Full text: Deutsche Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung - 5.1939 (5)

178* Nichtamtlicher Teil 
 
gemeinen Richtlinien des Reichserziehungs- 
miniſteriums geregelt. Wenn daher im folgenden 
weſentlich vom preußiſchen Landjahr die Rede iſt, 
ſo gilt Entſprechendes grundſäßlich auc< für die 
anderen Länder bzw, für die beiden genannten 
Reichsgaue. 
Da das Landjahr Länderangelegenheit iſt, 
werden ſeine Koſten von den Ländern getragen, 
für das Saarland vom Reich. Für Preußen iſt 
das feſtgelegt dur< 8 3 des Landjahrgeſeßes in 
der Faſſung des preußiſchen Finanzausgleich8- 
geſeßes vom 10. November 1938 (GS. S. 108). 
Die Länder ihrerſeits laſſen ſich einen Teil ihrer 
Koſten von den Gemeinden erſtatten. In Preußen 
iſt rund die Hälfte der Geſamtkoſten des Landjahrs 
aus dem gemeindlichen Ausgleichſto> an das Land 
zu Überweijen. 
Die Teilnahme am Landjahr beruht nicht auf 
Freiwilligkeit, fondern iſt nach 8 1 des Landjahr- 
geſeßes für die Jungen und Mädchen, die ein- 
berufen werden, eine geſeßliche Pflicht, deren 
Erfüllung notfalls erzwungen werden kann. 
Während der Landjahrdienſtzeit ruht ſür die ein- 
berufenen Jugendlichen die geſeßliche Berufs- und 
Fortbildungsſchulpflicht (8 7 des Landjahrgeſeßes). 
Die Einberufung erfolgt in unmittelbarem An-. 
ſchluß an die Entlaſſung aus der Volksſchule nach 
Erfüllung der geſeßlihen Schulpflicht. Das Geſeß 
hat, wie es in der Begründung heißt, „die all- 
gemeine Landjahrpflicht feſtgeſeßt, um die Grenze 
der zu erfaſſenden Kinder ſo weit wie möglich zu 
erſtre>ken“. Das ſollte jedoch nicht bedeuten, daß 
nunmehr alle ſc<hulentlaſſenen Jugendlichen zum 
Landjahr einberufen werden ſollten. Entſprechend 
nationalſozialiſtiſchen Grundſäßen und den oben 
angegebenen Zielen des Landjahrs8 wird nur eine 
Ausleſe erbbiologiſ<, körperlich und geiſtig be- 
ſonders tüchtiger Jungen und Mädel eingezogen. 
Der immerhin nicht unbeträchtliche Auſwand für 
das Landjahr ſoll nur ſolchen Jungen und Mädchen 
zugute kommen, die das Zeug in ſich haben, auf 
Grund der erfahrenen Schulung als Führer und 
Unterführer einmal der Volk8gemeinſc<haft beſondere 
Dienſte zu leiſten. Die Einberufung zum Landjahr 
ſtellt ſomit eine Auszeichnung dar. 
Nach dem Zwe> des Landjahrs werden in 
erſter Reihe Kinder aus Großſtädten, dann aber 
auc< aus kleineren Städten und in geringerem 
Umfang vom flachen Lande einberufen. Die 
Auswahl erfolgt in den Schulen der Entſendeorte 
in den Monaten Oktober bis Dezember. Sie 
wird vorgenommen durch . ſogenannte Auswahl- 
kommijſſionen, die bei den einzelnen Schulen ge- 
bildet werden. Jhnen gehören an der Lehrer 
oder die Lehrerin der lebten Schulklaſſe, die auf 
Grund ihrer perſönlichen Kenntnis eine Gewähr 
dafür bieten, daß nur wirklich tüchtige Kinder 
ausgewählt werden. Da die Geſundheit eine 
ausjc<hlaggebende Rolle ſpielt, iſt auch der Schul- 
arzt Mitglied der Kommiſſion. Den Anforderungen 
des Arbeitseinſaßes8 wird durch Teilnahme eines 
Vertreters des Arbeitsamts, in der Regel des 
Berufsberaters oder der Berufs8beraterin, Rechnung 
getragen. Die Verbindung zur HJ. und zum 
BDM. ſtellt ein Vertreter des örtlich zuſtändigen 
Jungvolkführers oder eine Vertreterin der BDM.- 
Führerin her. Auf dieſe Weiſe können HJ. und 
BDM. dahin wirken, daß die Jungen und Mädel, 
die ihre Eignung als Unterführer und Unterführe- 
rinnen bewieſen haben, Gelegenheit bekommen, 
im Landjahr beſonders gründlich für den Dienſt 
in der Jugendführung ausgebildet zu werden. 
Den Vorſiß in der Kommiſſion führt in der Regel 
der Rektor der jeweiligen Schule. Der Auswahl 
wird ſelbſtverſtändlih eine eingehende ärztliche 
Unterſuchung zugrunde gelegt, deren Ergebnis 
karteimäßig ſeſtgehalten und den Lagern zugänglich 
gemacht wird. Auf dieſe Weiſe iſt der Gefahr 
einer geſundheitlichen Schädigung der Landjahr- 
pflichtigen vorgebeugt. Wer krank oder irgendwie 
förperlich behindert iſt, fommt nicht ins Landjahr. 
Das Landjahr iſt kein Landerholungsheim, es iſt 
natürlich auc< nicht, wie in den erſten Jahren 
verſchiedentlih angenommen wurde, eine Ex- 
ziehungsanſtalt für Fürſorgezöglinge. Der erſten 
ärztlichen Unterſuchung folgt unmittelbar vor der 
Entſendung in das Landjahr eine zweite, die vor 
allem dem Zwed dient, das Einſchleppen von 
Seuchen, z. B. Diphtherie, in die Lager zu ver- 
hindern. 
Das Landjahr beginnt im Anſc<luß an die 
Schulentlaſſung im April und dauert rund acht 
Monate bis etwa Mitte Dezember. E3 wird von 
den Jungen und Mädchen getrennt nach Ge- 
Ihlechtern in Lagern abgeleijtet (8 4 des Geſeßes), 
deren Zahl zur Zeit etwa 500 beträgt. Die Lager 
befinden ſic entſprechend dem Zwe> des Land- 
jahr8 durchwegs in bäuerlichen Gegenden. Nach 
Möglichkeit werden Gegenden bevorzugt, in denen 
aus irgendwelchen beſonderen Gründen die Land- 
bevölfexrung einer beſonderen Hilfe bedarf. So 
befinden ſi Lager vielfac< in Siedlerdörſern. 
Beſonders berücſichtigt wird auch der Oſten, der 
unter der Abwanderung der Landarbeiter in hohem 
Maße zu leiden hat und andererſeits als Grenz- 
gebiet für die nationalpolitiſ<e Schulung der 
Landjahrpflichtigen hervorragend geeignet iſt. 
Die Lager ſind nicht etwa primitive Baracken 
ov. ä., ſondern durchwegs tadellos eingerichtete Ge- 
bäude, meiſt ehemalige Guts- oder Bauernhäuſer, 
die für Zwecke des Landjahrs umgebaut wurden. 
Die Anforderungen, welche an ein Landjahrlager 
zu ſtellen ſind, ſind dur< Erlaſſe und Anweiſungen 
eingehend geregelt. Ein Lager enthält Schlaf- 
räume, Aufenthalt3- und Schulungsräume, einen 
Speiſeſaal, Schreibſtube, Wachſtube, Krankenzimmer, 
Zimmer für die Führer und die Wirtſchafterin, 
Küche, Kammer und ſonſtige Wirtſchaftsräume, 
Werkräume uſw. Die Lager müſſen vor allem 
auch geſundheitlich einwandfrei ſein. Vor ihrer 
erſten Anmietung iſt daher durch die Geſundheits- 
vorſchrift für das Landjahr (Runderlaß vom 9. März 
1939 --- L 1603/133 b --) außer der Beſichtigung 
dur< den Baudezernenten der Regierung eine Be- 
ſichtigung durch den Amtsarzt vorgeſchrieben. Die 
Geſundheits8vorſchrift regelt auch die ſonſtigen zu 
ſtellenden geſundheitlichen Mindeſtanforderungen. 
JInsbejondere müſſen helle und luftige Schlaf- und 
Aufenthaltsräume vorhanden ſein, für ausreichende 
Heizung muß geſorgt ſein, eine Warmduſchanlage 
ſoll zur Verſügung ſtehen uſw.
	        

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