 
Preußen der Oberpräſident bzw. Regierungs8- 
präſident. 
e) Für die Höheren Schulen und Mittelſchulen 
beſtimme ich insbeſondere: 
Die Klaſſen 5 und 6 der Mittelſchulen und der 
Höheren Schulen ſowie die Klaſſe 7 der lekteren 
Dürfen mit Zuſtimmung des Schulleiters unter 
Aufſicht eines Lehrers geſchloſſen eingeſezt werden.
	        

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