Full text: Deutsche Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung - 5.1939 (5)

Heft 21 
Nichtamtlic<her Teil | 223* 
Stimmen aus Praxis und Wiſſenſc<aft 
(Nichtamtlicher Teil) 
I n h a if Seite 
1. Bücher und Zeitſchriftm ........... vw.ooeoe..ee..................... 293* 
2. Verzeichnis der zur Beſprechung eingeſandten Bücher und Schriften. ............... 225* 
 
Bücher und Zeitſchriften 
Charaiter und Kriſe der britiſchen Weltpolitik. 
Von Walther Sheunemann. 
Bibliographiſche8 Inſtitut AG., Leipzig. 
Die Scrift, die knapp vor Ausbruch des europäiſchen 
Konfliktes abgeſchloſſen worden und jeht erſchienen iſt, zeigt 
in ſachliher Konzentration das Werden und die heutige 
Problematik des engliſc<en Empire. Sie erhält ihre beſondere 
Note durch Herausſtellung der Tatſache, daß das engliſche 
Weltreich weder eine Dauererſcheinung noch auc<h nur von 
einem geſchichtlich ehrwürdigen Alter iſt. Wie der Verfaſſer 
nachweiſt, erlebt es jeine Entſaltung im weſentlichen im 
19. Jahrhundert, genauer in dem Zeitraum von 1789 bis 
1933, den der Verfaſſer das Zeitalter Großbritanniens nennt. 
Dieſes britiſche Jahrhundert wurde durch das Zuſammentreffen 
einer Reihe günſtiger Vorausſezungen ermöglicht, die heute 
unwiderbringlich weggefallen ſind, in8beſondere dadurch, daß 
die Mitte Europas ſeit dem Dreißiglährigen Krieg ſchwach 
“und in ſich zerſpalten war. Seit der Erneuerung Mitteleuropas 
dur<; den Nationalſozialiömu8, der Schaffung de8 Groß- 
deutſchen Reiches und der Entwieklung von Großraumwirt- 
ſchaften, ſeit der Gründung des Römiſchen Imperiums, dem 
Wiedererſtarken Spaniens und der japaniſchen Machtentfaltung 
im Fernen Oſten haben ſich die Verhältniſſe entſcheidend 
geändert. Es hätte ein Gebot ſtaat8männiſcher Klugheit für 
die Leiſtung der britiſchen Politik ſein müſſen, in Erkenntnis 
dieſer Tatſachen auf das großzügige Freundſchaft8angebot 
des Führers einzugehen. Wenn ſtatt deſſen die engliſche Politik 
in hoſſnungs8loſer Verblendung unter den völlig veränderten 
Verhältniſſen glaubt, die Methoden des 19. Jahrhunderts 
fortſezen und die ſtärkſte Macht Kontinentaleuropas8 vernichten 
zu können, wird ſie troßdem erkennen müſſen, daß das britiſche 
Jahrhundert zu Ende iſt. Mit Klarheit zeigt der Verfaſſer 
aber, daß dieſes Zeitalter Großbritanniens alles andere als 
im Zeichen des Rechte8 und der Freiheit ſtand. Schamloſer . 
Sklavenhandel ſchuf den Reichtum Großbritanniens, Gewalt, 
Raub und grauſame Unterdrückung ſind die Wege des Empires. 
So ſteht England vor uns als der größte Seeräuber aller Zeiten. 
Berlin. Glauning. 
* 
Störenfried England. 
Von Dr. Lothar Kühne. . . 
Dr. Hans Riegler, Verlag für vaterländiſche Literatur, Berlin. 
Noc< hallt in uns die Erſchütterung über die polniſchen 
Greueltaten von Bromberg nach, wie jie in ihrer Scheußlichkeit 
ſeit dem Dreißigjährigen Krieg Europa nicht mehr erlebt hat. 
Und als wir erfuhren, daß dieſe Abſchlac<htungen durch den 
engliſchen Secret Service planmäßig organiſiert worden ſind, 
tauchte in uns die Frage auf, wie jo etwas möglich jei. Zur 
rechten Zeit führt nun Dr. Kühne, bisher durch ſeine kolonial- 
rechtlichen Veröffentlihungen bekannt geworden, in ſeinem 
neuen Buche den Nachweis, daß die Greuel von Bromberg 
nicht eine außergewöhnliche Handlung des Secret Service 
waren, ſondern daß ſie vollkommen den j|<hamloſen Methoden 
entſprechen, mit denen England ſeit jeher gewiſjenlos ſein 
Machtſtreben durchgeführt hat. Jm Eingangskapitel dieſer 
verdienſtvollen Schrift wird dargetan, daß ſich die engliſche 
Politik nicht erſt heute, ſondern ſeit jeher gegen Europa richtete 
und troß verſchiedenſter ideologiſcher Tarnungen nur eine 
brutale Herrſchaft errichtete, für die Staatskirche und Juſtiz 
eine ſcheinheilige Moralgrundlage abgeben, während die engliſche 
Demokratie nicht die Mitarbeit des Volkes, ſondern die Herrſchaft 
einer Geldariſtokratie ſichert. Das Grundprinzip dieſer Politik 
iſt die planmäßige Niederhaltung jeder anderen Großmacht 
um jeden Preis und auh mit den niedrigſten Mitteln. „Irlands 
Opfergang“ heißt das Kapitel der blutigen Au8merzung und 
Unterdrückung des iriſchen Volkes. Angeſichts der engliſchen 
Greuelhetße von heute iſt das Zeugnis Cromwell8 von Intereſſe, 
e3 wären „in der Kirche ſelbſt einige Tauſende mit dem Schwert 
niedergemacht. I< glaube, alle ihre Mönche, außer zwei, 
wurden totgeſchlagen.“ Alle Arten von Foltern, Notzucht, 
Niederbrennen von Farmen, Vernichtung von Familien = 
damals in Jrland, heute in Bromberg engliſche Methode! 
Indiens Blutweg zeigt die gleichen grauſigen Farben. Im 
Zeihen engliſcher Gerechtigkeit ſtarben im 19. Jahrhundext +. 
in Jndien 30 Millionen Menſchen an Hunger. Am 13. April 
1919 ließ in Amritſar der engliſche General Dyer von drei 
Seiten mit Maſchinengewehren in eine friedliche Verſammlung 
von 5000 hungernden Bauern, Frauen und Kindern jc<ießen 
und verbot, daß den Verwundeten irgendwelche Hilfe zuteil 
wurde. Der heldenmütige Freiheitskampf des Burenvolkes 
wurde durch England mit dem Krieg gegen Frauen und Kinder 
unterdrüdt, die in Konzentrationslagern tieriſchen Graujam- 
keiten ausgeſeßt wurden. Schwangere Frauen wurden nicht 
vereinzelt, ſondern ſyſtematiſch von englijchen Soldaten gegen 
den Leib getreten, um die Nachkommenſchaft des Burenvolkes 
zu vernichten. Die Unterdrü>ung der Araber erleben wir 
täglich aufs neue. Ein beſonderer Schandfle> ſchließlich iſt 
die Art, wie England mit ſeinen Verbrecherkolonien den 
auſtraliſchen Erdteil „beſiedelt“ und die Ureinwohner aus- 
gerottet hat. Britiſche Berlenfiſcher vergnügten ſich auſ ihren 
Schiffen mit auſtraliſchen Mädchen, um ſie dann über Bord 
den Haifiſchen zum Fraß vorzuwerfen. Die Unterdrücdung der 
judaneſiſchen Freiheitsfämpfer und der Opiumkrieg gegen 
China jind gleich traurige Kapitel. England, das jo gern Freiheit 
und Recht im Munde führt, hat im Opiumkrieg die Chineſen 
gezwungen, das tödliche Gift einführen zu laſſen = und damit 
ſeinen Reichtum in Oſtaſien begründet. So kann das Buch 
Dr. Kühne3 nicht38 anderes als eine leidenſchaftliche Antlage 
ſein gegen die engliſche Gentry, die ſtets wie heute die Freiheit 
anderer Völker bedroht, wenn ſie glaubt, ihrer Herrſchaft damit 
„dienen zu können. Das Buch iſt mit ſeinem reichen Material“ 
eine ausgezeichnete Propagandawaffe. 
Berlin. Glauning. 
X 
Der Weſtwall. 
Von Hauptmann R, Th. Kühne. 
München 1939, J. F. Lehmanns Verlag. 
48 Seiten. Mit 50 Bildern und Karten. 
Einzelpreis 1 RM, 
Hunderttauſende deutſcher Volk8genoſſen haben in den 
lezten Wochen den Weſtwall-Film geſehen und mit Staunen 
und Bewunderung feſtgeſtellt, was dort an der Weſtgrenze 
unſeres Vaterlandes geleiſtet worden iſt. Sie alle und be-
	        

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