Heimatkunde umſchrieben“, jo heißt es in dem kleinen Führer, der un38 mitgegeben wurde. Bei einem kurzen Rund- gang ließ ſich natürlich nur ein flüchtiger Überbli> über das ausgeſtellte Material ermöglichen, wobei der Katalog gute Dienſte leiſtet. Es finden ſich in der Ausſtellung Schüler- arbeiten aus höheren Schulen, Pädagogien und Lehrerbil- dungsanſtalten, ſowie Modelle von der Hand de38 Lehrers, nir ganz vereinzelt, wie mir ſcheinen will, auch Objekte aus Mädchenbildungsanſtalten, wie 3. B. dem ſtädtiſchen Ly- zeum und dem Kindergärtfnerinnenſeminar in Kreuznach und einigen privaten Lyzeen. (Ob das an dem biologiſchen Unterricht in Mädchenſchulen oder an der Abſicht der Aus3- ſtellungsleiter oder an einem Zufall liegt, kann ich nicht beurteilen.) Die Arbeiten ſind zum Teil Einzel-, zum Teil Klaſſenleiſtungen. Beſonderer Wert iſt darauf gelegt, zu zeigen, wie die Beobachtungsfähigkeit der Jugend geübt und wie ihr Sammeltrieb in gute Bahnen gelenkt werden kann. Der Naturſchuz und die Pflege de3 Naturdenkmals wird als eine wichtige Erziehung3aufgabe gekennzeichnet, und es iſt reizvoll, die vielen Anregungen zu verfolgen, die durch einen, die Neigungen der Jugend ebenſo wie die Förderun= gen der Naturkunde berücfichtigenden Unterricht gegeben werden. Die Anleitung zur Durchforſ<hung der Heimat geht auch von einem ſolchen aus. So finden ſich Verſuche zur Löſung von Aufgaben wie: „Die Flora der Mauern“, „Über den Naturgarten des Kgl. Schloſſes zu Brühl“ (aus dem Seminar daſelbſt), „Die Entwicklung der Kiefer“ (aus einem Realgymnaſium), auch weitergehende, wie typiſche Pflanzen de3 Hochmsoor3, der Heide, des Rieſengebirges uſw. Bemer- fensSwerte Bäume und Landſchaftsbilder ſind feſtgehalten und jind für Lichtbilder al8 JUuſtrationen zu Vorträgen gedacht. Ebenſo wie Holz-, Flechten-, Feder=-, Samenſammlungen einen doppelten Zwe erfüllen : ſie ſind Aufgabe und wer- den vollendet zum Lehr- und Anſchauungsmittel. Zum Beobachtungsunterricht gehören Zeichnungen nad) der Natur, Herbarien, auch Anwendung der Handfertig- keiten und des Modellierens zur Darſtellung 3. B. von Pflanzenteilen. Pappe und Papier kann zur Weranſc<hau- lichung der Gewerbelehre dienen; ganz beſonders eignet ſich natürlich Plaſtelina zur Wiedergabe von Naturobjekten, wie die ſj<öne Modellſammlung von Pilzen beweiſt, die von Lehrerhand in einem Lyzeum hergeſtellt worden iſt; auch alle die ſeinen Darſtellungen von Blütenteilen und Nach- bildungen von Körperteilen laſſen es erkennen, wie viele Möglichkeiten zur Selbſtbetätigung der naturkundliche Unter- richt bietet. Er wird. infolgedeſſen auch einen anderen Plat in dem geiſtigen Leben der Kinder einnehmen, wie es nach altem Syſtem der Fall war, und ein erhöhtes Natur- verſtändnis, vereint mit größerem Wiſſen, muß daraus her- vorgehen. | Die zweite Sonder-AusSſtellung trägt unſeren Zeit- gedanken Rechnung. Sie nennt ſich „Schule und Krieg“. Es iſt ſeltſam, wie wir das Außergewöhnliche, das zuerſt über all unſer Verſtehen ging, auch in die pädagogiſche Arbeit ſchon einbezogen haben. Daß e3 im Unterricht geſc<hah, ergab ſich mit Naturnotwendigkeit, daß aber der Krieg auch die Richtung pſyc<ologiſ<her und äſthetiſcher Unterſuchungen beſtimmen konnte, lehrt uns diefe Ausſtellung erkennen. Viele werden nicht ohne Bedenken die Ankündigung und Aufforderung zur Mitarbeit geleſen haben! So lo>end aud) die Aufgaben klangen, ſo ſehr ſie zur Sammeltätigkeit reiz- ten, es blieb do<M etwas Peinliches in dem Gedanken, daß man den Kindern ihre Stimmungen und Gefühle IJleichſam ablauſchen wollte, um ſie in feſter Form zu bekommen. Wa3 können Schüler und Schülerinnen unmittelbar für den Krieg leiſten? ſo hieß eine der Aufgaben. Wa3 wijjen jie vom Kriege, ſeiner Führung, der Art de38 Kampfes? Die zweite. Die nächſten Fragen: Wie kann man Schüler und Schülerinnen über den Krieg belehren und ihre. innere Teil- nahme weden ? Wie kann die Jugend für den ſpäteren Mi- 2 litärdienjt vorbereitet werden ? In dieſen Fragen, die noch ſpezialiſiert waren, iſt die Zielſezung der Ausſtellung an- gedeutet. Wir möchten die Einwirkung der großen Ereigniſſe auf die Jugend und womöglich ihren Niederſchlag kennen lernen, wir wollen jehen, wie fich die verſchiedenen Alter3- ſtufen, Knaben und Mädchen, dazu verhalten. Das ausgelegte Material iſt jo reichhaltig, daß man wochenlang zu tun hat, bis man die Mappen und Hefte dur<jehen und das Ergebnis ſeiner Studien ordnen kamm. So viel ſieht man aber auch ſchon beim flüchtigen Durch- wandern der Ausſtellung, daß jie von großem pſychologi- j<men und pädagogiſchen Intereſſe iſt. Die Auſtellung iſt jehr überſichtlich, flar und anregend und hat, troß der Fülle von Material, etwas wohltätig Ruhiges. Das kommt wohl daher, daß alle Zeichnungen, Niederſchriften, Kinder- aus]prüche und Beobachtungen an Kindern in ſ<önen großen Mappen oder in Büchern dargeboten werden. | Zeichnungen gibt es in Unmenge vom Kindergarten an bis zu den oberſten Klajſen der höheren Schulen. Wir lernen die phantajtiſchen, fühnen oder mehr ſymboliſchen Vorſtellungen vom Weltgeſchehen in den farbigen Gebilden der Kindergarten-Zöüglinge kennen, die mit größtem Eifer Aufgaben wie: „der Krieg zu Waſſer, zu Land, in der Luft“ zu löſen juchten, neben dem oft feinen, ſchon ganz perſön- lichen, zeichneriſchen Ausdru> der Herangewachſenen. Die farbigen Kriegszeichnungen aus den Oberklaſſen des Fichte- Gymnaſiums: Prediger im Freien, der Untergang des - Amphion und der Königin Luiſe zeigen nicht nur, an was für jſhwierige Aufgaben ſich die Knaben heranmachten, ſon- dern auch wie die im Geiſte geſchauten Bilder in ährer Seele leben und den Farbſtift zwingen, ihnen zu folgen. Die verſchiedenen Schulkategorien und Erziehungsanſtalten haben Ausſc<hneideblätter, Poſtkarten und Zeichnungen ge- liefert; eine entfeſſelte Broduftion3luſt tritt uns entgegen, ein genußjüchtiges Schwelgen in grellen roten und gelben Farben, die gebraucht werden, um Schiffsexploſionen, Bom- ben und verheerendes Feuer darzuſtellen. Daneben rührende Bilder: die Feldpoſt mit den Liebe8gaben, Sanitätsdienſt im Felde oder ein Wegweiſer mit der Aufſchrift „Weg nach Paris“ neben dem Sclac<htgetümmel, im glaube, von „Soijon“, wie von ungelenker Kinderhand dazu bemerkt wurde. Überhaupt die köſtlichen Erläuterungen! Man ſieht, wie der aufgerüttelte junge Geiſt arbeitet, zu verſtehen jucht und doch nicht erfaſſen kann, und, mir will jcheinen, daraus geht die Mahnung hervor, daß wir die erregte Saite nicht zu viel in Schwingung verſeßen dürfen, weder im häuslichen Leben, noh in dem der Schule. Auch in den Briefen und Aufjäßen der Kinder zeigt. es ſich, wie ſie verſuchen, mit den Ereigniſſen einigermaßen. ins reine zu kommen. Boſitive Kenntniſſe, wirtſchaftliche Erfahrungen, Mutmaßungen und Wünſche wechſeln mit der Beſchreibung harmloſer Kindervergnügungen ab. Ganze Kriegstagebücher ſind ausgelegt, ferner Gedichte von Kin- dern und ſolche, die von ihnen bevorzugt und abgeſchrieben wurden. Wir erfahren aus den Heften der Kinder von einer „Kriegszeichenwoche“, im Katalog iſt davon geſagt, daß da38 Thema: „Der Kampf im Tierreich“ hieß. Aus den ſtaatlichen Handfertigkeitskurſen iſt eine große plaſtiſche Darſtellung der Bodenverwertung Deutſchlands hervorgegangen, gedacht wohl al3 feſſelnde Auſgabe, die Lehrer mit Schülern zuſammen löſen können. Die Nach- bildung von Sc<hüßengräben, Kriegs8gelände, Brücken, Flö= ßen uſw. findet ſich natürlich am meiſten bei den Jugend- fompagnien, beſonders die der Siemen3-Schu>ert-Werke haben ſorgfältig ausgeführte Arbeiten ausgeſtellt. Daß es an Luftfahrzeugen aller Art nicht fehlt, läßt ſich denken. Ganz einfache, ſehr hübſch gemachte Waffen und Kriegsgeräte aus Aſt= und Brettholz zeigen, wie ſic das Kind einer tech- niſch hochentwielten Zeit mit dem Primitiven einzurichten verſteht und ſeine Erfindungsgabe walten läßt.