Die Psychologie eines Rechenkünstlers 529 als den vorgichtigen Erwägungen auf Grund der Entwickelungslehre kommt. Freilich darf und muß zwisSchen diegem allgemeinen Grundgedanken und und der jeweiligen vergänglichen Ausführung unterschieden werden. Und zwar liegen gerade in der Ausführung alle eigentlichen Probleme der Pädagogik, die als WisgSenschaft vor allem Immer von den Mitteln handeln wird. Diegse lassen Sich aber nun einmal aus der Grundidee der Erziehung nicht ableiten. Gleichwohl darf die Einzelunterguchung wie die praktische Tätigkeit im Dienste der Erziehungsideale aus 80 allgemeinen Erwägungen den tröstlichen Schluß ziehen, daß die Macht der Erziehung im weitesten Sinne des Wortes doch nicht 80 gering ist, als eine nur von der Natur- beschaffenheit des Zöglings ausgehende Denkweise leicht erachten möchte. Die Psychologie eines Rechenkünstlers. Von Max Brahn. Seit Binets Schöner Schrift über „Die Psychologie der großen Rechenkünstler und Schachspieler“ sind in der Literatur Fälle gleichwertiger Rechenkünstler, wie es Inaudi und Diamandi waren, nicht wieder berichtet worden. Vor einigen Jahren nun konnte man im Variete einen Mann Sehen, der beiden in den wesgentlichsten ihrer Leistungen weit überlegen war und der zugleich einen ganz anderen Kindruck machte als die beiden beobachteten Rechner. Dr. Rückle hatte in Göttingen mit einer, wie der berühmte Mathematiker Hilbert Sagt, weit über dem Durchschnitt Stehenden Arbeit Sein Doktorexamen gemacht und war auch theoretisch im Rechnen und in der. Zahlentheorie außerordentlich durchgebildet. Seine Leislungen waren das Erstaunlichste, was ich je unter wohl 30 mir bekannten Fällen hervorragender Rechenkünstler gesehen habe. Bestechend war zugleich die ruhige Sachlichkeit Seines Auftretens, der völlige Mangel an Aplomb und der Eindruck absoluter Gegsundheit und Nüchternheit, den man bei Seinen Leistungen hatte. Man muß es Rückle im höchsten Grade Dank wissen, daß er Sich zu einer ge- nauen WisgSensgchaftlichen Untersuchung hergegeben hat, die wiederum gar keinem äußeren Zwecke dient, nicht etwa für ihn Reklame macht, Sondern versteckt in Georg Blias Müllers großem Werke „Zur Analyse der. Gedächtnistätigkeit und des Vor- Stellungsverlaufs“ veröffentlicht ist. Den Fortschritten entsprechend, welche die Technik der Gedächtniguntersuchungen Iinzwischen gemacht hat, konnten auch die . Regultate der Müllerschen Unterguchungen, 8o0weit sie bis jetzt vorliegen, uns noch weiter führen als die Binets. Die Untersuchungen wurden hauptsächlich mit Ziffernreihen vorgenommen, doch wurden auch Farbennamen auf farblogen und farbigen Täfelchen, Sinnlose Silben usw. angewandt. Das Material wurde zum Teil vorgelegen, zum Teil gleichzeitig oder Sükzesgive viguell dargeboten. Es wurden Sowohl die Lernzeit wie die Hersgagezeit gemessen. Die Zeitmessungen wurden mittels zweier */,-Sekunden-Uhren ausgeführt und auf halbe Sekunden abgerundet. Es wurde stets mit der Aufgabe, möglichst Zeitgehrift i, pädagog. Psychologie, 34