Allgemeine Wödentlich erſcheint eine Nummer in einem ganzen Bogen. Abonne- ments, j2do< nur auf den gan- zen Jahrgang, nehmen alle Poſi- Ämter 1uund Buchhandlungen an. Schul-Zeitung. Preis per Jahrgang Rthlr. 3. öder 1. 5. 24 fr. =“ I nſerate wer- den mit 1 Sgr. oder 4 kr. die geſpaltene Retitzeile oder deren Raum bere<hnet. == ing A<htunddreißigſter Jahrgang. N-- 16. <== Erziehung zur Wehrhaftigkeit. Unter dieſer Aufſhrift hat der Director der Muſterſchule in Frankfurt a, M., Dr. Kühner, dem wir ſchon ſeit einer Reibe von Jahren ſchöne pädagogiſche Oſtergaben zu danken haben, in der Einladungsſc<hrift zu den dießjährigen Oſter- prüfangen ſeine innige Freude ausgeſpro<hen, daß man jeßt allgemein in Deutſchland dur< Einführung des Turnens in die Schulen, wenigſtens an der Jugend des Volkes zu voll- ziehen ſju<t, was man am Volk ſelbſt einſt verſäumt hat, Aber es ſcheint ihm Noth, übertriebene Hoffnungen zu dämpfen und den edlen Eifer auf ein größeres Arbeitsfeld, als das im Turnſaal beſchloſſene, hinzulenken. Zunächſt weiſt er den Wahn zurüF, als ob die Wehrhaftigkeit des Volks nur in ſeinen Gliedern und Muskeln ſte>e, zu deren Kräftigung der Turnunterricht da ſei. „Dieſer hat ein höheres Ziel im Auge, Das ſtraffe Zuſammennehmen der Kraft, das ſich Herauswagen, die Freude am Gelingen, die Gewöhnung zum Selbſtvertrauen in der Gefahr und zugleich der ſtrenge Rhythmus, der namentli< im Spieß'ſ<hen Turnen auc<h die Unbeholfenen und Langſamen mit ſich fortreißt und die Un- geduldigen und Ungeberdigen von - dem Wirbel bis zur Zehe in feſte Zucht nimmt --- das find Uebungen, die Muth und Entſchloſſenheit, ſ<nellen Bli> und raſchen Sinn und neben freier Kraftäußerung zugleih Selbſtbeherrſhung erzeugen -- Uebungen, die niht nur eine harmoniſche Ausbildung aller leiblichen Kräſte anſtreben, ſondern auch durc< ihre geiſtigen Elemente den Charakter zur Kampfestüchtigkeit zu ſtäh- len ſuchen.“ -- So ho< man au< den Werth des Turnens anzuſ<hlagen hat, [ſo darf fich doh die Schule nicht ein- bilden, als ob ſie allein den Knaben zu einem tüchtigen Turner zu bilden vermöge. Die Familie hat vorzugsweiſfe dafür zu ſorgen, daß der Knabe nicht verweichliht, vielmehr abge- härtet werde, und ferner, daß ſein Geiſt nicht erſ<hlaffe durch verfeinerte und verfrühte Genüſſe, entnervende Politur und überreizende Lectürez in der Familie müſſen die Jünglinge ni<t nur geſund, kräftig und abgehärtet erhalten, ſondern auß an ſtarfe Selbſtverläugnung und Selbſtüber- windung gewöhnt werden. Solche kriegeriſche Tüchtigkeit, zu welcher, wenn ſie niht zu rohem Handwerk herabſinken foll, ſich Patriotismus, Dienſttreue, Gehorſam, opferwillige Kamerad- ſchaft gejellen müſſen, bedarf zur Pflege dieſer Tugenden der gemeinſamen Einwirkung der Schule, der Familie und des Volksgeiſtes. Die Schule ſcheint uns zumeiſt dieſer ihrer Auf- gabe bewußt zu ſein und ihr eifrig nachzukommen. Auf die Darmſtadt, 20. April. << nnnnn==<=enzzueeerrmrmnzr rz zz zu Ez zmmnnzz=zennmgz 1861, Pflichten der häuslihen Erziehung, wie auf den weitreichenden Einfluß der Volksfitte und des Volksgeiſtes hat der Herr Ver- faſſer lihtvoll hingewieſen und dargethan, „daß die friegerij<e Wehrhaftigkeit unſeren Knaben nicht dur< dieſe oder jene Fertigkeit und Tugend angeeignet werden könne, jondern aus dem tiefſten Grunde ihres geiſtigen und leiblichen Weſens lebendig hervorwachſen müſſe.“ Die von uns nur angedeuteten Erörterungen ſind mit großer Umſicht, Klarheit und Anmuth dur<geführt und dur< eingefügte Ausfſfprühe bedeutender Männer no< einleuchtender und überzeugender gemac<t worden. Von ſolchen Stellen wollen wir nur zwei hervorheben, welche die weiteſte Beachtung verdienen. 1) Will man eine patrio- tiſche Jugend, ſo muß man vor Allem, wie Palmer ſagt, „die wie eine Seuche graſſirende Vorliebe für alles Fremdländiſche, insbeſondere für das Franzöſiſche, in dem Maße, als die Wahr- heit und die allgemeine Menſchenliebe es erlaubt, niederj<lagen und dagegen dem Kinde das eigene Vaterland. durg Geſchichte, Gewöhnung und patriotiſche Sitte an's Herz legen.“ -=- 2) Bei jenem Wartburgfeſte, an dem die akademiſche Jugend Deutſchlands in höhſter Begeiſterung patriotiſch fich verbrüderte, rief einer ihrer geliebteſten und freiſinnigſten Lehrer, Oken, ihr zu, und ſein Wort wurde willig gehört : „Ihr ſeid jeßt Jugend, der kein anderes Geſchäft zukommt, als fich jo ein- zurihten, daß ſie gedeihlih wachſe, fich bilde, fich nicht durc< eitle Gebräuche aufreibe. Ihr habt nicht zu bereden, was im Staate geſchehen, oder nicht ſoll: nur das geziemt euch zu Überlegen, wie ihr einſt im Staate handeln ſollt, und wie ihr euc< dazu würdig vorbereitet.“ =- Herr Dr. Kühner faßt auf der leßten Seite ſeiner zeitgemäßen, verdienſtlihen Schrift j ein Mahnung in den Worten zuſammen: „Der Krieg iſt ein Prüf- ſtein der Tüchtigkeit der Völker und ein Strafgericht für. die untüchtigen. Und wenn jeßt Er, der je und je fein Volk zieht, „wie ein Mann ſeinen Sohn zieht“, uns mit ſeinem Kriegs- drohen an eine Pflicht mahnt, ſo iſt es! keine geringere, als die, daß das ganze Volk in ſeiner Jugend fich ftärke, -- keine geringere, als die einer Reinigung, Neube- lebung und Kräftigung unſerer Erziehung überhaupt.“ In Sachen des Sculturnens fügen wir no< 3 weitere Mittheilungen an: In der deutſ<hen Turnzeitung (Nedaction von Göß, Verlag von E. Keil in Leipzig) weht fortwährend ein friſcher, patriotiſcher, von vorwißiger Politik ſich frei bewahrender Geiſt, anregend und belehrend, und können ihre Nachrichten . über den zunehmenden Aufſchwung eines naturwüchſigen Turnbe- triebs in immer weiteren Kreiſen nur erſreulih ſein. Aber