YI, Veber die Dunkelheit der „allgemeinen Pädagogik“ Herbart's. Was von den früheren Schriften Herbart's mit Recht gerühmt wird, dass Sie, ohne den Späteren an Tiefe und Gedankenreichthum nachzustehen, denselben an Unmittelbar- keit und Frische der Darstellung bei weitem überlegen Sind, das gilt besonders von Seinem ersten philosopbischen Haupt- werke, der „allgemeinen Pädagogik“. Es trägt dies Buch das Gepräge des Stillen, einsamen Denkens, das, unbekümmert um den Lärm des Tages und den Streit der Meinungen, Seine eigenen Wege gucht und die Fülle Seiner Ausbeute, auf nachdenkendes Verständniss rechnend , eher zurückhält, als - anpreist; aber , weit entfernt, durch erkältenden Stolz zu verletzen, iSt es vielmehr von einer milden, freudigen Wärme durchhaucht, die uns durchweg die Nähe der grossen Inter- essen der Menschheit fühlbar macht. Der Lapidarstyl Fichte's und die Innigkeit der Pestalozzi'schen Schreibart erscheinen hier wie zu einer höheren Linheit verbunden. Herbart Schrieb das Buch in der vielleicht glücklichsten Periode Seines Wirkens, im Jahre 1805. Damals begann Sich in Seinem Auditorium „die philosophische Thätigkeit Göttin- gens zu concentriren“ und er fühlte Sich 80 an Seiner Stelle, dass er, obgleich noch Privatdocent, einen Ruf nach Heidel- berg ablehnte; es fanden Seine Lehren bei einem Kreise be- gabter junger Männer, unter denen Sich auch der geliebteste Seiner früheren Zöglinge, Karl von Steiger, befand, verständ- nissvolle Aufnahme; auch für die pädagogischen Bestrebungen Sah er hoffnungsvoll jüngere Gebhülfen neben Sich?); vor 1) Vergl. zu dem Obigen: Ziller, Herbartische Reliquien S, 153 f. Hartenstein, Herbart's kleine philos. Schriften, 1, p. LXI.