a... 1. Übernahme von Privatmuſikunterricht dur< vollbeſ<häftigte Lehrer und Lehrerinnen. Infolge des Krieges hat die Erwerbstätigkeit der Privat- muſiflehrer und -lehrerinnen eine ſtarke Einbuße ex- litten, ſo daß viele von ihnen in eine wirtſchaftliche Notlage geraten ſind. Es erſcheint daher erwünſcht, daß vollbejſchäf- tigte Lehrer und Lehrerinnen an Schulen in jolc<hen Orten, in denen berufsmäßig ausgebildete Privatmujiklehrer und -leh- rerinnen in ausreichendem Maße vorhanden jind, gegenüber Angeboten von Privatmuſikunterri<t für die Dauer des Krieges möglichſt Zurückhaltung üben und die Übernahme jedenfalls da ablehnen, wo dadurc<h die Erwerbstätigkeit Ar=- beitöloſer geſchädigt werden würde. (Erlaß des preußiſchen Kultusminiſters.) Aus den Vereinen. Allgemeiner Deutſcher Lehrerinnenverein. Geſchäftsſtelle: Berlin W 62, Bayreuther Straße 38, Grth. Wir beſtätigen hierdur< mit herzlichem Dank, daß uns zur Kriegsfürſorge für Kolleginnen weiterhin folgende Gelder Über- geben wurden: Transport von Nr. 52 der „Lehrerin“ 5787 A& - . Vom Vorſtand des Berliner Lehrervereins aus dem Ertrage der in der Berliner Lehrer- ſchaft veranſtalteten Sammlung für Kriegs- hilfe . 3000 , Vom Lande3verein Preußiſcher Techniſcher Lehrerinnen für Kriegshilfe in Oſtpreußen 200 „ Summe: 8987 X& Der Vorſtand des A. D. L.-V. I. A.: Helene Lange, Eliſabeth Sc<neider, Vorſißende. Kaſſiererin. Bericht der Königsberger Beratungsſtelle für durch den Krieg geſchädigte Lehrerinnen. Al3 auf Anregung und opferwillige Hilfsbereitſchaft des Lande3vereins Preußiſcher Volksſ<ullehrerinnen die CGin- richtung einer Beratungsſtelle für oſtpreußiſc<he Lehrerinnen beſchloſſene Sache war, wurde zunächſt die Königliche Regie- rung gebeten, in den amtlichen Schulblättern der Provinz Oſt- preußen auf dieſe Stelle hinzuweiſen, was auch in dankens- werter Weiſe geſchehen iſt. Außerdem erfolgte eine Bekannt- machung in der „Lehrerin“ und in den Königsberger Tages- zeitungen. Seit dem 24. Oktober 1914 ſind bis jezt 15 Meldungen von Lehrerinnen eingegangen, die infolge des Krieges BVer- luſte erlitten haben. Unter den Bittſtellerinnen jind 8 Volk3- ſc<hullehrerinnen, 3 Erzieherinnen, 2 Privat- und 2 techniſche Lehrerinnen. Die Anfragen bzw. Unterſtüßungsgeſuche ſind an die Beratungsſtelle gerichtet worden aus Stallupönen, Tilſit, Borzymmen, Kr. Ly>, Goldap, Bialla, Allenſtein, JInſter- burg, Wenſöwen bei Arys, Gr. Purden, Kr. Allenſtein, Gum- binnen, Widminnen, Kr. Löten, Darkehmen. Dieje Namen zeigen klar, daß es ſich um das oſtpreußiſche Grenzgebiet handelt, welches durc< die Ruſſen am meiſten gelitten hat. Perſönlich gemeldet haben ſich, weil ſie in König5berg weiten, acht Lehrerinnen, die übrigen halten jich auf in Inſterburg, Marienburg, Brauns3berg, Schwani8 bei Ludwigs3ort, Kr. Königs3berg, und eine in Berlin. Die vertriebenen Volksſchullehrerinunen haben auch wäh- rend des Krieges keinen Ausfall an ihrem Gehalt erlitten, nur ' is men wean hat die Auszahlung in Gumbinnen und Allenſtein manchmal eine Verzögerung erfahren, weil der Siß der Regierungen ge- fährdet war und nach anderen Orten verlegt werden mußte. Die Frageſtellerinnen wurden an die betreffenden Stellen oder an die Regierung in Königsberg gewieien, wo ſie jeder- zeit erhalten haben, was ihnen zuſteht. Verluſte aber haben die Volksſchullehrerinnen an Möbeln, Betten, Kleidern, Wäſche uſw. erlitten. Die meiſten ſind geflohen in der Mei- nung, ſie könnten nach kurzer Zeit wieder zurück, und haben jich dann überzeugen müjſen, daß ihre daheimgebliebenen Sachen entweder geraubt oder unbrauchbar gemacht worden waren. Namentlich fehlte es denen, welche nach den Sommer- ferien nicht mehr in ihr Heim zurückfehren konnten, an warmen Kleidern für den Winter. In dieſen Fällen hat die Unterſtüßungsfkaſje mit ihren Mitteln manche Not lindern können. Jm übrigen konnten die Kolleginnen damit getröſtet werden, daß die Regierung den Geſchädigten vollen Schaden- erjaß nach dem Kriege zugejagt habe. Am 1<werſten leiden die Privatlehrerinnen und Erzieherin- nen, welche durch den Krieg ihre Stellen verloren haben und nun ohne Exiſtenzmittel daſtehen. Eine Schulvor- ſteheren aus G. hatte ihre BVrivatſchule ſchließen müſſen und bat für zwei ihrer Lehrerinnen um Beſchäftigung. Eine derſelben hat durch die Stellenvermittlung des Königs8- berger Lehrerinnen-Bereins eine Stelle erhalten, die andere wurde an den Herrn Stadtj<ulrat Stettiner gewieſen, der ſich ſtet3 ſehr wohlwollend der Flüchtlinge angenommen und jie jo weit wie irgend möglich beſchäftigt hat. In danken3werter Weiſe ſtre>en ſich viele Hände aus, die den oſtpreußiſchen Lehrerinnen helfen wollen. So mel- dete freundlichſt Frl. Korte (Bochum), daß ſie bereit ſei, Ver- tretungsſtellen zu juchen. Auch wurde der Beratungsſtelle mitgeteilt, daß Wickede-UAſſeln, Kr. Dortmund, ſich um Ar- beitSgelegenheit bemühe. Ferner erhielten wir Nachricht da- von, daß das Wilhelmsſtift in Pot8dam eine Wertreterin juche, was den Stellen ſuchenden Lehrerinnen mitgeteilt worden iſt. EGine Lehrersfrau auf dem Lande im Kreiſe Königsberg erbot jich freundlichſt, geflüchtete Lehrerinnen bei jich aufzunehmen, furz, es zeigt jich auch hier eine groß- artige Hilfsbereitichaft, für die wir nicht dankbar genug ſein können. An Geldunterſtüßungen ſind durch unſere Beratungsſtelle biSher gezahlt worden in 5 Fällen je 50 & = 250 X „- wm ut WD„= (0, „1 Fall 30 „ 1 20 t! It et alſo die „Summe von 370 X Die techniſchen Lehrerinnen, welche ſich Hilfe ſuchend an die Beratungsſtelle wandten, ſind an den hieſigen Verein Tech- niſcher Lehrerinnen gewieſen worden, der ſich auch freund- lich helfend der Kolleginnen angenommen hat. | Daß die vielſeitigen Bemühungen, den oſtpreußiſchen Stande3genoſſinnen zu helfen, nicht vergeben3 geweſen ſind, beweijen die Dankj<reiben derer, die Rat und Hilfe gefunden haben, und wenn die Fälle, die zu erledigen waren, auch nicht zahlreich jind, jo erjc<eint e8 doch ratfam, die Bera- tungsſtelle vorläufig noh beſtehen zu lajſen. Emma Rehs3. Aufruf. (Melodie: Wohlauf, Kameraden.) Laut klingt ein Kriegsruf vom Feinde her: „Nicht retten euch Streiter, die braven, Nicht jhüßt euch die blanke Torpedowehr ; Wir loſſen kein Schiff in den Hafen ! In Deutſchland ſchleicht der Hunger ein,. Und Deutſchland, es wird bezwungen. ſein!“