entnenEn hat es leicht in dieſer Zeit, weil ſie den Kindern zwei Dinge auf einmal gezeigt hat, die in dieſer Verbindung durch kein denfbare3 Greignis in gleicher Eindringlichfeit gezeigt wer- den konnten, nämlich die Bedeutung des überlegenen Führers und die Bedeutung des pflichtbewußten Einzelnen in der Majſe. Auf dieſe beiden großen Beiſpiele kann die ganze per- jönliche ſittliche Erziehung eingeſtellt werden, und ſie wird flarer und kräftiger ſein als in der Zeit der Verhätſchelung individualiſtiſcher Eitelkeit. I< glaube, daß man auch in einer anderen Hinſicht mit Ichwächlichen Befürchtungen aufräumen kann, die unſer gan- zes und beſonder3 das Meädchenſchulweſen durchdrungen haben, nämlich mit der Furcht vor der „Jntellektuali- ſierung“. Was hat man alles argumentiert darüber, daß dieſe ſtarke JIntellektualijierung den Willen lähme und die körperliche Widerſtandskraft einſchränke, daß fie eine Schwä- <4hung der Kräfte und der LebenSenergie ſei. Jc< glaube, daß das, was gerade von unſerer gebildeten Jugend im Kriege draußen geleiſtet worden iſt, alle dieſe Befürchtungen als vollfommen gegenſtandslo8 erwieſen hat. Wir brauchen uns nicht mehr ſo zu fürchten vor dem Gehirnmenichen, wie es in den lezten Jahrzehnten Mode geworden. Und wir wollen uns auch vor dem weiblichen Gehirnmenſjchen nicht mehr fürchten. Denn wir haben es alle erlebt, daß die Kräfte der Hilfsbereitſchaft, die aus dem Herzen kommen -- die Kräfte, die immer die produktivſten und ſtärkſten jein werden bei Männern und Frauen --, daß dieſe Kräfte vielfach gehemmt und verzettelt werden dadurch, daß ihnen eben die Fähig- keit geiſtiger Diſziplin und organiſierter Verwertung nicht zur Seite ging. Wir haben erlebt, wie ſtark unjere ganze Bolksleiſtung darauf geſtellt iſt, daß der einzelne -- ob er an führender Stelle ſteht oder nur mitarbeitet -- ſich auf das Weſen der Organiſation verſteht. Und dieſe Fähigkeit der Organiſation iſt nun einmal doch da38 Ergebnis der Jn- telleftualiſierung des modernen Menſchen. Man wird nach dieſem Krieg alle die Befürchtungen kaum wieder auſſtehen ſehen, die in aller intellektuellen Verfeinerung eine Lähmung des Lebenswillens jehen wollten. Das große Beiſpiel von Führung und geordneter Maſſen- leiſtung, das der Krieg gibt, wird auch die Durchführung und Ausbildung der kleinen Anjäße zur Selbſtverwaltung erleichtern, die wir in unſeren Schulſyſtemen haben. Die Kinder ſind durch den ſtarken allgemeinen Willen3aufſchwung dieſer Zeit erfüllt von dem Wunſch nac Werantwortung und Selbſttätigkeit und andrerſeits mit dem Willen zum Mittun, zum Sicheinfügen, damit etwas Gemeinjames3 zu- ſtande kommt. Hier kann die weitere Durchführung der Selbſtverwaltung anknüpfen. Ich kann alle dieſe Dinge in dem Rahmen, der hier gegeben iſt, natürlich nur thematiſch berühren. daher auch nur andeuten, welche Folgerungen jich aus dem Krieg ergeben für unſere Lehrpläne und ihre Stoffauswahl. Wir müſſen nach dem Krieg (oder ſchon jetzt!) eine Reviſion unſerer Lehrpläne vornehmen, die noch viel mutiger, als man biSher mit Überlieferungen zu brechen wagte, alles unter den Geſicht3punkt der Frage ſtellen, welche Beziehung der Unter- richtsſtoff zu dem praktiſchen Leben haben wird, in das das Kind hinausgehen wird. Der Krieg hat den Schulen die Frei- heit gegeben, ihren Unterricht in anderer Weiſe als jonſt, den Rahmen der Stunden und Fächer durchbrechend, in Bez ziehung mit dem Leben des Tages zu bringen. Dieſe Frei- heit muß im Frieden erhalten bleiben. Denn ſie war nicht nur Zugeſtändnis der außerordentlichen Zeiten und CEreig- niſſe, jondern ſie ergab ſich aus einem ganz allgemeinen und immer vorhandenen Bedürfnis heraus, das nur der Krieg in eindringlicher und zwingender Form enthüllt hat. Die Auwahl der Stoffe nach der tatjächlichen Leben3- beziehung, die fie zum Kinde haben können, wird wahr- ſcheinlich no< ſehr vieles aus unjeren Plänen ausmer- zen, wa3 ſich jeßt noch darin aufhält, und wird vieles hineinbringen müſſen, wovon heute nur in verſtreuten An- Thematiich kann ich 91 zeugen ſägen die Rede iſt. Jh möchte drei kurze Programmworte für dieſe Repiſion der Lehrpläne angeben. Da3 erſte Wort heißt: „das größere Deutſchland.“ In der großen Maſſe unſere38 Volke3, ja auch der Gebildeten, waren die Tatſachen noh nicht lebendig, die zum vollen Ver- ſtändnis de3 Jneinandergreifens der auswärtigen JInterejſen beſähigt hätten. EC3 wird ja jene Berliner Portierfrau nicht typiſch ſein, die, das Extrablatt ſchwenkend, begeiſtert ſagte : „Lüttich iſt gefallen, det iſt die Dreckſerben aber recht.“ Aber geläufig ſind die Bahnen weltpolitiſchen und weltwirtſchaft- lichen Denkens erſt einem kleinen Kreije in Deutſ<land. Auf alle Fälle muß dieſem Kriege, der uns mit ſo mächtigen Schlaglichtern die Verflechtung der Völkerintereſſen über die Erde hin gezeigt hat, in der Schule die Verkündigung eines Deutſchland folgen, deſſen wirtſchaftliches und politiſches Dajein -- auch ohne geographiſche Gebiet8erweiterung -=- nicht mehr zwiſchen Maas und Memel, zwiſchen Etſch und Pelt eingeſchloſjen iſt. Der Jugend müſſen die lebendigen Organe, die unjer deutſches Volk durch Gewerbe, Handel, Wiſſenſchaft über die Welt ſtre>t, muß das weite Reich unſerer deutſchen Intereſſen in der Welt ſtärker und leben- diger zum Bewußtſein gebracht werden. Und mit dieſem Programmwort „das größere Deutſchland“ hängt ein anderes zuſammen: die Gegenwart. Wir kön- nen nicht anders, wir müſſen mit hiſtoriſchem Stoff ener- giſcher als biSher in der Schule aufräumen, damit wir mehr Plaz; befommen für die ungeheure Fülle, die ſc<hwierige Viel- geſtalt dieſer Gegenwarts3verhältnijſſe. Von der Unterſtufe bis zum Abiturienten muß dieſe Einſtellung auf das Ver- ſtändnis der Gegenwart noch viel mehr in den Vordergrund rüden wie biSher. An die Forderung: mehr Gegenwart ſ<ließt ſich al3 dritte die ſtärkere Erweckung des Verſtändniſſe3 für volkswirt- ſ<aftliche Tatſachen und Zuſammenhänge. Dar- über brauche im all denen kaum etwa38 zu ſagen, die mit Dußenden von Worträgen ſich abgemüht haben, die volks5- wirtſchaftlichen Grundbegriffe für die Ernährungs3frage dem breiten Publikum auszeinanderzuſezen. Dieſe ganze Aufklä- rungsarbeit hat gezeigt, wie auch die, die vom beſten Willen bejeelt waren, vielfach nicht das geeignete geiſtige Rüſtzeug bejaßen, um wirkfjam mithelfen zu können. Wir müſſen auch in der Lehrerbildung eine ganz andere Rolle für die Tatſachen des Wirtſchaftslebens verlangen. Und hier. möhte ich auch vor einem Trugſchluß warnen, der angeſichts des Verſagens der Hausfrauen im breiten Publikum jezt von zahlreichen Volksfreunden begangen wird. Man will näm- lich dieſes Verſagen der Hausfrauen ausſchließlich auf die Unfähigkeit im Koc<hen zurückführen. I< glaube, noch ſehr viel ſtärker als die Frauen im Volk mit der ungenügenden wirtſchaftlichen Ausbildung haben verhältnismäßig die Haus- frauen verjagt, die ſehr gut -- vielleicht beinahe zu gut -- fochen können, denen aber das fehlt, was mit der bloßen Kochkunſt nicht gegeben iſt: das Verſtändnis der Zuſammen- hänge des Ginzelhaushalt8 mit der Volkswirtſc<haft. Wir werden ja über dieje Frage im Zuſammenhang mit dem weiblichen Dienſtjahr ſprechen. Es muß aber auch an dieſer Stelle ſehr ſtark hervorgehoben werden, daß es wahrlich hieße, die ganze Leiſtung der Frauen in dieſer Zeit ſehr falſch bewerten und beurteilen und die Quelle ihre3 Verfägens an ſehr verkehrter Stelle ſuchen, wenn wir ſie nun zurüc- j<hiten an ihren Kochtopf und in ihren Einzelhaushalt und ihnen jagten: die Kriegslehre für euch iſt, daß ihr euch hier no<h viel mehr einkapfelt als vorher. Praktiſche Beherrſchung des HauShalts iſt notwendig und ſelbſtverſtändlic<ß, weil wir praktiſche Tüchtigkeit in den einfachen Anforderungen des Tagesleben3 als Grundlage für alles andere brauchen. Aber was dieſe Zeit im beſonderen und eigenen für die: Hausfrauen lehrt, iſt die Erweiterung ihres Horizonte3 in' das Volks8wirtſchaftliche hinein. Mit einer ſtärkeren Hinwendung auf volkswirtſchaftliche Tatſachen würde der geſamte Schulunterricht in. vieler Hin--