iwenwatig“ Bet. unſerem Rundgäng kommen wir in ein Schüler- leſezimmer mit Kriegsbüchern, Photographien und Bil- dern und in den Liebesgabenraum. Hier ſind die Hand- arbeiten ausgebreitet, die in verſchiedenen Anſtalten und Jugendvereinigungen für die Krieger im Felde gefertigt worden ſind, viele wollene Deen und Kleidungsſtücke. Daß ein biSchen viel mit ſchwarz-weiß-roten Verzierungen ge- jündigt worden iſt, wie an anderer Stelle mit der Anwendung des Eiſernen Kreuzes, läßt ſich denken! In einem inhalt- reichen Liebe8gabenpaket voll ſorgfältig gearbeiteter Dinge liegen muſterhaft geſtrickte grauc Strümpfe, = jie mußten unbedingt oben und unten ein zierliches Ihwarz-rot-weißes Müſterhen haben! Man jah, das tat dem Herzen der jungen Strickerin wohl! Merkwürdigerweije iſt neben Mar- melade und Wurſt auch Gebä> ausgeſtellt, Kuchen und der- gleichen ; es widerſtrebt einem doch, jezt Nährungs3mittel un- brauchbar werden zu ſehen! -- Die Organijation und das (Frgebnis der Liebe8gabenarbeit an Schulen ijt tabellarij dargeſtellt, auch die Lazarettfürſorge durch Schulen, die der Berliner Fröbelverein angeregt und organiſiert hat. --- Ein Baſtelraum zeigt die freie Spieltätigkeit der Kinder in Kindergärten, Horten und Schulen, ſowie die kleinen Gaben zur Freude der Mutter und des Vater3 im Felde oder La- zarett. =- Eine Menge von Schlachtenplänen und Photo- graphien verteilt ſich auf die Räume. Am Schluſſe der Wan- derung findet der Beſchauer einen ruhigen Aufenthalt in vem Leſezimmer, in dem Bücher, Broſchüren und Zeit- ſchriften ausliegen, die ſich auf den Krieg beziehen. Dieſer kleine Bericht gibt nur flüchtige Gindrüce, er fann noch feine Bewertung bringen, dafür iſt eine Durch- arbeitung des gebotenen Materials nötig. J< bejuchte die Ausſtellung ein zweites Mal, wieder nur ganz kurz. Da erlebte ich eine Überraſchung. Es war eine ganze Anzahl Kinder da. Jſt dieſe Ausſtellung der Kinder für Kinder ? (Es war mir feſter Glaube, Kinder dürften hier keinen Ein- laß befommen, wie ich auch gedacht hatte, jie dürften über den Zwed ihrer Zeichnungen und Auffäße nicht aufgeklärt werden. Sie ſollten unbefangen aus ſich heraus jchaffen, ohne den ſtörenden Gedanken an Wirkung und Wersffentlichung. -- Und nun waren da in der Ausſtellung die Kinder. Jh beobachtete ſie, = jie waren ganz vertieft, voller Eifer. Merkwürdigerweiſe laſen ſie die Aufſätze, ſtatt vor den ge- baſtelten Waffen oder den plaſtiſchen Darſtellungen zu ſtehen. Drei Knaben, anſcheinend Gemeindeſchüler, fielen mix beſonders auf, einer las halblaut vor = die andern hörten zu. Die Niederſchrift mußte ſie ſehr intereſjieren, ſie lachten, nicht kritiſch, jondern voll Wohlgefallen. Ich hörte das Wort „Petroleum“ einige Male und merkte mix das Heft. Lange mußte ich warten, =-- endlich bekam ich es: die „Potroleumnot“ hieß der Kinderaufjaß, der aus einer weſtdeutſchen Mädchenſchure ſtammte. Nun wußte ich, warum er die Knaben feſſelte, das war wirklich ein kleiner Ausſchnitt aus dem Leben, ſv etwa wie die Leſeſtücke der Jlſc Frapan. Friſch und unbefangen fing die kleine Erzählung etwa jo an: „Lauf doch ſchnell "mal zu Hartmanns, -- und jieh, ob es Petroleum gibt. J< nahm die Petroleumkanne und jprang die Treppe hinab.“ Dann folgt die anj<hauliche Schilderung des Ladeninhabers und ſeines Berhaltens3. „Alles Andere fannſt Du bei mich haben, nur kein Petro- ſeum. Du biſt die 22ſte. Kuck mal alle die Kannen.“ Die Kleine muß ihre Kanne neben die blaugeſprenkelte einer Nachbarin ſtellen und unverrichteter Sache abziehen. Da hört ſie den Petroleumwagen. Sehr lebendig wird uun erzählt, wie dex Anſturm auf den Laden erfolgt und jich das Geſchäft abwickelt. Man lieſt das kleine Erlebnis mit wirklichem Vergnügen. Manche Arbeiten enthalten wohl Abſichtlichkeiten und Künſteleien und ſind unter dem Dru der Schullehre entſtanden, aber ſolche freien Darſtellungen wie die obige zeigen die Luſt, mit der die Kinder ſchaffen, wenn ihr unmittelbares Intereſſe berührt wird. = Die Mädchen in einem Kriegshort baten wieder und ivieder Uhit jolche Aufgaben, ſie, die ſie nach der Schule doch ſonſt ſo ihre Freiheit genießen! Aufſtellungen über Lebensmittsl- preije vor dem Kriege und jezt finden ſich in den Schulheften der Kinder. Die Arbeiten bieten ein Gemiſch von geſteiger- ten Gefühlen, ungeſchi>t und knapp im Aus8druc, und All- tags8proja. Wir müjſen verſuchen, aus allen dieſen Zeichen herauszuleſen, wie den Kindern zumute iſt, und wie ſie auf ihre eigene Weiſe dieſe Zeit erleben. Daß aber Kinder in dieſe Kinderarbeiten blicken, hat etwas Beſremdendes. Vielleicht nehmen ſie die Sachen aber harmlojer, als wir Erwachſenen e3 denken, unbeſchwert von Pſychologie, aber erfüllt von kindlihem Intereſſe an der Produfiion der Alter3genoſſen und von kindlicher Kritik und nehmen allein die Anregung zu einer neuen Selbſttätigkeit nach Hauſe. Da uns Erziehern wohl die Erfahrung darüber fehlt, wie derartige Dinge auf Kinder wirken, wird e8 unſere Pflicht jein, nicht nur das ausgelegte Material gewiſſenhaft in Rüdjicht auf unſere Berufserfüllung zu prüfen, ſondern auch die Kinder aufmerkſam zu beachten, die ihren Weg in die Ausſtellung finden. Mancher unbefangene Kinderbrief an den Vater im Felde, mancher drollige Ausſpruch wäre wohl zurüdbehalten worden, hätte man geahnt, daß forſchende Kinderaugen darauf ruhen würden, und daß ſich die Urheber womöglich als „„Ausſteller“ fühlen könnten. Zwei Nichtdeutſche über Deutſchland. Bon Franzis3ka Ohneſorge. Fin allgemeinen, -- das wiſſen wir alle und empfinden es mehr oder weniger ſchmerzlich --, ſteht das Ausland uns fühl bis ans Herz hinan, wenn nicht feindlich gegenüber. Die Zahl unſerer Feinde auch in den neutralen Ländern iſt größer als die unſerer Freunde. Aber nicht zählen, ſon- dern wägen wollen wir die leßteren. Was einzelne be=- deutende Männer zu ſagen haben zu dem Rieſenkampfe, in dem unſer Volk jeßt ſteht, das wird weiterklingen und das Urteil der Nachwelt beſtimmen, wenn der Chor der leinen gehäſſigen Schreier längſt verſtummt und ver- geſſen iſt. Sven Hedin*) und Houſton Stewart Chamberlain 2) haben beide in deutſcher Sprache Bücher über den Krieg erſcheinen laſſen, die es verdienen, von jedem Deutſchen geleſen zu werden. Sven Hedin hat als Gaſt de8 Großen Hauptquartier3 eine Reiſe an die deutſche Front im Weſten gemacht und jhildert nun ſeine Eindrücke mit jener natürlichen Friſche, die aus ſeinen Reiſebeſchreibungen längſt bekannt iſt. Ge- führt hat ihn die leidenſchaftliche Anteilnahme an der deut- j<en Sache, die ihm die Sache der germaniſchen Kultur ijt, und der Wunſch, den über Deutſchland ausgeſchütteten Verleumdungen gegenüber, die er keinen Augenblick geglaubt hat, ein eigenes Urteil abgeben zu können, das man ans= nehmen müſſe, wo man vielleicht die Beteuerungen der Deutſchen als Befangenheit ablehnt. Das, was er im einzelnen an kriegeriſchen Bildern bieret, Lazarettweſen, Schüßengrabenleben, Kampfſzenen, Gefange- nen- und Verwundetenſ<ifal u. dgl. m., iſt uns aus Kriegs8- Ihilderungen und Feldpoſtbriefen längſt bekannt; aber mit Freuden laſſen wir uns von einem jo beredten Schilderer jolche Bilder no< einmal entrollen, und mit Stolz emp- finden wir die warme Teilnahme und Hochſchäßzung, die er deutſchem Wejen entgegenbringt, mag e3 ſi< ihm uun bei der großen Maſſe der ſchlichten Kämpfer oder bei den hervorragenden Führern offenbaren. Unzählig ſind die Be- 1) Sven Hedin: Ein Volk in Waffen. Leipzig, F. A. Brock- haus, 1915. 1 4. | 2) Houſton Stewart Chamberlain: Kriegsaufſäte, München T. Brudmann, 1915. 1 HF ? Den,