101 Charakter der Oeſtreicher , Baiern, Syroler, Schwa- ben, Badenſer , Pfälzer, Sachſen, Schleſier, Frieſen u. f. w. Dieſe Mannigfaltigkeit bilde den Kern der Schönheit des deutſchen Lebens. Vaterlandes, und dürfe daher durch die Schule nicht - vernichtet, ſondern müſſe vielmehr ausgebildet werden. . Faſt im Gegenſaß mit diefer Eigenſchaft ſtehe - eine andere gleich ruhmwürdige Eigenſchaft des deut- Erde habe*es wie das deutſche verſtanden, das gei- ſtige Eigenthum andrer Völker in ſein nationales Eigenthum zu verwandeln, das Fremde ſich zu aſſi: miliren. Es gleiche in dieſer Beziehung dem Löwen, welcher das Fleiſch der erbeuteten Gazelle, des erbeu- teten Haſen in Löwenfleiſch verwandele. Dieſe Uni- verſalität ſei zu erhalten. Das deutſche Volk ſei das ausgleichende Volk der Erde. Daratif deute Hon die Lage Deutſchlands hin im Herzen von Barbaren. Gemüths aber ſei die Innerlichkeit, das Ein- dringen in die Tiefe. Innigkeit des Familienlebens bildet?:n das Funda- ment des deutſchen Weſens. Er kenne daher keine größere Karrikatur,. als ein emanzipirtes deutſches Weib. Ueberhaupt müſſe die Bildung der Frauen eine höhere werden. Do ſei das ein Kapitel, wel- Has (ſcherzhafte Hindeutung auf die an der Ver- ſammlung theilnehmenden Frauen) beſſer unter Maän:- nern allein beſproh“en werde. nationalen Erziehung anlange, ſo ſei die Hauptſache Erziehung von deutſchen Vätern und von deut- ſchen Müttern und dieſe werde befördert, indem man dem jugendlichen Geiſte die vollkommenſten deut- ſchen Produkte zur Nahrung gebe. Deutſche Ge- ſchichte, zur We&ung und Kräftigung deitſſchen Sinnes an ec<t deutſchen Volksbildern wie Luther, zur Warnung vor Fehlern und Verirrungen, wie ſie die Deutſchen ſo oft begangen, -- und deutſche Literatur ſeien demnach die geeignetſten Mittel zur Förderung einer nationalen Erziehung. In leßter Beziehung ſei der Fortſchritt der neueren Leſebücher für Volksſchulen dur< Aufnahme des Beſten aus der deutſchen Literatur freudig anzuerkennen. Ueber- dieß müſſe ſ<on früh in der Jugend durch Wort und Beiſpiel der Gedanke und das Streben nach Einheit, Geſchloſſenheit und Stärke des deutſchen Vaterlandes gewet und genährt wer: den. Wie es mit dem nationalen Bewußtſein jekt ſtehe, ſei höchſt <arakteriſtiſch in folgender Anekdote dargeſtellt. „Ein Engländer, ein Franzoſe und ein Deutſcher treffen zuſammen. Wenn ich kein Engländer wäre, ſo wollte im, daß ich ein Franzoſe wäre. Der Franzoſe: Wenn ich kein Franzoſe wäre, ſo wollte iM, daß ich ein Eng- länder wäre. Der Deutſche: I< wollte, daß ich entweder ein Engländer oder ein Franzoſe wäre.“ i ! Sie ſei begründet | in der Geſchichte und in der Natur des deutſchen ; Zur Weung und Stärkung dieſes nationalen Sin- “Dieſer Mangel an Nationalſinn zeige ſich auch na- mentlich in dem Umſtande, daß deutſche Auswandrer ſchnell ihren deutſchen Charakter aufgeben, während Engländer und Franzoſen ihre Nationalität bewahren. nes aber könne die deutſche Schule weſentlich bei- tragen. Behrens aus Borßum: Er ſinde es nicht recht, daß Dieſterweg ſchon wieder geſpromen, weil ſchen Geiſtes, die Univerſalität. Kein Volk der er befürchte, die Verſammlung werde keine allgemeine Lehrerverſammlung bleiben, ſondern eine Dieſterweg': ſche werden. -- Was den Gegenſtand der Diskuſſion anlange, ſo habe Dieſterweg mit Recht die Univer- : falität als einen Grundzug des deutſchen Weſens aufgeſtellt 3 der Menſch ſei, wie Al. v. Humboldt im Kos8mos ſo treffend nachgewieſen, ein Produkt ſeiner Umgebung, und demgemäß deute die Lage Deutſch- lands im Mittelpunkte des europäiſchen Lebens auf den univerſellen Beruf des Deutſchen hin. Der Deutſche Europa, in der Mitte zwiſchen Kulturvölkern und ' müſſe daher auc) auswandern, und wenn er auch im fremden Lande ſchnell ſeine Nationalität verliere , ſo Der <arakteriſtiſhe Grundzug des deutſchen durchdringe doch ſein Geiſt die Völker und durch die- Religiöſe Geſinnung, Der Engländer ſagt: , ſen deutſchen Geiſt würden einſt jene fremden Völker ſicher zur Blüthe gelangen. Man habe dem deutſchen Volke wohl auch den Vorwurf gemacht, es rede zu viel. Allein es müſſe viel reden, es habe den Beruf das Gute Über die Welt zu tragen, nicht mit dem Schwerte, ſondern mit dem Worte. Nur wünſche er, daß in der Volksſchule nicht der Lehrer allein rede, vielmehr wären es die Schüler, welche reden lernen müßten. -- Benfey aus Göttingen. Er erkenne in Adels - - Dieſterweg einen der größten Meiſter der Pädagogik, Was endlich die Mittel zur Erreichung einer müſſe ihm aber do< in einem Punkte widerſprechen. Es ſei ſeine Anſicht, daß die Schule den pünktlich- ſten Gehorſam, die ſtrengſte Zucht erheiſche. -=- (Erinnerung des Vorſikenden, nicht vom Gegenſtande abzuſchweifen.) =- In Betreff der nationalen Er- ziehung theile er die von Dieſterweg ausgeſprochenen Anſichten, beklage aber, daß der Deutſche nie im eigenen Lande heimiſch geworden ſei, daß ihm die Familien-Erziehung gänzlich fehle. Das weib- liche Geſchlecht ſei in den nationalen Geiſt nicht eingedrungen, ſtehe darin gegen die Frauen Englands - weit zurü&. Die deutſ<en Mütter trieben Muſik, um Walzer zu ſpielen, Franzöſiſch, um zu plappern 4 j ; i ! ) 1 1 ' 1 1 1 i und Romane zu leſen, StiFgexeien, um Augen und Geſundheit zu verderben 3 ihre Konverſation beſchränke ſich auf Ballgeſprähe. Die weibliche Erziehung ſei von Grund Ius. verdorben. =- Der jetzige Lehrer habe vor Allem den Sinn für das Heimiſche zu erwe&en. -- Jdeen habe das deutſche Volk ſeit Jahrhunderten verfolgt, das Sehen und Hören / aber darüber vernachläſſigt, es ſei ein philoſophiſches | | ( 1 j | l ' | | 1 Volk. Das- ſei ein Vorzug, aber auch ein Fehler. -- Das Heranbilden der Jugend ſei für ihn der wichtigſte und heiligſte Beruf; dieß müſſe auch im Volke zum Bewußtſein gebracht werden. =- Das Verhältniß des Lehrers gegen die Schüler anlangend, N müſſe Liebe und Strenge die Grundlage desſelben ein.“ -- %