202 und Wenzig eine Berathung der Realſchulen- Zeichnenlehrer Böhmens ſtatt, um den Zeichnenunter- richt mit dem neuen Lehrplane in Uebereinſtimmung zu bringen, beſtehende Mängel deſſelben zu beheben, und die nöthigen Anträge zur Förderung und Hebung dieſes für die Induſtrie ſo wichtigen Unterrichts- zweiges zu ſtellen. eingefunden. Auch der k. k. Miniſterialrath , Herr Franz, Grafv. Thur-Hohenſtein aus Wien und der Direktor der Prager Malerakademie, Hr. Duben, | | Jahre an Frequenz nachſtehend, dennoch ſo zahlreich beehrten die Verſammlung mit ihrer Gegenwart. Die Lehrer hatten ſowohl Zeichnungen ihrer Schüler, als eigene Arbeiten mitgebracht; nebſidem waren ver- ſchiedene Zeichnenmuſterwerke, Modelle und andere Lehrmittel zur Anſicht targeboten. Zur Beurtheilung wurde ein Komite gebildet. Das Erkenntniß lautete dahin, daß das Freihandzeichnen hinter dem Linear: zeichnen zurüs ſei, und zwar nicht ſowohl darum, . weil es an Lehrkräften, ſondern vielmehr, weil es bei der Verſunkenheit des guten Geſchma&es, der ſich nach dem Beiſpiele der Griehen und Römer auch mit den Erzeugniſſen der Induſtrie zu vermählen habe, an geeigneten Vorlagen fehle. Hiermit ſoll nicht ge- ſagt ſein, daß nicht auch im Freihandzeichnen mehre Anſtalten Lobenswerthes, ja mitunter Ausgezeichnetes geliefert hätten, wie die beiden Oberrealſchulen von Prag, die kleinſeitner Muſterhauptſchule, die neu- ſtädter Pioriſtenhauptſchule, die Schulen zu Leitme- riß-Leiza, Pilſen, Budweis u. a. -- Man vereinigte ſim , auf Einfachheit im Zeichnen zu drängen, den Bli> der Schüler frühzeitig auf die unübertroffene Lehrmeiſterin Natur zu lenken, das gedankenloſe Ko* piren aus: der Schule zu verbannen, die Selbſtthätig- keit und den Erfindungsgeiſt zu we&en, und nachdem man noch andere wichtige Anträge geſtellt, kam end- lich der Beſchluß zu Stande, es ſollen die Lehrer jeder Anſtalt jährlich eine oder mehre ihrer eigenen Arbeiten den Schulräthen überſenden, welche ſie durch eine Kommiſſion prüfen zu laſſen hätten, um die für gut befundenen Stüe dem h. Miniſterium vorzulegen, und nach erlangter hochortigen Sanktion für deren Veröffentlihung zu ſorgen. Dieſer Beſchluß kann, wenn er auch thatkräftig ausgeführt wird, von ſehr heilſamen Folgen ſein, indem ſo die Anſtalten nach und nach auf wohlfeilere Art zu tauglichen, ihrem Zwed>e entſprechenden Vorlagen zu gelangen im Stande ſein werden. Ueberhaupt vermag die zum erſten Male eingeleitete Verſammiung die lohnendſten Früchte zu tragen, da die Lehrer ihre bedeutungs- volle Aufgabe klarer erfaſſen, und ſich wechſelſeitig näher kennen lernen. Man ſchied mit dem allge: meinen Verlangen, ſi<h im nächſten Jahre wieder zuſammen zu finden. Wohlan, waere Freunde! Es kann hier, wie überall, nur nach dem Wahlſpruche vorwärts gehen: „„Viribus unitis!'“ - Berichte über Lehrerverſammlungen. Der allgemeine württembergiſche Volksſchul- -„Tehrervein hielt ſeine diesjährige Plenarverſammlung -- ſeit der Zeit ſeines Beſtehens die dreizehnte = Es hatten ſich über 70 Lehrer am 4. Auguſt. . Der ernſten Stimmung, in welcher ſich die Theilnehmer zur Berathung über einen gleich- falls ernſten Gegenſtand zuſammengefunden hatten, gab der Eröffnungsgeſang in dem Choral: „Wer nur den lieben Gott läßt walten 2c.“' (von einem Vereinsmitgliede, W. A. Auberlen, für Männerſtim- - men na<h dem Originälrythmus bearbeitet), den ent= | ſprechenden AusdruF. In gleichem Sinne ſprach - dex Vorſtand Worte der Begrüßung, und freute ſich, daß die Verſammlung, wenn gleich denen früherer beſucht war, um durch dieſelbe eine Majorität des württembergiſchen Volksſchullehrerſtandes in ihr ver- treten zu ſehen. , Den Hauptgegenſtand der Beſprechung bildete der rythmiſche Choral. Seit einer Reihe von Jahren wurde in verſchiedenen Kreiſen gar vieles hiervon geredet und geſchrieben, beſonders ſeit dem Stuttgarter Kir<entage, auf welchem die Frage hier- über gleichfalls verhandelt worden war. Sowohl die Unklarheit der Vorſtellungen über ſein Weſen, ſeinen Charakter, ſowie ſeine Bedeutung für den kir<lichen Kultus auf der einen Seite, als die all- 'zukühnen Erwartungen auf der andern Seite, welche man von deſſen Einführung als kir<licher Gemeinde: geſang in manchen Kreiſen wenigſtens hegt, hinſicht- lich der Förderung wahrhaft <hriſtliher Erbauung und der Pflege eines regen kir<lichen Sinnes, -- machten eine Erörterung unter Männern, welche zu- nächſt durch ihren Beruf darauf angewieſen ſind, hier zu prüfen und das Beßte zu behalten -- höchſt wünſchenswerth. An der Hand von Fragen (Theſen), die ein Vereinsmitglied zuvor in der „„Volksſchule' zu vorbereitender Erwägung veröffentlicht hatte, wurde der Gegenſtand wie nach ſeiner hiſtoriſchen und äſthe= tiſchen Bedeutung, ſo auch nach ſeiner praktiſchen Wichtigkeit freimüthig und unbefangen erörtert. Das Reſultat der Berathung ſprach ſich der Hauptſache nach in der Anſicht aus, daß der rythmiſche Choral, mit Ausnahme von etlichen ganz ausgezeichneten Melodieen, in muſikaliſcher Hinſicht einen weſentlichen Vorzug vor dem gegenwärtigen, namentlich nach der wirklim in hohem Grade gelungenen Bearbeitung des württemberg. ,,Choralbuchs'“ von 1844, nicht darbiete, dagegen weit größere Schwierigkeiten in der Ausführung z ebenſo erheben ſich bedeutende Zweifel darüber, ob durch denſelben die Andacht bei dem Gottesdienſte in dem Maße würde gefördert werden, wie ſo Manche zu glauben geneigt ſind. Obgleich hierdurc) ausgeſprochen ward, daß ein hinreichender Grund zur Einführung der na< dem muthmaßlichen Original: Rythmus bearbeiteten Choräle und damit zur allmäligen Beſeitigung unſers gegenwärtigen Chorals in der Gemeinde nicht vorhanden ſei, ſo wurde den- noc< auch zugleich anerkannt, daß zur Belebung des Geſanges, insbeſondere eines friſcheren Vortrags an der Stelle des allzuerlahmten Rhythmus, einige hierzu beſonders geeignete Choräle je nac< Umſtän» den der Oertlichkeit und der muſikaliſchen Kräfte vornämlich für kir<liche Geſangc<öre ſich empfehlen. Mit dem Schluſſe der Debatte hierüber endigte der