«lene merfungen, die ſeine Freude am deutſchen Soldaten und Jeinen Gläuben an den Sieg der deutſchen Waſſen wieder- geben. Unterwegs, bei der Reiſe durch Deutſchland, ſieht er Trupps von Freiwilligen. „Es ſind Germanen. Sie ſind nicht geboren, um von ſlawi- jMen oder lateiniſchen Völkern beſiegt zu werden. Ihre Väter : ſind von Tacitus beſungen worden und haben im Teutoburger Walde geſiegt. Nun ſind ſie würdige Nachkommen der alten Germanen... Hört das E<ho ihrer ſtahlfeſten Schritte in Wit- tenbergs Straßen! So hallt es ähnlich in allen deutſchen Städten, wo die Freiwilligen zu den Fahnen ſtrömen! EZ iſt eine Völkerwanderung, derengleichen die Welt noch nicht ge- ſehen hat!“ Draußen bei Dun ſteht er an einem Soldatengrabe, das von. der. deutj<en Beſagung des Ortes immer wieder mit friſchen Blumen geſchmücdt wird. „Und er war bloß einer unter Millionen! Dem Deutſchen ſcheint es die einfachſte Sache von der Welt, ſein Blut hinzugeben und zu ſterben. Nein, ein ſolche8 Volk kann nicht beſiegt werden !“ In Flandern trifft er mehr als vierzigjährige Land- jturmmänner, die fünf Tage im Eiſenbahnzuge gefahren ſind. und jeßt 45 Kilometer zur Gefechtsſtellung marjchieren, „vielleicht, um für38 Vaterland zu fallen. Deshalb ſingen ſie. Und doc< haben ſie Frau und Kinder daheim gelaſſen. Für - Freiheit und Glü> kämpfen und fallen ſie. Je mehr Kinder ſie dem Vaterlande geſchenkt haben, deſto mehr haben ſie zu verteidigen, und deſto wichtiger iſt es für ſie, daß Deutſchlands Freiheit und zukünftige Größe geſichert wird.“ Seine Schilderung deutſcher Lazaretteinrichtungen iſt eine lebhafte Verteidigung der Deutſchen gegen den Vorwurf des Barbarentums. Er hat ſich ſchon auf der Reiſe zur Front und dann auch draußen wieder davon überzeugt, daß den verwundeten Gefangenen genau dieſelbe treue Pflege zuteil wird wie den eigenen Soldaten. Und in dem Ka- pitel „Barbariſche Juſtiz“ weiß er zu berichten von einem Kriegsgericht über gefangene Bewohner von Drten, aus denen man auf Flieger und Truppen geſchoſſen hatte. Die Unterſuchungen dauerten tagelang, und das Ende vom Liede war, daß alle Gefangenen aus Mangel an Beweijen frei- gelaſjen wurden. Die wirklichen Täter waren wahrſcheinlich Ic<on geflüchtet. | „Man ſoll nicht meinen, daß die deutſchen Kriegsgerichte. jolche Fälle leichtſinnig und im Handumdrehen erledigen, als wenn ein Menſchenleben im eroberten Lande keinen Wert hätte. Nein, die Kriegs8gerichte dex „Barbaren“ ſind höchſt gewiſſenhaſt, inparteiiſm und human.“ Jn dem Kapitel „WVandalismu3“ ſchildert ex das Schi>- jal Namurs und zeigt dabei, wie die Belgier zum Zwecke der Verteidigung in ihrem eigenen Lande mindeſtens ebenſo viel zerſtört haben wie die Deutſchen beim Angriff. Sein Urteil lautet: . „Die Verwüſtung, die die Deutſchen bei ihrem Vordringen angerichtet haben, war teils unfreiwillig, teils durd< die Hal- tung der Zivilbevölkerung erzwungen; aber niemals erfolgte ſie aus Zerſtörungö8wut oder VandaliSmus.“ Das ſind Proben, die zeigen, wie Sven. Hedin ſeine im Vorwort ausgeſprochene Abſicht durchführt, die Werleums=- dung auszurotten und die Wahrheit zur Kenntnis der All- gemeinheit zu bringen. Mit beſonderem JIntereſſe lieſt man natürlich, was er von den deutjchen Führern zu fagen hat, von denen er vielen perſönlich nahegetreten iſt, da er nach einem beſtimmien, im Hauptquartiere feſtgelegten Plane eine Armee nach der anderen beſuchen konnte. Er iſt voll von Bewunderung der Ruhe, Sicherheit und Planmöäßigkeit, mit der an allen führenden Stellen gearbeitet wird. An der Tafel de8 Kronprinzen iſt er Gaſt, al8 eben Varennes genommen und zugleich die Kunde von Weddigens Tat eingetroffen iſt. Die Stimmung weicht von der gewöhn- lichen nicht ab. Es werden keine Reden gehalten, und es wird nicht Hurra gerufen. „Die unerſchütterlihe Ruhe der Deutſchen, beſonders der Oberbefehl3haber, gegenüber den Erfolgen hat mich oft in Erſtaunen und Bewunderung verſeßt. Sie nehmen die Erfolge als die natürlichſte Sache von der Welt, und wenn ein Erfolg Woche für Woche ausbleibt, ſo bewahren ſie dieſelbe Ruhe in dem Bewußtſein, daß er kommen wird und kommen muß!“ 4 ememdälts Zum Schluß mag ein etwas längerer Au3zug aus Sver Hedins8 warmherziger Schilderung des Kaiſers einen Ein- dru> von ſeiner Darſjtellungskunſt geben, die das Büchlein jo geeignet macht, auch mit Kindern geleſen zu werden. Es jollte in keiner Schulbibliothek fehlen. | „Runkt 1 Uhr wird die Tür des Veſtibüls geöffnet, und Kaiſer Wilhelm tritt mit feſten, ruhigen Schritten herein. Aller Augen richten ſich auf die mittelgroße, kraftvoll gebaute Ge» ſtalt. Es wird vollkommene Stille; man fühlt: eine große NRerſönlichkeit iſt ins Zimmer getreten. Der ganze, ſonſt ſo anſpruchsloſe Raum hat eine unerhörte Bedeutung erhalten. Hier iſt die Achſe, um die ſich die Weltereigniſſe drehen. Hier iſt das Beratungszimmer, von dem aus der Krieg geleitet wird. „Deutſchland ſoll zermalmt werden“, ſagen ſeine Feinde. „Magſt ruhig ſein“ ſagt das deutſche Heer zu ſeinem Vaterland. Und hier ſteht in unſerer Mitte ſein oberſter Kriegs3herr, ein Bild der Mannhaftigkeit, Entſchloſſenheit und offenen Ehrlichkeit. Ihn umkreiſen die Gedanken der Welt; er iſt Gegenſtand der Liebe, blinden Vertrauens, der Bewunderung, aber aud) der Jurcht, des Haſſes und der Verleumdung. Ihn, der den Frie- den liebt, umraſt der größte Krieg der Geſchichte, und um ſeinen Namen tobt der Kampf. Ein Mann, der in einem ſtammver- wandten Neiche einen ſo unſinnigen Haß und ſo ſc<ändliche Schmähungen hat erwecken können, muß in Wahrheit ein ſehr bedeutender Mann ſein... Aber es ſind auch ein paar Augen, die eine wunderbar magnetiſche Kraft haben und alle feſjeln, ſobald der Kaiſer hereintritt. Es iſt, als würde der Raum heller, wenn man den ruhigen blauen Augen des Kaiſers be- gegnet. Seine Augen ſind merkwürdig ausdrudsvoll. Ste er=- zählen vor allem von unerſchütterlicher Willenskraft und eiſex- ner Energie. Sie erzählen von Wehmut über die Blindheit derer, die nicht einſehen wollen, daß er nur das will, wa3 Gott gefällig und ſeinem Volke nüßlich iſt. Sie erzählen auch von ſprudelndem Wiß, von durchdringendem Verſtand, dem nichts Menſchliches fremd iſt, und von unwiderſtehlichem Humor. Sie erzählen von Ehrlichkeit, Wahrheitsliebe und einer Aufrichtig- keit, die niemal8 den Blick abirren läßt, der einem feſt und unerſchütterlich durch Mark und Bein dringt.“ Vielleicht erhalten wir bald aus Sven Hedins Feder aud) ein Bild unſeres größten jezt lebenden Heerführer8; denn befanntlich iſt er neuerdings zur Oſtfront gereiſt, um auch dort den deutjcen Krieg zu verfolgen. Ganz anders al3 Sven Hedin hat Chamberlain die Auf- gabe ergriffen, jeine Stellung zum Weltkriege und zum Deutſchtum darzulegen. Er gibt nicht Einzelbilder und Er- lebnisihilderungen, jondern philoſophiſche Betrachtungen. Das Ziel ſeiner Schrift aber iſt das Gleiche: eine Wer- teidigung der deutſchen Sache gegen alle gehäſſigen An- würfe ihrer Feinde, und wie Spen Hedin, ſo gelangt aud) Chamberlain dabei zu einem begeiſterten Lobpreis idealen Deutſ<htums, der jedem Deutſchen das Herz höher ſchlagen läßt. Wie er in dem erſten ſeiner Kriegsaufſäße Deutſchland gegen den Vorwurf in Schuß nimmt, den Krieg entzündet zu haben, iſt in dieſem Blatte bereits geſagt worden.*?) Mit dem zweiten Vorwurfe, daß Deutſchland die Freiheit unter- drüde und fein Sieg die Welt mit militärijcher Deſpotir bedrohe, ſeßt ſich Chamberlain in dem Aufjatze: Deutſche Freiheit auseinander. Hier legt er in wundervoller Weiſe flar, wie verſchieden die Begriffe von Freiheit bei den verſchiedenen Völkern ſind. Wenn er im Auslande als ſeine Überzeugung ausgeſprochen hat, daß Deutſchland allein ſeit Jahrhunderten die eigentliche und einzige Heimat men- ſhenwürdiger, menſchenerhebender Freiheit ſei, ſo erfuhr er ſtet3 die Widerlegung, der deutſche Reichsfanzler werde allein vom Kaiſer ernannt und könne auch gegen Reichs- tag3mehrheiten gehalten werden. Nur ein politiſcher .Be= griff iſt im Auslande der Begriff der Freiheit; ihr Weſen beſteht allein darin, Kanzler nach Belieben ſtürzen zu dürfen. Demgegenüber entwickelt Chamberlain nun den wahren Be- griff der Freiheit, wie er von Luther, Kant, Goethe und andern großen Deutſchen geſchaffen worden iſt, jener Frei- heit, die errungen werden muß durc< methodiſche Empor- hebung des Geiſtes über das anfänglich Gegebne, durch. be- wußte Voranſtellung des Ganzen, bewugtes Sichfügen in die notwendige Ordnung zum Wohle des Ganzen, innere, ſittliche Freiheit, die nict Willkür, ſondern Wahrhaftigkeit iſt. 3) Vgl. Nr. 26, den Artikel: Zeitdokumente,