Nr. 52 einein 6. September 1912. he Yehretzeitun „/ / 64. Jahrg. Schriftleiter: Lehrer Ernſt Linde in Gotha. Jährlich erſcheinen 48 Uummern. Bezugspreis halbjährlich 4 Mark. Uufſätze und Bücher zur Beurteilung werden an die Schriftleitung erbeten. Ubhandlungen: Das Inſtitut für experimentelle Pädagogik und Pſychologie. Aufgaben. TJnhalt: Von J. Beyer, Bremen, Beſtellungen nehmen alle Buchhandlungen und Poſtämter an, -Unzeigen für die vierſpaltige Petitzeile oder deren Raum 30 Pfennig. Don Privatdozent Dr. Max Brahn, wiſſenſchaftlichem Leiter des Inſtituts. verein am 25. April 1912. (Schluß.) -- Seelenkenntnis und experimentelle Pſychologie. -- Einer Mutter Sterben. Skizze aus der Schulpraxis von KR. Schatter. Seine bisherigen Ergebniſſe und zukünftigen Nach einem Vortrag im Leipziger Lehrer- Von F. W. Foerſter. =- Zur Schulreform. -- Für die Praxis. Friedrich Wilhelm IV. Don Lic, R, Kabiſh. -- Bunte Schüſſel. -- Einfälle und Ausfälle. -- Vermiſchtes. -- Beurteilun- gen. -- Rätſel. -- Briefkaſten. -- Unzeigen. Das Inſtitut für erperimentelle Pädaaoaik und Pſychologie. Seine biSherigen Ergebniſſe und zukünftiaen Aufgaben. : Don Privatdozent Dr. Max Brahn, wiſſenſchaftl. Leiter des Inſtituts. Nah einem Vortrag im Leipziger Lehrerverein am 25. April 1912. (Schluß.) Bisher iſt das Inſtitut dieſen Unterſuchungen aus dem Wege gegangen. Daß fie uns nicht unbekannt waren, wiſſen Sie ja wohl zur Genüge, wenn ich ſie an die ſchönen Unter- ſuchungen über die Mimik der Rinder beim künſtleriſchen Genießen von Rudolf Schulze erinnere. Aber wir haben ſie darum gemieden, weil, wie geſagt, wir zunächſt einmal Arbeit leiſten wollten, von der ein Mann wie Wundt, der ſicherlich ſtrenge Unforderungen ſtellt, geſagt hat, daß das Inſtitut die Aufgabe, die es ſich geſest hat, in durchaus beſonnener und ſtreng wiſſenſchaftlicher Weiſe zu leiſten verſucht. Subjektivis- mus haben wir in der Pädagogik ſo viel, daß ich glaubte, es wäre beſſer, zunächſt einmal ſchon aus unterrichtlichen Gründen möglichſt objektiv vorzugehen. Natürlich laſſen auch die weniger exakten Unterſuchungen eine objektive Beurteilung zu, aber es bleibt eben doch perſönlichen Anſchauungen ein größerer Spielraum. haben, Zuſammenhänge objektiv zu durchleuchten, die bisher nur perſönlicher Anſchauung zugänglich waren, und ſchon aus dem Grunde denke ich daran und werde darin von unſerem Aſſiſtenten, Herrn Handri>k, unterſtüßt, jet zu beginnen, auch ſolme Unterſuchungen, wie ich ſie eben genannt habe, in den Geſichtskreis des Inſtituts zu bringen. mehr in die unmittelbar pädagogiſchen Fragen, anderſeits aber auh leichter in Gefahr, die Schulung im Experiment nicht mehr fo genau zu geſtalten, wie bisher, und, als Wirkung davon, in den Arbeiten ſubjektiver zu werden und dadurch Angriffen mehr zu unterliegen. Schon der große Stamm von treuen Nüitarbeitern, die in den bisherigen Gewohnheiten auf- aber wird das der Fall ſein, wenn wir verſuchen, auch bei denjenigen Arbeiten, die die erperimentelle ganz beſtimmte | Beweisführung nicht leiſten können, möglichſt großen Umfang der Arbeiten und dadurch einen Überblik über ſoviel Rinder und Ergebniſſe zu bekommen, daß das Perſönliche möglichſt zurüktritt. So will ich 3. B. ſchon jeßt, Schulen nicht ſo frei zur Verfügung ſtehen, Unterſuchungen in Chemnit machen, in denen der dortige [. Stadtſchularzt, Herr Dr. med. Thiele, uns aufs freundlichſte unterſtüßt und das große Kindermaterial ärztlich für uns unterſucht. Solche Urbeiten ſind oft Statiſtiken umfangreicher Art, es TH glaube nun, daß in den letßten | Jahren gerade gewiſſe mathematiſche Methoden dazu geführt | mehr | . im Müttelpunkte ſeines Berufslebens. Das bedeutet eine Ergänzung des Beſtehenden, die eine | niht unweſentliche Anderung iſt. Wir kommen damit einerſeits aa Nn da uns hier die | Lehrer manches getan. - Geiſte beſchäftigt, ſind Sammlungen von Rinderz zeichnungen, Rinderarbeiten plaſti- ' ſcher Urt, Sragebogen über dies oder jenes, kurz, es ſind Samm- lungen großer Mengen gleichartiger Objekte, die ſehr viele - ordnende Mühe erfordern. IH werde daher dem Yorſtand des Inſtitutes vorſchlagen, an die Anregung ſolcher Samm- lungen zu gehen, und einen dafür geeigneten Lehrer als Hilfs- ' Fraft zu gewinnen, der die Ordnung -und Tnſtandhaltung der- ' ſelben übernimmt. Wie dieſe Underung ſich aus der Entwicklung der Wiſſen- ſchaft innerlich notwendig gemacht hat, und wie ich dabei auf die Mitwirkungen der Leipziger Lehrerſchaft, wo wir Sammel- objekte brauchen, hoffe, ſo ſoll dies Referat auch dazu dienen, äußerlich unſer Inſtitut zu einem vollſtändig eingerichteten zu machen. Es joll bei uns nichts fehlen, was anderweitig auf dem ganzen weiten Gebiete unſerer Wiſſenſchaft bearbeitet wird, ſelbſt das nicht, wovon wir annehmen, daß es nur ſehr langſam und allmählich den Fortſchritt der Wiſſenſchaft be- fördert. Faſſen wir zuſammen: Was hat das Inſtitut bisher ge- leiſtet? Es ſtünde uns ſchleht an, darüber zu reden, ob die Arbeiten des IJnſtitutes Wert haben oder nicht; die Un- erkennung eines Mannes wie Wundt darf uns jedenfalls die Hoffnung geben, daß wir es nicht ſchlechter gemacht haben als anderswo. Erſt in einigen Jahren, wenn die nun immer- mehr anſchwellenden Yeröffentlichungen erſchienen ſein werden, wird ja ein wirkliches Urteil von uns abzugeben ſein. Sicher- lich hat das TJnſtitut für die wiſſenſchaftliche Erziehung vieler Es gibt ja kaum ein Fach, das ſo geeignet iſt, auch im Seminar die wiſſenſchaftliche Erziehung des Lehrers zu fördern. Pjychologie und Pädagogik ſtehen Sie finden daher über- all Anknüpfungspunkte an ſein TJntereſſe. Die Pſychologie wie die Pädagogik ſtehen mitten zwiſchen den Natur- und Geiſteswiſſenſchaften. Im Jnhalte in der Hauptſache mit dem werden ſie in der Methode immer mehr den Naturwiſſenſchaften angenähert. Der Lehrer -hat im Seminar - nicht die Möglichkeit, ſich in einer Naturwiſſenſchaft ernſtlich wiſſenſchaftlich auszubilden: Haben. gewachſen ſind, wird dieſe Gefahr gering machen. Noch mehr | ſtalten, und ihm zugleich für ſeinen Beruf Erkenntniſſe geben. in der Pſychologie ſollte er ſie Man würde damit ſein Denken wiſſenſchaftlich ge- Die Pſychologie iſt für den Lehrer ein ſo konzentrierendes Fach wie kein anderes. Von der Phyſik an führt ſie über das Ge- dächtnis des perſönlichen Lebens der Schüler hinfort zum Yer: - ſtehen der Geſchichte aller geiſtigen Entwiklung eines Menſchen. Wenn Sie die Yorträge durchſehen, die im Inſtitut zum größten Teil von hieſigen Lehrern, zum Teil aber von hilfsbereiten Profeſſoren der Univerſität gehalten worden ſind, ſo können | Sie die Reichhaltigkeit deſſen ſehen, was die Pſychologie und die Pädagogik Heute bedeuten. Darauf immer wieder hinzu- . weiſen, dafür ein lebendes Denkmal zu fein, wird ſtets zu den | Aufgaben des Inſtitutes gehören.