Full text: Deutsche Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung - 5.1939 (5)

186* Nichtamtlicher Teil 
 
guter Wortbilder“ beſagt noch nicht, ob die unter 
dieſem Motto durchgeführten Arbeiten auch wirklich 
gut ſind. Das ertennt man erſt an den Arbeiten 
jelbſt. DesShalb müſſen beide Kräfte, Handwerk 
und Meiſterſchule, die die Geſellen zur Meiſterreife 
bringen, in gleichem Sinn auf das gemeinſame 
Ziel hinarbeiten und in ihrer Anſicht über das, 
was geſtalteriſch gut oder ſchlecht iſt, miteinander 
einig ſein; nicht3 iſt ſchlimmer bei zwei an einer 
Ausbildung beteiligten Kräften, als wenn ſie unter 
ſich uneins ſind. 
In der gemeinſamen Behandlung der einheit- 
lichen Durchführung der Meiſterſchulabſchlußprüfung 
und der Meiſterprüfung hat München eine inter- 
eſſante Löſung geſunden. Das Lehrerkollegium 
der dortigen Meiſterſchule für das Malerhandwerk 
einerſeits und die Meiſterprüfungskommiſſion 
andrerſeits einigen ſich auf eine einzige Prüfung, 
die ſowohl den Vorſchriften über die handwerkliche 
Abſchlußprüfung der Schule als auch den Vor- 
ſchriſten für die Meiſterprüfung entſpricht. Dieſe 
eine Prüſung wird von ſeiten des Lehrer- 
follegium3 als handwerkliche Meiſterſchulabſchluß- 
prüfung und von ſeiten der Meiſterprüfungs- 
kommiſjion als Meiſterprüfung gewertet. 
Eine derartige gemeinſame Abnahme der Sc<hluß- 
prüfung des handwerklichen Ausbildungs8gangs ſebt 
beſtes und vertrauensvolles Zuſammenarbeiten von 
Schule und Praxis voraus. Das gegenſeitige 
Vertrauen iſt überhaupt die unerläßlihe Voraus8- 
jeßkung zum Gedeihen der Meiſterſchulen des 
deutſchen Handwerks und damit auch zum kulturellen 
Gedeihen des Handwerks ſelbſt.?) Auf Grund des 
Um- und Ausbau8 der Meiſterſchulen und der 
Qualität der an ihnen tätigen Kräfte hat das 
Handwerk nunmehr auch allen Grund, ſein größtes 
Vertrauen in dieſe Anſtalten und ihre Wirkungs- 
weiſe zu ſeßen. 
Als ein ganz beſonderes Mittel zur Stärkung 
des gegenſeitigen Vertrauens darf die mit Erlaß 
vom 26. Juni 1939 --- EK IVb 2453/39 --- aus8- 
geſprochene Beruſung von Verbindungsleuten der 
Praxis an die Meiſterſ<ulen angeſehen werden. 
Mit dieſem Erlaß hat ſich der Herr Reichs8- 
erziehungsminiſter entſ<loſſen, aus denjenigen 
handwerklichen Beruſen, für die an den Meiſter- 
ſchulen reichSeinheitliche Rahmenlehrpläne beſtehen, 
je drei Verbindungsleute an jede Meiſterſchul- 
abteilung zu berufen. Für 40 Malerabteilungen 
an Meiſter|chulen wurden durch dieſen Erlaß nun- 
mehr je drei Meiſter auf Vorſchlag des Reichs8- 
innungsverbands des Malerhandwerks über den 
Herrn Reichshandwerksmeiſter und der Fachgruppe 
Bauhandwerk über das deutſche Handwerk in der 
2) Von den Reich3innung3verbänden de38 geſtaltenden 
Handwerks im weiteſten Sinn wird heute klar erkannt, 
daß die gewünſchte und notwendige Ausbildungshöhe der 
Meiſterſchaft nux auf fachſ<hulmäßigem Weg zu erreichen 
iſt. Die Spitzenſtellen des Handwerks ſehen in den Meiſter- 
ſchulen des deutſchen Handwerks de3shalb die Ginrichtungen, 
von deren Wirkſamkeit die Stellung des Berufs ſelbſt abhängt. 
Vgl. hierzu auch in Heft 8/1939 der amtlichen Zeitſchrift des 
Reichsinnung3verbands de8 Malerhandwerk8 „Form und 
Farbe“ die Stellungnahmen des Reichshandwerks3meiſters8 
(S. 171), des Abteilungsleiters8 im Reichsſtand Profeſſor 
Dr.-Jng. vabil. Ho ;z (S. 174 und 175) und des Reichs8- 
innung5meiſtexrs Walldorf (S.176 und 177). 
DAF. vom Reichserziehungsminiſterium als Ver- 
bindungsleute benannt. Es handelt ſich hierbei 
um beſonders kulturell intereſſierte Vertreter des 
Malerberuſs, um Kulturwarte, Obermeiſter und 
um Meiſterprüſer. Die Berufung dieſer Ver- 
bindungsleute bedeutet zuſammen mit der Ein- 
führung der reichöeinheitlichen Rahmenlehrpläne 
einen weſentlichen Schritt in der Entwieklung der 
Meiſterſchulen des deutſ<en Handwerks vorwärts. 
Die Auſgabe der Verbindungsleute beſteht zu- 
nächſt, wie ihr Name beſagt, in der Erhaltung 
und Pflege guter Verbindung zwiſchen Meiſter- 
Ihule und Berufsſtand, zwiſchen den Lehrkräften 
und Handwerfsmeiſtern und zwiſchen den 
Studierenden und der örtlihen Praxis. Jhre 
Sache iſt es weiterhin, innerhalb ihres Berufs 
auf die Meiſterſchule und ihre wertvolle Unter- 
ſtüßung hinzuweiſen, als Kenner des Schulbetriebs 
alle unſachlihen Meinungen über den Wert der 
Anſtalt richtigzuſtellen und Mißverſtändniſſe, 
Intereſſeloſigkeit und Unkenntnis von Praxis und 
Schule gegenſeitig auszuräumen. Sie werden 
ferner mitwirken können, daß in der ſachlichen 
Arbeit eine gegenſeitige Anregung von Schule 
und Praxis ſtattfindet.*) 
Der Erlaß ordnet an, daß mindeſten38 einmal 
im Semeſter eine Ausſprache zwiſchen dem Ab- 
teilungsleiter und den Lehrkräſten der betreffenden 
Abteilung mit den Verbindungsleuten des be- 
treffenden Berufs ſtattzufinden hat und daß hier- 
bei die Arbeiten der Abteilung zu beſichtigen ſind. 
Schon eine einzige derartige Ausſprache unter 
Fachleuten bringt weſentliche gegenſeitige An- 
regung. E53 liegt an den menjc<lichen Qualitäten 
der Vertreter von Schule und Praxis, wieweit 
dieſe Anregungen dann für beide Teile nußbar 
und fruchtbringend gemacht werden. Es gibt für 
beide Erziehungsſaktoren im handwerklichen Aus- 
bildung8gang, für Schule und Praxis (wie für 
unſer ganze38 Volk) zur Zeit nur ein Kommando: 
„Leiſtungsſteigerung !“ Der Grund zu jeder 
Leiſtungsſteigerung aber liegt allein in der 
Verbeſſerung der Leiſtungsfähigfeit und des 
Leiſtungswillens des Menſ<hen Den Geſellen 
zum leiſtungstüchtigen und dleiſtungswilligen 
Handwerksmeiſter heranzubilden, ihn zur Fähigkeit 
meiſtermäßigen Tuns zu erziehen, ihm das ge- 
ſIhliffene Rüſtzeug des Könnens und Wijjens in 
ſeinem Beruf zu vermitteln, iſt Pflicht von Meiſter- 
Ichule und Praxis. 
Die offiziellen Bindeglieder zwiſchen beiden 
Kräften ſind nunmehr die BWerbindungsleute. 
Hieraus iſt ihre außerordentliche Bedeutung für 
die weitere Entwieklung der Meiſterſchulen und 
damit des Handwerks erſichtl ih. QScdule und 
8) In der Meiſterſchule beſteht die Möglichkeit zu Ver- 
ſuchen handwerklich-te<hniſcher und handwerklich-geſtalteriſcher 
Art, die das Handwerk in ſeinen Betrieben infolge der 
Arbeitsintenſität nicht ſelbſt veranſtalten kann. Alle fach- 
lichen Fragen des Handwerks können als Anregungen zu 
Aufgaben von den Verbindungsleuten an die Schulen 
gegeben und dort durchgearbeitet werden. Die ſchon jetzt 
beſtehende Übung, entwurf8mäßig an praktiſchen Aufträgen 
des Handwerks mitzuarbeiten, wird durch die Verbindungs3- 
leute weiter gepflegt werden können, ſoweit ſich derartige 
Arbeiten mit dem methodiſchen Aufbau des Unterrichts ver- 
binden laſſen,
	        

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