102 drnig aus Markranſtädt: Er ſei von | gehen zu laſſen, wenn er es einmal habe, nicht ver- der vorhergehenden Rede zu tief ergriffen, um ſeine | Gedanken ausführlich entwi>eln zu können. =- Dieſter- weg ſei auf drei vorhergehenden allgemeinen Lehrer: verſammlungen nicht zugegen geweſen; jeßt möge die Verſammlung ſich hüten, eine Dieſterweg'ſche zu wer- den. =-- Die univerſale Bildung im Dieſterweg'ſchen Sinne halte er für einen Fehler; Nationalität ſchließe die Univerſalität aus. Streben nach Egaliſirung habe er nicht gefunden. =- Nationalerziehung ſei für ihn in negativer Richtung: Beſeitigung des Indifferen- tiömus gegen ſein Land, der Univerſalität z in poſi- tiver Richtung: Hebung deutſcher Sittlichkeit, Er- we>ung des Gemeinſinns. -- Roſt beklagt, daß der eingeſchlagene Weg ver- laſſen zu werden ſcheine und erſucht das Präfidium, es möge bei Nichteinhaltung deſſelben, den Rednern das Wort entziehen. (Beifall.) Auch er wolle weder eine Roft'ſche, noc< eine Dieſterweg'ſche Verſamm- lung, fühle ſi aber tief verle8t, durc< die Art, wie zwei der „Vorredner fich gegen Dieſterweg ausge- Ritter aus Tambac<. Man hadbve der modernen Volksſc<ule den Vorwurf gemacht, daß ſie zu viel mit Maſſen operire und darüber das Indi- viduum vernachläſſige. Er finde den Hauptgrund des Uebels in dem Mißbrau<e, den man mit dem Sate getrieben: Die Schule ſoll dem Leben dienen. Der Unterricht müſſe einfacher werden. Die Volks- ſchule ſolle keine Polyhiſtoren bilden, es ſolle in ihr nur ein feſt Kern gewonnen werden, um den ſich die ſpäter geſammelten Kenntniſſe und Erfahrungen geuppiren könnten. Kraftbildung ſei die Haupt- jache. =- Köhler aus Corbac<h. Behrens glaube nicht, daß die Deutſchen zu viel geredet hätten; dieß ſei nach ſeiner Anſicht allerdings der Fall, namentlich in Betreff der Lehrer. Er verlange von ihnen mehr Handlungen, namentlich die Gründung von Vereinen für Erziehung z die jekigen Vereine hätten mehr die Methode im Auge. -- In Bezug auf das von Dieſter- weg aufgeſtellte Programm der Volksſchule laſſe ſich nach ſeiner Anſicht Alles zuſammenfaſſen in dem einen Ausdru>e: daG, Erziehung, worunter er jedoch kein konfeſjionelles Chriſtenthum, keine konfeſ- ſionelle Erziehung verſtanden wiſſen wolle. Die <riſt- liche Erziehung ſchließe“ ein die höchſte Humanität, die höchſte Religioſität, die wahre Sittlichkeit (deutſche Treue, Redlichkeit , Innerlichkeit, Vaterlandsliebe). --- Die Volksſchule (das Beiwort „modern“ wolle ihm nicht gefallen) habe den Zeitumſtänden zu viel Rechnung getragen. -- Die Univerſalität ſei auszu- bilden, weil ſie national ſei. =- Der Elementarlehrer verderbe oft die Kinder im erſten Unterrichte, aber ſehr oft kämen die Kinder ſchon verdorben zur Schule. Dieſem Uebel ſei in neuerer Zeit namentlich durch Fröbel geſteuert worden. -- -Berthelt aus Dresden. Die Sache, wes- halb er um's Wort gebeten habe, ſei ſchon durc< Herrn Oberſchulrath Roft erledigt, er könne aber die - ſprohenF/ (Beifall.) - Eigenſchaft des Deutſchen, ſic das Wort nicht ent: ; "e- + “oo. “ ; 5 “. iF - „- mw= Ss Nter -« - Ww ien ws v., 0 | wandert mus : mm is TIER wein 8 m we WI x “ .. T - I ' „“. ? ; 1 - X "", ve. Lier ' et 7 > 'A wie OS .... =» > “ + | 5 %. Ue venn 1 SZ: aid . leugnen. 'Neues könne er dem von Dieſterweg über den Begriff der Nationalerziehung Geſagten nicht bei- fügen, weil er nichts Weſentliches wiſſe; entgegnen könne er auch nichts, ſchon die biSherigen Entgeg- nungen beruhten nach ſeiner Anſicht auf Mißverſtänd- niſſen z wiederholen möge er au< nichts, weil er die Verſammlung nicht mit einem ſchlehten Nachdru>e beläſtigen dürfe. Nur eins ſcheine ihm Dieſterweg vergeſſen zu haben. (Es müßten nämlich nicht nur die nationalen Eigenſchaften des deutſcyen Volkes weiter entwikelt, ſondern es müßten dem Volke ganz beſonders au< die ihm etwa noh fehlenden guten Eigenſchaften anerzogen werden. Das deutſche Volk ſei, um nur ein Beiſpiel anzuführen, zum Idealen und damit zuſammenhängend zum vijelen Reden, we- niger aber zum thatfräftigen Handeln geneigt. Die Verſamrnlung ſelbſt habe ihn lebhaft daran erinnert. Es habe ihn ein unheimliches Gefühl beſc<hlichen, wenn ex bei den trefflichen Reden, die hier gehört worden ſeien, daran denke, wie wenig davon zur praktiſchen Ausführung kommen werde, wie das Feuer, welches hier entzündet, ſobald wieder verlöſchen und ſein Licht und ſeine Wärme gar wenig über Deutſch- lands Gauen ſich verbreiten werde. Daher ſcheine es ihm eine nothwendige Aufgabe für die Verſamm:- lung, nicht länger über den Begriff der National: erziehung zu verhandeln, als vielmehr über die Mittel zu berathen, durch welche eine ſoime Erziehung her- beigeführt werden könne, und namentlich zu unter: ſuchen, wie die in Vorſchlag gebrachten Mittel: „Geſchichte und Literatur“ zux Erreichung des Zwe>es benußt und in der Volksſc<hule hinſichtli< ihrer An- wendung ermöglicht werden können. Nachdem no< Dr. Peterſen aus Gotha die deutſchen Frauen gegen Benfey in Schuß genommen, wird die weitere Discuſſion 3 Stunde ausgeſeßt. = Schriftführer : Mann, Lehrer aus Caſſel, DrEz Kühne, Gymnaſiallehrer aus Gotha, AA fis; (Schiuß folgt.) y- di: nad ' Ir Bücherſchau. Muſterſtü>e für den Sprachunterricht erläutert und zu Literaturbildern zuſammengeſtellt von Auguſt Lüben, Rektor der erſten und zweiten Bürgerſchule zu Merſeburg, und Karl Na>e, Lehrer der erſten Bürgerſchule daſelbſt. Zugleih als Kommentar zu dem Leſebuche für Bürgerſchulen von demſelben Verfaſſer. Erſte Lieferung. Leipzig, Friedrich Brand- ſtetter. 1852, (284 Seiten, gr. 8.) (Auch unter dem Titel: Kommentar zu dem Leſebuch für Bürgerſchulen von Auguſt Lüben, Rektor der 1. und 11. Bürgerſchule zu Merſeburg, und Karl Na >e, Lehrer der [. Bürgerſchule daſelbſt, Erſter Theil: Muſterwerke für den Sprachunter- richt erläutert und zu Literaturbildern zu- ſammengeſtellt, Erſte Lieferung, Leipzig, Fried- rich Brandſtetter, 1852.) - | .. Pok ". “rs Sr 0 „ em dr at iel 8 8 T= KE *