Die Väter ſc<hau'n kühn der Not in8 Geſicht, Erwägen bedacht die Gefahren : „Einen Hungerfrieden ſchließen wir nicht, Da mög' uns der Herrgott bewahren ! In Treu' hält Grenz= und Seewehr ſtand, Auch wir, wir kämpfen fürs Vaterland.“ Es ſchwören in bitterer Kriegesnot Fürſorgende Mütter und Frauen: „Wir wahren, wir ſparen das heilige Brot, Alldeutjchland kann uns vertrauen! Wie wär'n wir ſonſt am heim'ſchen Herd Der draußen blutenden Kämpfer wert?“ Jungfröhliche Schar, die zu helfen begehrt, Ihr deutſchen Mädchen und Knaben, Friſch auf jezt zum Kampf! =- Nicht ſtahlhartes Schwert, Doch ſtahlharten Sinn müßt Ihr haben ! Spart mit das Brot, die edle Wehr, Eßt dankbar, was not, doch niemals mehr.“ „Wir ſparen!“ = Sie rufen's von Haus zu Haus, „Wir ſparen !“ geloben Millionen. „Viel Wenige machen ein Vieles aus! Und Gott wird das Ringen belohnen. In Huld ſchau Er vom Himmel drein: Er wol?“ uns Sieg und Frieden verleih'n!“ Da3 obige Lied wird von einer Kollegin geſandt mit der Bemerkung: Zum Singen in Schulen, Vereinen ujw. können Exemplare des Aufrufs in beliebiger Anzahl koſtenlos be- zogen werden durch Frl. Helene Binder, Eiſenach, Garten- ſtraße 11. Kriegshilfe. Aufrufe. Deutſche Frauen übernehmt Vormundſchaften! Vom Verband für weibliche Vormundſchaft ergeht der Aufruf: „Der Verband für weibliche Vormundſchaft hat es ſich zur Aufgabe geſtellt, den notleidenden Müttern und Kindern Groß- Berlins mit Rat und Tat beizuſtehen. Jhm werden von den Amtsgerichten gerade die Fälle anvertraut, die einer beſonders liebevollen und eingehenden Behandlung durc< eine Frau be- dürfen, und ſeine Wirkſamkeit iſt wiederholt von maßgebenden Seiten lobend anerfannt worden. Aber gerade jezt in der Kriegszeit, in der beſonders große Anforderungen an den BVer- band geſtellt werden, mußte er wiederholt Geſuche um Über- nahme von Vormundſchaften ablehnen, weil ſich nicht genügend Jrauen fanden, die bereit ſind, dieſen wichtigen Dienſt im Jn- tereſſe des Vaterlandes zu übernehmen. Und doch ſollten ſich die deutſchen Frauen bewußt ſein, daß nach den furchtbaren Opfern, die dieſer Krieg gefordert hat und no< fordern wird, die geſunde Fortentwicklung unſeres Vaterlandes mehr denn je auf. dem gedeihlichen Heranwachſen der fünftigen Generation beruht. E3 wäre beſchämend, wenn der Ruf nach weiblichen Vormündern von ſeiten der Behörden ungehört verhallte, wenn ſich gerade jekt in dem großen Berlin nicht genug Frauen finden würden, deren mütterliches Empfinden ſie dazu treibt, ſic verlaſſener Kinder und ihrer alleinſtehenden Mütter an- zunehmen. Im Büro des Verbandes für weibliche Vormundſc<aft (S<el- lingſtraße 6, Hof U in Sprechſtunden: Montag und Donnerstag von 1/5,5 bis 1/,7 Uhr, Dienstag, Mittwoch, Freitag und Sonn-- abend von 12--1 Uhr) finden die weiblichen Vormünder die nötige Auskunft; alle ſchriftlihen und juriſtiſchen Angelegen- heiten werden dort für fie durc< ſachfundige Frauen erledigt. Wir bitten darum unſere Mitglieder, ſo weit es ihnen möglich iſt, neue Vormundſchaften zu übernehmen und durc<h Verteilung dieſes Aufrufes neue Mitglieder zu werben. Durch dieſe Art der „Kriegsfürſorge“ leiſten ſie dem Vaterlande einen un- ſchäßbaren Dienſt; ſie ſelbſt aber werden in dieſer Arbeit Glücd und Befriedigung finden.“ - 44 Ferienkinder im Kriegsjahr 1915, Die deutſche Zentrale für Jugendfürſorge richtet an alle, die es angeht, folgende Aufforderung: „Seit Monaten wütet der Völkerkrieg, deſſen Ende noch nicht ab- zuſehen iſt. Unſere beſten Männerkräfte werden dahingerafft. Uns, den Daheimgebliebenen, erwächſt nun die ernſte Pflicht, für unſere Jugend jezt mehr als je zu ſorgen, damit ein tüchtiges und ſtarkes Geſchlecht heranwächſt. In dieſer Zeit hat manche3 Kind be- ſonders ſchwer leiden müſſen und nicht einmal die nötigſte Pflege ge- habt, de8halb müſſen wir verſuchen, gerade im Kriegs8jahr 1915 möglichſt viele Kinder aufs Land zu bringen, damit ſie in geſunder Luft und guter Pflege friſch und widerſtandsfähig werden. Jedes kindliche Leben iſt ein wertvolles Gut für unſer Land, jedes Kind, das verkümmert, iſt eine unerſeßliche Einbuße an Volkskraft. An alle Familien, die auf dem Lande oder in der Nähe von waldigen Gegenden leben, richten wir daher die dringende und herzliche Bitte und möchten dieſer Bitte eine große Stoßkraft wünſchen : Nehmt in euer Haus ein Großſtadtkind auf und laßt das fümmerliche und der Sonne entwöhnte kleine Menſchenkind bei eu) aufblühen. Lehrt ſie die Blumen, den Wald und die Wieſen kennen und lieben, ihr ſchafft hierdurch in dieſen Kindern vielleicht Kräfte und Werte, die weit über die kurze Ferienzeit hinaus Segen zu ſtiften vermögen, Wenn die Augen glänzen und Backen ſich runden, werdet ihr euch überreich belohnt fühlen, und die kleinen Opfer und Sorgen, die ihr gebracht habt, werden euch klein erſcheinen. Meldungen zur Aufnahme unſerer erholungsbedürftigen Kinder ſind zu richten an die Deutſc<e Zentrale für Jugendfürſorge „Ferienkinder“ Berlin N 24, Monbijouplat 311.“ | Kriegsgeographie.*) Engliſche Geographie. England hat China mit Schulatlanten überſchwemmt -- und ſeinem Beiſpiele iſt auch Amerika gefolgt -- auf denen Deutſchland neben dem mit Städten überſäten England nur mit Heidelberg und noch einer kleinen Stadt vertreten iſt. Eines ähnlichen Verfahrens befleißigt ſich England in Indien ſchon lange. Aber man begnügt ſich nicht, Deutſchland als ein faſt unbewohnte3 Land darzuſtellen, mitunter läßt man es ſamt ſeinem Bundes8genoſſen Oſterreich ganz verſchwinden. In einem bereit8 in mehreren Auf=- lagen erſchienenen Lehrhuche des kantoneſiſchen Dialekt5 heißt es (in engliſcher Sprache) wörtlich: „England gehört zu Europa, wie Frank- reich, Spanien, Portugal, Italien, Holland, Rußland und die Türkei, alle dieſe liegen in Europa.“ England in der Nordſee. Ein eigentümliches Licht auf die eng- liſche Vetternpolitik werfen die Tatſachen über die Verteilung der eng- lij<en Flottenmacht über Mittelmeer und Nordſee in den letzten zehn Jahren (in t): Mittelmeer Nordſee | Mittelmeer Nordſee 1904 202 000 -- | 1912 126 000 481 000 1907 135 000 166 000 1914 50 000 500 000 1909 123 000 427000 Seeverkehr der wichtigſten Welthäfen. Er dürfte von Intereſſe ſein, gerade in der Gegenwart den Seeverkehr der bedeutendſten Welt- häfen zu vergleichen. Die Zahlen ſind dem Statiſtiſchen Jahrbuch für das Deutſche Reich 1914 entnommen. Die Zuſjammenſtellungen beziehen ſich auf das Jahr 1912 und umfaſſen die Geſamtzahlen des Ausland verkehrs, alſo Ein- und Ausfuhr. Es folgen aufeinander: 1. Neuyork 28835000 Regiſtertonnen netto, 2. Antwerpen 27479000, 3. Hamburg 24942000, 4. London 24050000. Im Jahre 1900 folgten ſich die Welthäfen in einer anderen Reihe. 1. Neu - york mit rund 16,8 Mill. t, 2. London mit 16,7 Mill. t, 3. Ham- burg mit 14,7 Mill. t, 4. Antwerpen mit 13,4 Mill. t. So hat ſich alfo Antwerpen, das hauptſächlich den Durc<gangshandel für das deutſche Rheingebiet und die Schweiz vermittelt, auf Koſten unſerer Nordſeehäfen von der vierten auf die zweite Stelle geſchwungen. Aber auch London hat unter dem Aufblühen Antwerpens zu leiden gehabt, iſt e8 doc<h von der- zweiten auf die vierte Stelle geſunken. 1) Aus: Geogr. Tnzeiger, Beitr. d. Verb. deutſcher Sdhulgeogr. März 1915.