Erſcheint am 1 1. 15. jed. Monats. Preis: vierteljährlich 1,60 Mk. IV Man abonniert beit allen FA Buchhandlungen und DZ Pofſtanſtalten, ſowie direkt beim Verlage, Berlin 80. 16, Runge- ſtraße 25-27. ESN SI SSC ISS 7 Inſerate: Die dreigeſpaltene Nonpareillezeile 40 Pf. Beilagen billig nach freier Vereinbarung. Annahme in allen Annoncenbureaus und in der Expedition - "Berlin 80. 16. Rungeftraße 25--27. GAINS SYN LY Halbmonatsſchrift für efbBiſch- ſoziale Reformen. Begründet von Georg vdn Gizycki. Mit der Monatsbeilage „ Kinmderlands*“, Blätter für ethiſche Jugenderziehung, und der Vierteljahrsbeilage : „Weltliche Schule“, (Mitteilungen des Deutſchen Bundes für weltliche Schule und Moralunterricht). Heraus8gegeben von Dr. Rudolph Penzig. Verlag: Verlag für ethiſ<e Kultur, Richard Bieder, Berlin 80. 16, Rungeſtraße 25--27. Die Verſendung erfolgt von Gottesberg. XX. Jahrgang Berlin, den 15. Juni 1912 Ir. 12 NbBdruck iſt, ſoweit nicbt ausdrücklich unterſagt, nur mit vollſtändiger Quellenangabe Jeſtattet. Inhalt. Nachreden des Raſſenkongreſſes. Von Prof. Ferdinand Toennies. Woher der marokkaniſche Chriſtenhaß ? Von Johannes Guttzeit (München-Olc<hing). Die Geſchichte der Geſchichte der Geſchichte. (Eine Satire). Bon Heinrich Hettlingen. . , Streiflichter : . Wahlrecht und preußiſche Volksvertretung. Konfeſſionsloſer Moralunterricht. No<mals die Suffragettes. Vermiſchtes. Bücherſchau. Anzeigen und Mitteilungen. Machreden des Ralſenkongreſles. Dankenswert iſt es, daß einer der Senioren Der ethiſchen Bewegung vem oben bezeichneten Kongreß noch- mals ſeine Aufmerkſamfeit zuwendet. Da ich ein wenig mitveraniworilic bin für den Ablauf diejes, wie DEr verehrte Herr mit Recht ſagt, phänomenalen Vorganges, ſo erlaube ich mir, mit einigen Worten meinerje1iis da- rauf zurüczuſommen. Es iſt das erſte Mal, daß ich einer Kritik des Kon- greſſes Recht geben muß. Die Frage, die Herr Döring aufwirft, ob der Kongreß den Charakter, dex ihm durch ſein Hervorgehen aus der internationalen ethiſchen Be- wegung aufgeprägt worden iſt, in vollem Maße zum 2lus- druc> gebracht habe, muß auch ich verneinen. Ebenſo iſt ja ganz unzweifelhaft, daß in der Ver- ſammlung von 1908 von den Prinzipien einer morali- ſichen Bildung ohne Religion nur wenig die Rede gewe- jen iſt. Noc<h weniger ſcheint es, werden dieſe Prinzipien bei der Wiederholung die für dieſes Jahr im Haag ge- ſchehen ſoll, zu gehöriger Geltung gelangen. Indeſſen mögen wir abwarten, wie über dieſe noch bevorſtehende Tagung zu urteilen ſein werde. Internationale Kongreſſe ſind ja an und für jich nichts Neues. Wir haben ſie für Medizin, für Pjycho- logie, Philoſophie im allgemeinen, wir haben ein inter- nationales Inſtitut für Soziologie, das Kongreſſe ab- hält uſw. Gegen Zahlung ſind die meiſten dieſer Kon- greſſe jedem zugänglich, man braucht nur ein Menſc< zu fein, um an ihnen teilzunehmen und zumeiſt ſteht es auch jedem frei, das Wort zu ergreifen. Alle dieſe ſind alſo in gewiſſem Sinne Kongreſſe der Menjichheit. | | Der Raſſenfongreß unterſchied ſich aber von allen dadurch, daß er nicht nur jedermann aus dem Men1chheit- Volke zur Teilnahme einlud, jondern auch das Menichheitz- Voll zu ſeinem alleinigen Gegenſtande machte. Ex tat dies ausgeſprochener Maßen im Sinne der Humanität, des allgemein-menſchlichen Gedanfens, Der Ueberbrücung aller in Raſſendünkel, in Nationalbhaß, in religiöſen Einbildungen und Ausſ<hließlichfeiten gähnenden Abgründe. Es war ein großer Gedanke „im Lichte der Wiſen- ſchaft und des modernen Gewiſſens" dieje Dinge zu be= trachten, mit der fundgegebenen „Abſicht, volleres Ver= ſtändnis, freundlichſte Gefühle und berzlicheres Zutam= menwirfen zu befördern.“ -- Ein zu großer Gedanke? Wiſſenſchaft und Gewiſſen ſollten gefragt werden. Iſt Wiſſenſchaft einmütig über jol<e Fragen? Kann ſie überhaupt etwas widerlegen was in Gefühl und Willen ſich ausprägt? Kann ie be- weiſen, daß es gut iſt und richtig, aller Menichen men lich zu begegnen? Iſt vollends das moDernc Gewiſſen nicht etwas durchaus Subjektives, vielleicht Senimenta- les, Unmännlich-Weiches, Schwärmeriſches, der vielbe- rufene Humanitätsduſel, der mit dem Auffläricht fo jicht- lich zuſammenhängt? “ | SESLSLIEE Tatſache iſt, daß das wiſſenſchaftliche Denken UnD Bez wußtſein Menſchen aller Nationen und Ratjen verbindet und vereint, daß Wiſſenſchaft ihrem Wiſſen nach alge- mein-menſ<hlih iſt, im Gegenjaß zu Sitten, Inſtitutio nen, Religionen und in diefen Gründen wurzelnden Mei nungen. Aber daraus folgt nicht daß ſich wiſſenſchafilich be- weiſen laſſe, etwa daß die Menſchen verſchiedener Hautz= farbe gleich gute ſittliche Anlagen haben, daß Miſchraſſen im Durſchnitt ebenſo viel Intelligenz hervorbringen wie reine Raſſen, überhaupt daß die Menſchen im ganzen und großen gleichwertig und daß ihre Verſchiedenheiten eben nur durc ihre ſozialen Verhältniſſe oder durch klimatiſche Einflüſſe u. dgl. bedingt ſein. Allerdings folgt nichts dergleißen. Der Kongreß hat aber auch nichts dergleichen folgern wollen. Er hatte Referate über Gegenſtände Die= ſex Art vorgelegt, ſie ſtanden aber der freien Erorterung offen. Er ſekte voraus, daß niemarnid an dieſer Erör- terung teilnehmen würde, der an dieſe Fragen mit aus geprägten Vorurteilen, mit leidenſ<aftlichem Raſſjedünkel,