Mitihnen 8 entwinls „Im Laufe jahrhundertelanger Kämpfe =-. mit Waſſen und im Geiſte -- hat ſich Deutſ<land nac< und nach dieſes koſtbarſte Gut der Freiheit errungen. Dieſe deutſche Freiheit iſt ein dur» aus originales Erzeugni38; nichts Ähnliches hat bisher die Menſchheit gekannt.“ Herb und ſc<arf klingt demgegenüber jein Urteil über die Freiheit, die der deutſ<hfeindlihe Dreiverband bringen könnte. „Welche Freiheit Rußland zu verſchenien hat, darüber zu reden iſt unnötig; welche Freiheit das arme, verratene und ver- lotterte Jrankreich uns verheißen könnte, das Land der poli- tiſchen Korruption, der hohlen Phraſen, das bedarf ebenjowenig Auzeinanderlegungen; England aber verſteht unter Freiheit nur Fauſtrecht, und zwar Fauſtrecht für jich allein.“ Und ſo kommt Chamberlain denn zu dem Schlujje, daß das Weiterfortbeſtehen und die Weiterentwicklung der Frei- heit auf Erden an den Sieg der deutſchen Waffen gefnüpft iſt und daran, daß Deutſchland ſich nac< dem Siege treu bleibt, =- und die Bedingung dafür, daß deutſche Freiheit all- mählich in der Welt weiterdringen und auch andre Völker, „ſoweit es ihnen von der Natur gegönnt ſein mag,“ zum » Verſtändnis wahrer Freiheit erziehen könne, iſt ihm ein weiterer Sieg des Deutſchtums, der Sieg der deutſchen Sprache. Wie unſer deutſcheſter Dichter Schiller vor 100 Jahren, ſo verkündet es heute der geborne Engländer Cham- berlain als ſeine Überzeugung, daß die deutſche Sprache dereinſt die Welt beherrſchen muß; als die einzig lebendige unter den Sprachen der modernen Kulturvölfer =- bei den Darlegungen hierüber knüpft Chamberlain an die vierte von Fichtes Reden an die deutſche Nation an bietet allein ſie die Möglichkeit, das Geiſteöleben der Menjc<heit weiterzuentwikeln. „Die deutſche Sprache lebt, und weil jie lebt, iſt ſie geeignet, einem Göttlichen zum Gefäß zu dienen.“ -- So ungefähr das Gegenteil von dem, was die Deutſchen bi3her im Auslande getan haben, fordert Chams- berlain für die Zukunft von ihnen. Es darf niemals ein Deutſcher von ſeiner Sprache laſſen, weder er noh jeine Kindeskinder, und an jedem Orte, zu jeder Zeit foll er ein- gedenf ſein, ſie andern aufzunötigen, bis fie allerorten ebenjo triumphiert wie mit ſeinen Waffen das deutſche Volksheer; vas liegt nicht nur im Intereſſe des Deutichen, es iſt jeine Pflicht gegen die Menj<hheit. deutſchen Sprache ſind die Höchſtbegabten aller andern Rajjen von der Kultur ausgeſchloſſen. Aber nicht nur geiſtig, auch politiſQ ſoll Deutjchland nach dem Kriege die führende Rolle | Deutſchland als führender Weltſtaat beſchäftigt ji mit den Möglichkeiten hierzu und gibt dabei einem weitverbreiteten Gefühle in der Sorge Ausdruck, ob der wunderbare Aufs= ſchwung der Kriegszeit auch vorhalten werde für die jpu- teren Aufgaben der inneren und äußeren Politik. Drei Be- dingungen, Deutſchland die Führung zu ſichern, jind nad) Chamberlain vorhanden: wurzelfeſte Tüchtigkeit des Volkes als Ganzes, hohe Begabung einzelner, methodiſche Durch- bildung vieler. Dazu, daß ſie auch im Frieden jo zu- ſammenwirfen wie jezt im Kriege, jollen neue Formen politiſchen Lebens geſchaffen werden, die aus deutſcher Art hervorwadſen, unabhängig von allen franzöſiſchen und eng- liſchen Vorbildern, die nach Chamberlains Meinung jowohl die Leiſtungen des deutſchen Reichstages wie die der deut= ſchen Diplomatie bisher aufs ſchwerſte beeinträchtigt haben. Die herben Urteile, die Chamberlain hierbei ſowohl über den Reichstag wie über die Diplomatie fällt, wird man faum weder von rechts noc< von links unbedingt unter= ſchreiben ; er ſieht nur die Schattenjeiten des deutſchen pol1i- tiſchen Lebens, ſehr im Unterſchiede von der früher be- ſprohenen Schrift des Schweizers Mühleſtein *), der eben- fall3 Deutſchland die Führung in der Zukunft zuſpricht, dabei aber ſchon aus der bisherigen inneren und äußeren Politik Deutſchland38 die Richtlinien herausfindet, die auf ſeine Weltſendung als Ethiker der Politik hinweiſen. -- 4) Vgl. Nr. 39, den Artikel: Zukunftshoffnungen. Denn ohne Kenntini8 der. pielen. Der Aufſaß:- Jedenfalls aber ſpricht aus Chamberlains3 Auffaſſung, daß alle Nachahmung fremder politiſcher Einrichtungen und Be- tätigungen der eigentlichen Entfaltung deutſchen Weſens und deutſcher Kraft nur hindernd im Wege ſtehen kann, jein ganzer unbedingter Glaube an den einzigartigen Wert des Deutſchtums. „Was wir deutſch nennen, iſt das Geheimnis, wodurch es in dem Menſchen Licht wird,“ heißt es an einer früheren Stelle bei ihm. Die beiden lezten Aufſäße ſtellen England und Deutſchland einander gegenüber. Es läßt ſich keine leidenſ<haftlichere An- klage gegen die engliſche Politik und zugleich gegen die neuere Entwicklung des engliſchen VolksHarakters denken, als hier der geborne Engländer in dem Kapitel England ſie gibt, und zugleich kein lebhafteres Eintreten für die völlige Einheit des geiſtigen, politiſchen und militäriſchen Deutſchlands, als in dem Kapitel Deutſchland enthalten iſt. Luther, Siller und Friedrich der Große ſind alle gleich e<te Söhne des- ſelben deutſchen Volkes, die auf keinem andern Boden jich hätten entfalten können. Das Kapitel geht aus von Der Frage, die heute viele Deutjche bekümmert, warum. die Deutſchen ſo gehaßt werden ; Chamberlain ſtellt dieſer Frage gegenüber die Gegenfrage, warum die Deutſchen jo geliebt werden, und fommt von der Beantwortung dieſer Frage zu der Verſicherung, daß der Haß, der ihnen jezt allerorten entgegentritt, hervorwächſt teils aus Unkenntnis deutſchen Weſen3, teils aus Neid über ſeine Erfolge; die Deutſchen ſollen ſich darum nicht grämen; jie jollen 10 Jahre lang feine Zeile leſen von dem, was im Auslande über jie ge- ſchrieben wird, und ſollen inzwijchen an jich jelber arbeiten, alles Ausländiſche abzutun und immer mehr nur deutich zu werden; dann wird deutſches Weſen ſich auch in der ganzen Welt durchſeßen. „„Wir heutigen werden jie nicht mehr erleben, dieſe große Umwandlung aus Haß in Liebe, doch der Tag wird kommen; ich Ausländer verkündige ihn aus den Tiefen einer allſeitig wohlbegründeten, unerſc<hütter- lichen überzeugung.“ Soziale Rundſchau. Ausſchuß für ſoziale Hilfsarbeit im Landesverein Preußiſ<er Volksſchullehrerinnen. Kriegsfürſorge. Zweimäßigere Fürſorge für die Hinterbliebenen der Kriegsteil- nehmer forderte Profeſſor Klumken auf der Zentralaus]<ußſizung des Deutſchen Vereins für Armenpflege und Wohltätigkeit. Die Zürſorge für die Hinterbliebenen darf ſic nicht länger, wie biS- her, auf die Gewährung von Renten und ſonſtigen Geldunter- ſtüßungen beſchränfen, es müſſe vielmehr, wenn unſer Volt jich der Hinterbliebenen unſerer tapferen Krieger ſo annehmen wolle, wie e3 ſeinen Verpflichtungen entſpreche, mit der ma- teriellen Hilfe eine weitgehende ſoziale pflegeriſche Fürſorge verbunden werden. Die veraltete und gänzlich) un- zulängliche Anſchauung, daß die Hinterbliebenenfürſorge nur eine Frage der Rentenverſorgung ſei, müſſe völlig beſeitigt werden. Den Familien müſſe, ſo weit wie möglich, das erſeßt werden, was ihnen vor allem fehle; das ſei aber nicht in erſter Linie da3 Geld, ſondern die biSherige Leitung und Führung dur< das Familienhaupt. In der Ausſprache wurde faſt übereinſtimmend anerkannt, daß es eine bedeutung3volle Aufgabe gerade des Vereins für Armenpflege und Wohltätigkeit ſei, alle Beſtrebungen bezüglich der Fürſorge für die Hinterbliebenen in dieſer Richtung zu be einfluſſen und die an ihr beteiligten Organiſationen zu dbe- raten, vor allem aber dafür zu ſorgen, daß in alle dieſe Be- ſtrebungen ein einheitlicher Geiſt einziehe und jegliche Zer ſplitterung vermieden werde. Cin zur weiteren Erörterung und Klärung der Frage eingeſeßter Ausſchuß faßte den Ber ſchluß, eine Tagung im März 1915 vorzubereiten, auf der unter Teilnahme der Regierung vor all den zahlreichen, an dieſer Frage intereſſierten Organiſationen -- den gewerkſchaftlichen