tionen, deren Entwiälung nad) beſtimmten Geſetzen ſich vollzieht, gerichtet. Wenn Unterricht und Erziehung dieſe Entwi>lungsgeſetze, die von der Rinder- forſchuig oder, wie wir jeßt treffender ſagen, um das Pubertätsalter mit einzu- begreifen, von der Jugendkunde feſtgeſtellt werden, ignorieren, oder wenn eine nicht gerechtfertigte zu ſcharfe Diſſonanz zwiſchen Anlage, Begabung, Neigung und geforderter Beſchäftigung ſic herausbildet, wenn der Zögling an die ſogenannte Sdyulmoral gewöhnt wird oder wenn jahraus jahrein die große Lü>e zwiſchen Auf- gabe und verſuchter Löſung zu ſchmerzlid) empfunden wird, dann entſteht im Sögling eine Serriſſenheit, und eine innere öSerriſſenheit bedeutet ſtets =- darüber darf ſic) der Erzieher nicht täuſchen -- auch beim Schüler einen unnatürlichen, oft qual- vollen, dem innerſten Weſen des menſchlichen Geiſtes widerſtrebenden Zuſtand; denn alles ſeeliſche Werden und Wachſen iſt dur< einen Drang nad) innerer Geſchloſſen- heit und Sreiheit, wie er in der Geſtaltung des Menſchen zu einem Id) ſeinen höchſten Ausdru> findet, <haralteriſiert. Seit einigen Jahrzehnten, ſeitdem der Entwiklungsgedanke, dieſe gewaltige Errungenſc<haft des 19. Jahrhunderts, ſie) auc< auf dem Gebiete der Pſychologie fruchtbar erwieſen hat, iſt die Wiſſenſchaft bemüht, einen tieferen Einbli> in die Entwidlung des kindlichen Geiſtes zu gewinnen, und wir dürfen ſagen, daß ſie in der kurzen Seit ihres Beſtehens bereits tüchtige Sortſchritte gemacht hat. In allen Uuliurländern bis nach Japan hin wird die Jugendkunde mit Eifer gepflegt, und wenn aud) no weite Ureiſe der pädagogiſchen Welt ſie mit ſkeptiſchen Bli>en betrachten, ſo ſprechen do<h alle Anzeichen dafür, daß ſie in abſehbarer Seit einen großen Cinfluß auf die geſamte Erziehung gewinnen wird, und zwar weniger viel- leiht dur< ihre „geſicherten Ergebniſſe“ --- obwohl auch dieſe nicht gering und unbedeutend ſind -- als vielmehr dadur<, daß die Jugendkunde jedem, der ſich ein- gehender mit ihr beſchäftigt, die Augen öffnet für die große Sahl und die S<hwie- rigkeit der hier noh zu löſenden Probleme, für die wunderbare Seinheit und Rompliziertheit des kindlichen wie des menſchlichen Geiſteslebens überhaupt. Wenn irgendwo, ſo iſt beim pſychologiſchen Studium erſt die Kenntnis der feinſten Einzel- heiten und eine tiefe Einſicht in die wiſſenſchaftlice Methode für den Pädagogen von Wert. Die bloße Aneignung eines groben Schemas, wie es die landläufigen für Lehrer geſchriebenen Leitfäden meiſtens bieten, iſt nicht nur vollſtändig wert- los, ſondern oft geradezu ſchädlich, indem es den Sinn für die unendlich reid ge- ſtaltete Wirklichkeit des pſychiſchen Lebens abſtumpft. Auf die Beziehungen zwiſchen Erziehungswiſſenſchaft und Jugendkunde brauche ic hier im einzelnen nicht weiter einzugehen, da hierüber berufene Vertreter dieſer Sachwiſſenſchaft zu Ihnen ſprechen werden. Der Bund für Sdulreform wird es ſich zur Aufgabe machen, weitere Ureiſe für die Ergebniſſe und Methoden der Jugendkunde wie der modernen pſychologiſchen 9